Business-Dresscode - "Wie ich wirken will, bestimme ich"
Kleidung sendet Signale aus. Welche? Das lässt sich steuern. Businesskleidung sollte dreierlei abbilden: die Persönlichkeit, das Unternehmensimage, die Werte, die man vermitteln möchte, rät Stil- und Imageexpertin Elisabeth Motsch.
Elisabeth Motsch weiß: Kleidung ist ein machtvolles Marketinginstrument. Die Stil- und Imageexpertin aus dem Flachgau entwickelt maßgeschneiderte Dresscode-Konzepte für Unternehmen, Selbstständige und Führungskräfte. Im SN-Interview erläutert sie die Psychologie hinter dem Businessoutfit und wie man seinen individuellen Stil gezielt nutzen kann, um seine Ziele zu erreichen.
Wie wichtig ist das Erscheinungsbild für den beruflichen Erfolg?
Elisabeth Motsch: Auch wenn sich seit der Pandemie einiges bewegt hat, die Regeln lockerer geworden sind – die Botschaften, die Kleidung übermittelt, haben sich nicht verändert. Kleidung ist visueller Small Talk, der anderen sehr viel über mich erzählt – über den sozialen Status, die kulturelle Zugehörigkeit, die berufliche Position. Man sollte darauf achten, dass sie das Richtige erzählt. Auch Studien zeigen, dass wir andere aufgrund der Kleidung bewerten. Und zwar unbewusst. Ein formell gekleideter Geschäftsmann erhält häufiger positive Beurteilungen wie attraktiv, intelligent und beliebt, während jemand in nachlässiger Kleidung möglicherweise eher als unattraktiv, unintelligent und unbeliebt wahrgenommen wird. Die Wahl der Kleidung kann einen erheblichen Einfluss darauf haben, wie wir miteinander umgehen. Vielen ist nicht bewusst, dass Geschäfte nur deshalb oft nicht zustande gekommen sind, weil sie mit ihrer Kleidung die falschen Botschaften gesendet haben. Wenn ich diese Psychologie durchschaue und weiß, was ich tue, kann ich tun, was ich will. Denn wie ich wirken will, entscheide ich!
Siehe auch: Die Krux mit der Kleidung | SN.at
Wie beeinflusst die Wahl der Kleidung das Selbstbewusstsein und die Ausstrahlung am Arbeitsplatz?
Elisabeth Motsch: Das Allerwichtigste ist, dass man sich in seiner Kleidung wohlfühlt. Denn wenn ich mich nicht wohlfühle, zeigt sich das in der Körperhaltung. Ich wirke unsicher. Doch auch diese Wohlfühlkleidung muss ich mit Botschaften verbinden, die zu meiner Rolle passen: Was hilft es, wenn ich mich in meinem liebsten Blümchenkleid im Vorstandsmeeting total wohlfühle, aufgrund der Botschaft, die meine Kleidung aussendet, aber nicht ernst genommen werde?
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Was sollten Führungskräfte beachten?
Elisabeth Motsch: Bei Führungskräften geht es nicht nur darum, dass sie gut gekleidet sind, sondern auch darum, dass sie durch ihre Kleidung den Menschen um sich herum Sicherheit vermitteln – gerade in instabilen Zeiten wie heute müssen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sehen, dass ihre Chefin, ihr Chef nicht wie ein Leichtgewicht wirkt, sondern die Position auch über die Kleidung ausfüllt. Führungskräfte sollten daher besonders auf hochwertige Kleidung setzen: Sie muss sitzen, darf nicht ausgefranst sein, die Schuhe nicht abgetragen, der Gürtel nicht aufgebraucht. Nachlässigkeit vermittelt, dass man auch in der Arbeit nachlässig ist. Selbst bei einem lockeren Gespräch sollte eine Führungskraft nicht im Hoodie dasitzen – außer natürlich es passt zur Branche, ist Teil der Marke.
Schwarz, Grau, Marineblau gelten als typische Farben fürs Business: Darf man auch mutiger sein?
Elisabeth Motsch: Ja! Man muss aber immer überlegen, was die Aussage der Farbe ist. Passt diese Botschaft denn zum Unternehmen, zum Anlass? Wenn etwa der Unternehmensclaim lautet „Der Kunde steht im Mittelpunkt“, dann werde ich keinen pinkfarbenen Hosenanzug tragen. Man kann aber durchaus einen blauen mit einem pinkfarbenen Shirt kombinieren. Die Farbe muss außerdem zur eigenen Persönlichkeit passen – heute will man authentische Menschen sehen. Wenn jemand Introvertiertes eine knallige Farbe trägt, dann stimmt das nicht mit der Aussage der Farbe überein. Das verwirrt die Menschen.
Achtung: Einen schwarzen Anzug zieht ein Mann im Business nicht an – der ist Begräbnissen und Hochzeiten vorbehalten –, sondern einen dunkelblauen oder -grauen. Frau kann sehr wohl Schwarz tragen. Sie muss sich aber klar sein, was sie damit signalisiert: nämlich Seriosität, Distanz. Schwarz signalisiert keine Nähe und auch nicht das Gefühl, ich stelle mich auf dich ein, du kannst mir vertrauen, was etwa ein wichtiger Wert in der Kundenberatung ist.
In Zeiten flexiblerer Arbeitsmodelle: Wie findet man die Balance zwischen Komfort und Professionalität im Homeoffice?
Elisabeth Motsch: Gerade im Homeoffice ist es für viele komisch, wenn sie sich kleiden wie im Büro. Aber bei Onlineterminen gilt es die gleiche Professionalität an den Tag zu legen wie bei jedem anderen auch. Generell gleicht man sich an das Gegenüber an, trägt also gegebenenfalls Blazer oder Anzug. Es gibt Möglichkeiten, Komfort und Stil zu kombinieren, etwa indem man einen bequemen Strickblazer anstelle eines herkömmlichen trägt.
Im Onlinegespräch dürfen weder der Hintergrund noch Accessoires von der eigenen Person ablenken. Das Gesicht sollte gut ausgeleuchtet sein und die Kamera gerade ausgerichtet. Noch ein Tipp: Direkt in die Kamera schauen, nicht auf den Bildschirm, dann hat das Gegenüber das Gefühl, dass Sie miteinander reden!
Siehe auch: So sehen Sie in Videogesprächen gut aus | SN.at
Wie lässt sich der eigene Stil im Beruf einbringen, ohne dass man dabei unprofessionell wirkt?
Elisabeth Motsch: Kleidung drückt Wertschätzung und Respekt sich selbst und anderen gegenüber aus. Unprofessionell ist man immer dann, wenn man sich nachlässig kleidet oder auch wenn der Stil nicht zum eigenen Charakter passt. Wenn ich eine sehr strukturierte Person bin, sollte auch die Kleidung Struktur haben: Sie muss gut sitzen, klar geschnitten sein. Bin ich eine Macherin, ein Macher, brauche ich Bewegungsfreiheit in der Kleidung. Wenn ich sehr sozial bin oder bodenständig, greife ich zu Materialien mit Textur, die man jahrelang tragen kann. Habe ich eine verspielte Persönlichkeit, arbeite aber in einer Branche, die Seriosität verlangt, kann ich zum Beispiel mit Schmuck Highlights setzen. Extrovertierte können mit ein wenig auffälligeren Details ihre Persönlichkeit unterstreichen, sofern es zur Branche passt.













