Arbeitswelt

E-Boom lässt Interesse an Lehre in Kfz-Branche steigen

Die Kfz-Branche ist bei Lehrlingen begehrt: Insgesamt 566 Jugendliche werden derzeit in Salzburger Betrieben ausgebildet. Mit dem Zuwachs an E-Autos liegen Zusatzmodule für Elektronik voll im Trend.

Konzentriertes Arbeiten in der Werkstatt-Halle bei Schmidt Automobile an der Alpenstraße: Wer hier Hektik vermutet, der irrt. Mehrere Fahrzeuge schweben über dem Boden. Lehrlinge, Gesellen, Meister: Alle Ausbildungsstufen haben hier ihren Platz.

Zusatzausbildung "Systemelektronik"

Marcel Reuschel schließt seine Lehre dieseses Jahr ab, er ist schon im vierten Jahr bei Schmidt. Der 19-Jährige kommt eigentlich aus Berlin und ist jetzt bayrischer Grenzgänger. "Ich wohne auf dem Land und wollte möglichst schnell meinen eigenen Führerschein haben", erzählt er; es war Initialzündung für sein großes Interesse an Autos und der Kfz-Branche insgesamt.

Bild: SN/www.neumayr.cc
Technik von Elektroautos hat mich gleich interessiert
Marcel Reuschel, 4. Lehrjahr

Auf der Suche nach einer Lehrstelle wurden er und seine Familie in Salzburg fündig. "Ich habe hier geschnuppert und gleich anfangen können." Er meldete sich auch für die in Modulen aufgebaute Zusatzausbildung "Systemelektronik", um mit Abschluss der Ausbildung auch an Elektro- und Hybridfahrzeugen hantieren zu können. Es kommen laufend mehr Fahrzeuge mit E-Antrieb in die Werkstatt: Marcel schließt gerade einen Volvo an den Laptop an und geht volldigital und konzentriert auf Fehlersuche.

Sicherheit ist hier oberstes Gebot: Bei alternativen Antrieben können Spannungen bis zu 400 Volt auftreten. Das erhöht, gerade wenn beispielsweise Öl im Spiel ist, das Gefahrenpotenzial.

„Es sind heute viel technisches Know-how und eine laufende Weiterbildung gefragt.“
Josef Nußbaumer, Obmann des Landesgremiums

Auch sein Lehrherr und Obmann des Landesgremiums Josef Nußbaumer betont: "Es sind heute viel technisches Know-how und eine laufende Weiterbildung gefragt." Das beginnt schon in der Lehre. Jugendliche wie Marcel wollen mit Technik hoch hinaus.

Die Lehre befindet sich auch aufgrund des schnellen technischen Wandels in einem laufenden Aktualisierungsprozess. Das Auto ist generell - unabhängig vom Antrieb - zu einer komplexen Hightechmaschine geworden. Moderne Sicherheitstechnik und immer mehr Elektronik gehören mittlerweile zum Berufsbild von Kraftfahrzeugtechnikern. In Deutschland wurde die Lehre aufgrund des hohen technischen Anteils bereits auf Kfz-Mechatroniker umbenannt. Der steigende Anteil an Elektrofahrzeugen auf der Straße kommt noch hinzu. Mit Ende 2020 gab es in Österreich 44.507 Elektroautos, die meisten davon mit knapp 10.000 in Oberösterreich und der Steiermark. Im Juli 2021 knackte der E-Auto-Anteil bundesweit zum ersten Mal die Zehn-Prozent-Marke. Im Vergleich zum Vorjahr haben sich mit Strom fahrende Autos verdreifacht. Im Gegenzug sanken die Neuzulassungen von Dieselwagen um rund 20 Prozent. In den Werkstätten ist in diesem Bereich immer noch mehr Know-how gefragt.

4 Jahre Lehrzeit mit "E-Schwerpunkt" in der Kfz-Technik

Wer wie Marcel mit Elektro- oder Hybridfahrzeugen hantiert, braucht einen sicheren Umgang mit Hochvoltsystemen. Mit dem "E-Schwerpunkt" in der Kfz-Technik erhöht sich die Lehrzeit von dreieinhalb auf vier Jahre. Salzburg gehört österreichweit zu den Vorreitern in der Kfz-Technik-Ausbildung mit elektronischem Schwerpunkt. Berufsschule, WIFI und Landesinnung arbeiten laufend an Adaptierungen. So wurde im WIFI Salzburg die Lehrwerkstätte nach dem neuesten Stand der Technik aufgerüstet und das Modul HV-1 für Hochvoltantriebe in die Lehrlingsausbildung integriert.

Ein Höhepunkt für die angehenden Kfz-Techniker ist immer der Lehrlingswettbewerb der Landesinnung für Fahrzeugtechnik, eine beeindruckende Leistungsschau, wo die Facharbeiter von morgen ihr Können präsentieren: Unter 16 Nachwuchs-Kfz-Technikern setzte sich heuer Matthias Nußbaumer von der Firma IVECO aus Eugendorf durch. "Die Leistungen waren einfach hervorragend, genauso wie das Engagement der jungen Talente. Man merkt bei ihnen sofort die Liebe zum Beruf und vor allem auch zur Technik", sagt Walter Aigner, Innungsmeister der Salzburger Kfz-Technik. Er freut sich über den hohen Ausbildungs-Level in den Salzburger Betrieben. Die Problemstellungen beim Wettbewerb waren ein Abbild der Praxis in den Werkstätten: In verschiedenen Stationen waren Aufgaben wie die richtige Einstellung der Bremsen oder das Vermessen der Fahrzeugachsen zu bewältigen.

