Arbeitswelt

Corporate Influencer: Social-Media-Kanäle für die Firma nutzen?

Sogenannte Corporate Influencer bringen Unternehmen viel, wenn das Rundherum passt. Doch sollen Mitarbeiter wirkliche ihre Kanäle für die Firma verwenden?

Influencer aus den eigenen Reihen machen ihre Arbeitgeber attraktiv.  SN/shutterstock/metamorworks, barbara hohenwallner
Influencer aus den eigenen Reihen machen ihre Arbeitgeber attraktiv.

Markenbotschafter aus den eigenen Reihen erhöhen Bekanntheit und Glaubwürdigkeit eines Unternehmens immens. Doch nur die wenigsten Mitarbeiter wollen Corporate Influencer sein, schildert der Kommunikationsberater und Autor Martin Sturmer.

Warum brauchen Unternehmen plötzlich Corporate Influencer? Martin Sturmer: Die Social-Media-Aktivitäten vieler Unternehmen bringen nicht den erhofften Erfolg. So ist die Sichtbarkeit von Firmen-Facebookseiten zurückgegangen. Das hat mit Algorithmen und dem Trend zu mehr Personalisierung zu tun.

Unternehmen sollen sich also mehr durch ihre eigenen Mitarbeiter präsentieren? Das bringt viel, wenn man es richtig macht. Corporate Influencer sind Mitarbeiter mit vielen Followern auf ihren persönlichen Social-Media-Kanälen. Über Twitter, Facebook oder Instagram verbreiten sie die Markenbotschaften ihres Unternehmens. Zu den bekanntesten zählen in Österreich Klaus Schwertner von der Caritas, ORF-Journalist Armin Wolf oder Christoph Schmutz vom IT-Dienstleister Ceyond.

Worüber berichten Corporate Influencer? Sie geben Einblicke in den Arbeitsbereich, zum Beispiel, was man in einer bestimmten Funktion den ganzen Tag macht. Auch bei Events, Firmenreisen oder Begegnungen mit spannenden Menschen wird viel getwittert. Oder auch einfach darüber, dass die Firmenkantine gerade einen tollen Wok-Koch eingeladen hat.

Was bringt das dem Unternehmen? Corporate Influencer verleihen einem Unternehmen ein Gesicht. Menschen vernetzen sich lieber mit anderen Menschen als mit Marken. Die neuen Markenbotschafter machen ihr Unternehmen bekannter, steigern die Interaktionsraten mit Kunden, die Mitarbeiterbindung und die Arbeitgebermarke. Im zunehmenden "War for Talents" muss man potenzielle neue Mitarbeiter ja für Unternehmen begeistern können.

Was hat der Mitarbeiter davon, wenn er auf Twitter oder Facebook von seiner Arbeit berichtet? Er steigert seine eigene Sichtbarkeit im Unternehmen. Diese Eigenprofilierung hilft ihm auf der Karriereleiter. Manch einer füllt ohne Hintergedanken seine eigenen Kanäle mit Firmeninhalten, weil er einfach von seinem Unternehmen begeistert ist.

Viele werden das nicht sein. Es sind die wenigsten. Mitarbeiter dafür zu gewinnen ist am schwierigsten. Der Druck auf Mitarbeiter, sich als Corporate Influencer zu engagieren, steigt. Ich erlebe oft Chefleute, die beleidigt reagieren, wenn Mitarbeiter das ablehnen. Laut einer Gallup-Umfrage haben nur zwölf Prozent eine hohe Bindung zu ihrem Unternehmen, 70 Prozent eine geringe und 18 Prozent gar keine. Die meisten Mitarbeiter machen Dienst nach Vorschrift. Doch die Chefetage interpretiert das völlig anders.

Wie kann man Mitarbeiter als Markenbotschafter gewinnen? In Beratungen fällt mir immer wieder auf, dass Mitarbeiter keine Ahnung haben, was der Zweck und die Werte ihrer Unternehmen sind und wo diese hinwollen. Das müssen Unternehmen viel besser transportieren. Ich rate dazu, neuen Markenbotschaftern ältere als Mentoren zur Seite zu stellen oder Berater dafür ins Haus zu holen und spezielle Computertools zu verwenden. Corporate Influencer brauchen Ahnung von rechtlichen Aspekten und den Wirkungsmechanismen von Onlinekommunikation. Ihre Tätigkeit ist Arbeitszeit und auch die Chefetage sollte sich engagieren.

Aus welchen Abteilungen sollten die Influencer kommen? Bisher kommen sie hauptsächlich aus Marketing- und Kommunikationsabteilungen. Spannend wären Forschung und Entwicklung. Viele Bereiche sind geeignet. Es geht darum, die echten Geschichten aus seiner Arbeit zu zeigen. Die, die man sich nach der Arbeit bei einem Bier erzählt.

Buchtipp: Martin Sturmer: "Corporate Influencer - Mitarbeiter als Markenbotschafter", Verlag Springer Gabler, Wiesbaden.

Martin Sturmer ist Kommunikationsberater in Salzburg. Er hat mehrere Bücher zu Medien- und Kommunikationsthemen veröffentlicht und unterrichtet an der FH Salzburg.

Quelle: SN

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