Arbeitswelt

Mein Weg: Von der Kamerafrau zur Designerin

Der Weg ist das Spiel: Ulrike Halmschlager entwirft nun Stoffmuster. Aus dem spielerischen Umgang mit Fotos und Handy-Apps entwickelte die Salzburgerin ihre eigene Linie.

Anstatt mit der Kamera tanzt Ulrike Halmschlager nun mit Mustern, Farben und Stoffen. SN/ricky knoll
Anstatt mit der Kamera tanzt Ulrike Halmschlager nun mit Mustern, Farben und Stoffen.

Ballast abwerfen. Leicht unterwegs sein. Die Schwere hinter sich lassen. Das hat sich Ulrike Halmschlager nach fast drei Jahrzehnten als Kamerafrau - hauptsächlich für das ORF-Landesstudio Salzburg - und Filmemacherin vorgenommen. "Früher, da habe ich mit der Kamera getanzt. Das ist mir aber immer schwerergefallen", gesteht die gebürtige Kremserin, die sich vor 27 Jahren in Salzburg niedergelassen hat.

Der neue Weg: Designerin

Die Leichtigkeit hat sie sich nun in Form einer guten Handykamera ins Leben geholt. Mit der fotografiert sie - Lieblingsthema farbenprächtige Blumen, vor allem Tulpen -, verändert und bearbeitet die Fotos mit entsprechenden Apps und gestaltet daraus Designs. "Das ist aus dem Spiel mit dem Handy entstanden - ein Sinnbild dafür, wie ich es jetzt gerne habe, spielerisch." Auch zu Farbe und Pinsel greift sie immer wieder, nimmt die strahlenden Blumenfarben auf und gestaltet damit Hintergründe für die Fotos. "So entsteht ein kontinuierlicher Kreislauf. Ich fotografiere, verwende die Motive für die Malereien und diese dann wieder für die Fotos. So gestalte ich Muster in leuchtenden Farben, die ich in der EU auf Stoffe drucken lasse. Weiterverarbeitet werden sie zu Kleidungsstücken wie Tücher, Kleider, T-Shirts bis hin zu Badeanzügen, aber auch Stoffe für Polster gehören dazu." Eine Schneiderin in Passau näht daraus ihre eigenen Kollektionen. Sogar auf Leder werden die Muster gedruckt, die zu Accessoires wie Taschen oder Börsen weiterverarbeitet werden.


Als selbstständige Künstlerin verkauft sie Stoffe und Mode privat oder bei der Schneiderin in Passau. Bis vor wenigen Wochen hat sie in einer Lagerhalle in Hallein ihre eigene Pop-up-Galerie betrieben. Weil die Halle inzwischen abgerissen wurde, musste sie dort wieder ausziehen. "So arbeite ich wieder von daheim aus. Unter die Leute bringe ich meine Designs eben jetzt über meine digitalen Kanäle, vor allem Instagram ist hier hilfreich." Vor sechs Jahren entschloss sie sich zum Start in diese neue Form der Selbstständigkeit. Ein Filmprojekt - "Saudade, Rendezvous in Brasilien" -, das sie mit Herbert Lindsberger umsetzte, sowie private Umbrüche gaben 2015 den Ausschlag, das Leben völlig umzukrempeln. "Ich habe bemerkt, dass ich mit viel weniger auskommen kann. Überdies hatte ich in den guten Jahren Geld gespart und das reichte zur Überbrückung." Seit einem halben Jahr ist sie in Pension und konzentriert sich nun voll und ganz auf die Entwicklung neuer Designs.

Ständig beweisen müssen, besser zu sein

Aufgewachsen ist Ulrike Halmschlager mit einem filmenden Vater, der Urlaube, Familienausflüge und Alltag stets mit der Super-8-Kamera begleitet hat, fotografiert hat sie selbst bereits als Kind. In die Mozartstadt geholt hatte sie 1989, gleich nach dem Studium an der Filmakademie in Wien, Kameramann Dietmar Gessl, der für seine Filmfirma Cinevision unbedingt eine Frau im Team haben wollte. "Er war wohl der Ansicht, dass bei heikleren Themen eine Kamerafrau besser geeignet wäre. Die Arbeit mit der Filmkamera war völliges Neuland für mich. Ohne zu wissen wo, wie und was, habe ich ja gesagt", schildert sie. Zugute kam ihr die damals neue Technik in Form einer Digitalkamera. "Die hatte gut acht Kilo und war für mich gut zu händeln." Die Schwere machte ihr zuletzt mit einer nötigen neuen Filmkamera zu schaffen. "Die war einige Kilo schwerer und da hätte ich ständig mit Stativ arbeiten müssen. Ein ,Tanz' und das Spielerische waren so nicht mehr möglich."

Als Kamerafrau in einer Männerdomäne

Die zierliche Frau musste mit reichlich Vorurteilen zurechtkommen. "Ich musste mich stets beweisen und immer sichergehen, dass ich besser war als die Kollegen. Überdies habe ich es immer abgelehnt, wenn mir ein Kameraassistent beim Tragen der Ausrüstung zu Hilfe kommen wollte", erklärt sie ihr Bestreben, alles selbst schaffen zu wollen. Nach der Probezeit war sie als selbstständige Kamerafrau kontinuierlich für "Salzburg heute" im Einsatz. "Viel Arbeit gab es zwar, aber es war auch viel entspannter. Die Redakteure hatten mehr Zeit für die Recherche und insgesamt wurde uns auch ausreichend Zeit für die Dreharbeiten zugestanden. Das hat sich allerdings vor ein paar Jahren völlig geändert, als der Kostendruck immer höher wurde und beim ORF die Zeichen auf Einsparung standen." Über einen leeren Terminkalender konnte sie sich trotzdem nicht beschweren. Zusätzlich erkrankte die Mutter 2002 an Alzheimer und von da an verbrachte sie jede freie Minute bei ihr in Krems. "Ich war ständig hin- und hergerissen zwischen der Fürsorge für die Mutter und der Verpflichtung meiner Arbeit gegenüber. Ich konnte mir nicht erlauben, einen Auftrag abzulehnen, aus Angst, anschließend keine Arbeit mehr zu haben."

Mit "Ilse, wob ist du?" zu den Filmfestspielen nach Cannes

Den Krankheitsweg der Mutter hat sie bis kurz vor deren Tod mit der Kamera begleitet. Entstanden ist daraus der Film "Ilse, wo bist du?" (2010), mit dem sie zu den Filmfestspielen nach Cannes reiste. 2011 wurde Ulrike Halmschlager dafür mit dem Silver Dolphin in der Kategorie "Ethnology & Sociology" bei den Media & TV Awards ausgezeichnet. "Im Film musste ich auch den Verfall zeigen, obwohl es sehr wehtat. Vor allem, um anderen Betroffenen Mut zu machen. Ich wollte einen Beitrag zur Aufklärung leisten." Dennoch: So gut es ging, sollte eine gute Prise Humor dem schweren Thema etwas Leichtigkeit verschaffen. "Der Film ist generell sehr gut angekommen, später habe ich auch das Begleitbuch dazu veröffentlicht."

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