Arbeitswelt

Nicht Homeoffice, sondern hybrides Arbeiten ist gekommen, um zu bleiben

Durch die Pandemie hat das Homeoffice fast in allen Unternehmen Einzug gehalten. Die Möglichkeit dazu allein sei aber zu wenig, sagen Experten: "Hybrides Arbeiten" braucht mehr, soll es in den Betrieben dauerhaft gelingen. Was genau, verraten neue Studien zur Zukunft der Arbeit. Als sicher gilt: Flexibilität und Dynamik steigen.

Flexibilität ist gefragter, denn je. SN/sodawhiskey - stock.adobe.com
Flexibilität ist gefragter, denn je.

Laut einer Studie der Universität Bamberg würde fast ein Drittel der befragten Jobsuchenden eine Position ohne Homeoffice-Möglichkeit gar nicht mehr annehmen. Was sich vor der Pandemie schon angekündigt hat, ist mit ihr zur Realität geworden. Die Organisation des Lebens ist mit dieser Möglichkeit leichter geworden: Die Koordination von privaten und beruflichen Terminen, der Wegfall von Anfahrten zum Arbeitsplatz, teils bessere Konzentration auf die Aufgaben.

Der Start war dennoch nicht leicht. "Wir haben zu Beginn des ersten Lockdowns alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ins Homeoffice geschickt. Aber natürlich waren interne Kommunikation und Firmenkultur eine Herausforderung. Hier wurden wir zu noch schnellerer Entwicklung gezwungen, haben viel gelernt und noch mehr Prozesse digitalisiert", sagt beispielsweise Roland Dessovic, Geschäftsführer der Salzburger Digitalagentur elements.at.

Mehr Zufriedenheit - höhere Produktivität

Weitere Studien unter anderem von DB Research zeigen, dass die größere Flexibilität zu mehr Zufriedenheit unter den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und dadurch auch zu höherer Produktivität führt - sofern im Betrieb und zu Hause die richtigen Rahmenbedingungen geschaffen wurden bzw. gegeben sind. Eingeführt wurde deshalb bei elements.at ein hybrides Arbeitskonzept mit 50 Prozent Homeoffice-Möglichkeit, als "gesunde Mischung von vor Ort und zu Hause".

Homeoffice allein ist also kein Allheilmittel. "Das Schlüsselwort ist "Hybrid Workspace", so Michael Glas, Geschäftsführer der Agentur pixelart. "Das heißt weit mehr als Homeoffice: Es ist ein Versprechen für Mitarbeiter und Kunden, dass der Fokus auf dem gemeinsamen virtuellen Teamarbeiten liegt, darauf geschaut wird, dass der Prozess reibungslos funktioniert. Da spielen viele Dinge eine Rolle: die Übernahme von Verantwortung, Vertrauen, Rituale, Teambuilding, gutes Management." Die Grundlage habe man mit Vertrauensarbeitszeiten, selbstorganisiertem Arbeiten und einem bunten, großen Büro gelegt. "Direkt danach kamen schon cloudbasiertes Arbeiten und Onlinezusammenarbeit mit Tools wie Teams, Slack und Co."

Ökologische Komponente

"Hybrid Work" oder hybrides Arbeiten brauche generell eine Mischung aus Präsenz im Unternehmen, sagt Glas, aber das Entscheidende sei die Flexibilität: "Bei pixelart ist ein Drittel fix zu Hause, ein Drittel pendelt, ein Drittel möchte fix in der Firma sein - das bedeutet auch viele oftmals leere Plätze. Daher gehen wir in Richtung Begegnungsräume, gemütliche Räume für Zusammenarbeit. Das Ziel ist, alles noch kollaborativer zu machen, damit Hybrid Work noch besser funktioniert." Hybrides Arbeiten habe dabei auch eine ökologische Komponente: Es sei ressourcenschonender, was Arbeitsplätze und Arbeitswege betreffe.

Spannende Erkenntnisse, wie es mit hybridem Arbeiten weitergehen wird, liefert eine Studie des Shift Collective, eines Verbunds zehn deutscher Beratungsunternehmen, der in der Pandemie gegründet wurde. Basierend auf einer Umfrage unter 530 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie Führungskräften von Unternehmen aller Art, 20 Experteninterviews und einer Metaanalyse von 30 anderen Studien postuliert das Shift Collective zehn Thesen zur hybriden Arbeitswelt der Gegenwart und Zukunft. Hier die wichtigsten Erkenntnisse:

Flexibles Arbeiten ist Trumpf, wobei das "3+2"-Modell eindeutig im Trend liegt, also drei Tage im Office, zwei Tage im Homeoffice oder umgekehrt. Hybrides Arbeiten bedeutet außerdem nicht den Tod des Büros, sondern lediglich eine neue Entwicklungsstufe: "Unternehmen stehen vor der Herausforderung, Kultur, Identität und Mitarbeiter/-innenbindung im digitalen Raum zu ermöglichen und das Büro auf die Bedürfnisse von hybrider Arbeit neu auszurichten. Dabei werden Begegnung, Austausch und Kreativität zu den wichtigsten Design-Prinzipien zählen", so die Studie. 100 Prozent "Remote Work" sei hingegen keine zukunftsfähige Lösung: "Hybrid ist mittel- und langfristig für Belegschaft wie Unternehmenserfolg gesünder." Ziel müsse es sein, regelmäßig Momente von emotionaler Verbindung zu schaffen.

Gamechanger für ländliche Gebiete

Hybride Arbeit wird laut Studie außerdem zum Konjunkturprogramm für Job-Matching, Flexibilisierung und Internationalisierung - und könne so vor allem für "Hidden Champions" in ländlichen Gebieten zum Gamechanger werden. "Die Beseitigung der räumlichen Entfernung als limitierender Faktor könnte das Matching von Jobsuchenden und Arbeitgebern verbessern", zitiert die Studie Autoren des ifo-Instituts. Es bestehe auch die Chance zur neuen, hierarchieübergreifenden Zusammenarbeit bei gleichzeitig hoher Transparenz - wenn das Top-Management hier umdenkt, in Richtung permanenter Austausch und neue Rollen als "Content Creator" und Moderator. Führungskräfte sind somit mehr gefordert als zuvor.

Generell verortet die Studie eine Öffnung der Firmenkultur sowie starken "Trainingsbedarf" bei der kompetenten Nutzung der technischen Werkzeuge. Und: Hybrides Arbeiten habe teilweise "widersprüchliche Effekte" auf Diversität und Gleichberechtigung. Es gelte sich mit diesen auseinanderzusetzen. "Für diejenigen, die ihr Arbeitsmodell frei wählen können, weil die Tätigkeit oder der Arbeitgeber es zulässt, ermöglicht Hybrid Work Freiheit und Selbstverwirklichung. Die Herausforderung für Teams, Unternehmen und unsere Gesellschaft besteht umso mehr darin, diese Wahlfreiheit möglichst vielen zugänglich zu machen und Ansätze für die Kompensation unterschiedlicher Rahmenbedingungen zu entwickeln."

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