Längst ist das Berufsbild Kfz-Technik auch für Frauen interessant

Sarah Linner (17) packt seit Kurzem bei Schmidt Automobile in der Werkstatt fleißig an. Allein schon optisch brechen ihre Hände mit Klischees, dass Frauen in der Branche nichts verloren hätten. Schwarzer Nagellack, schwarze Rußspuren: "Es macht mir nichts aus, schmutzig zu werden", spricht Sarah frei von der Seele über ihren Traumberuf. Dabei wollte ihre Mutter sie ursprünglich viel lieber in der Beauty-Branche sehen. Mittlerweile ist auch sie überzeugt und zu Recht stolz auf ihre Tochter mit Techniktalent. Sarah: "Ich habe früher mit dem Opa herumgeschraubt. Es war einfach immer schon das Meine. Mir taugt das Handwerkliche total." Sie wollte ihrem Großvater nacheifern.

„Ich habe schon immer gerne geschraubt.Das Handwerkliche taugt mir total.“
Sarah Linner, 1. Lehrjahr

Nach einem Schnuppertermin in der Werkstatt war sie schließlich überzeugt, in dem Beruf durchstarten zu wollen. Eine weiterführende Schule kam für Sarah nicht infrage, sie wollte ihr eigenes Geld verdienen. "Obwohl ich die Einzige in meinem Freundeskreis bin, die eine Lehre macht", erzählt die 17-Jährige aus Grödig über ihre Ausnahmestellung. Und sie bemerkte auch schon: Wer spontan Hilfe bei Problemen mit dem Auto anbieten kann, ist in Freundeskreis und Familie immer begehrt. Ihre Ausbildnerin sei richtig nett, erzählt sie. Jeden Tag lernt das Lehrmädchen viel Neues dazu. Schon in den ersten Wochen, bevor die große Reifenwechselwelle auf das Werkstattteam zurollt, bekam sie jede Menge Basiswissen vermittelt. Vom Bremsenwechseln bis zu Checks für Pickerl und Service zählen verschiedene Tätigkeiten zu den Basics für Lehrlinge. Ihr Traum? "Jetzt einmal viel lernen", meint Sarah. Und vielleicht später einmal Chefin werden? "Warum nicht? Aber das ist jetzt echt noch weit weg", lacht die angehende Kfz-Technikerin.

"Frauen unterschätzen sich oft und sind eher zurückhaltend, wenn es um Technik geht. Aber das ändert sich gerade und das ist auch gut so", ist Innungsmeister Walter Aigner überzeugt. Josef Nußbaumer, Obmann im Landesgremium und Chef bei Schmidt Automobile, hat schon viele weibliche Lehrlinge ausgebildet und kann nur Positives berichten: "Mit einer Durchmischung von Frauen und Männern bei den Lehrlingen ist der Umgangston weniger rau. Das hat sich bewährt."

Die Altersstruktur bei den Kfz-Lehrlingen ist bunt

Grenzen werden keine eingezogen: Die meisten kommen direkt nach der Schule. Es gibt in seiner Autohausgruppe mit sieben Niederlassungen aber durchaus auch ältere Wissbegierige, die noch neu durchstarten wollen: Ein Lehrling ist bereits 45 Jahre alt und bekam ebenso die Chance auf einen Lehrplatz. Auch internationale Austauschmöglichkeiten werden angeboten. Nußbaumer: "Einer meiner Lehrlinge war einen Monat lang in England. Das prägt natürlich."

Die Branche tauchte auch durch die schwierigste Phase der Coronapandemie mit kaum Einschränkungen für die Mitarbeiter. Nußbaumer: "Wir mussten nur für kurze Zeit in Kurzarbeit gehen, haben den Betrieb dann, sobald es ging, wiederaufgenommen." Beim steigenden Interesse an Lehrstellen in der Kfz-Branche gab es pandemiebedingt keinen Einbruch. Mit ausschlaggebend dafür mag sein, dass bereits als Lehrling in der Kfz-Technik-Branche gute Verdienstmöglichkeiten winken. Die Lehrlingsentschädigung liegt abhängig vom Lehrjahr monatlich zwischen 702 und 1550 Euro brutto.

In den letzten Jahren erhöhte sich die Anzahl an Lehrlingen um mehr als 25 Prozent. Aktuell werden 566 Jugendliche ausgebildet, darunter 26 junge Frauen. Beim AMS sind im Bundesland Salzburg derzeit nur 21 offene Lehrstellen im Bereich Kfz-Technik gemeldet, davon zehn für Kfz-Techniker und elf für Karosseriebautechniker, ein Berufsbild, wo beispielsweise auch das Anfertigen von Anhängern und Aufbauten bei Nutzfahrzeugen in Gewerbebetrieben inkludiert ist.

Hinzu kommt in dieser Statistik mit auffällig niedrigen Werten, dass gerade auf dem Land offene Stellen oft über Mund-zu-Mund-Propaganda direkt vergeben werden.

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