Arbeitswelt

Bildungsweg: "Für ein erfülltes Leben sorgen"

Ausbildungsdasein: Kinder brauchen Glückskompetenz. Früh übt sich, wer seinen Bildungsweg glücklich beschreiten will. Das fängt bereits im Kindergarten an.

Resiliente Kinder rechnen mit dem Erfolg der eigenen Handlungen. SN/Ricardo Ferrando - stock.adobe.c
Resiliente Kinder rechnen mit dem Erfolg der eigenen Handlungen.

Viele Menschen versäumen das kleine Glück, während sie auf das große vergebens warten", sagte die Schriftstellerin Pearl S. Buck einst.

Es braucht demnach die Fähigkeit, Glück nicht nur zu erkennen, sondern auch, glücklich zu sein und seinen Weg auf ebensolche Weise zu beschreiten.

Diese "Glückskompetenz" kann man lernen. Davon ist Katharina Mühl - ihres Zeichens Glückscoach - überzeugt. Das Wissen darüber sollte bereits den Kleinsten beigebracht werden, damit sich Kinder diese Fähigkeit während ihres gesamten (Aus-)Bildungswegs zunutze machen können.

Sie sagen, dass Glücklichsein eine Fähigkeit sei, die trainierbar sei, und dass Kinder Glückskompetenz brauchten - der Ausbildungsweg biete zahlreiche Möglichkeiten, diese Kompetenz zu stärken. Inwiefern? Katharina Mühl: Die Schule ist an sich ein Ort, an dem viele Glücklichmacher, welche die Glücksforschung auch wissenschaftlich belegt, zu finden sind. In der Schule werden Freundschaften geknüpft, Kinder und Jugendliche lernen, über sich hinauszuwachsen, sich ganz in Themen zu vertiefen und beim Lernen sogenannte Flowzustände zu erreichen. Sie können kreativ arbeiten, zusammen Sport treiben, ihre Stärken einsetzen, Erfolge feiern und sich gegenseitig unterstützen. Faktoren wie gelingende Beziehungen, Weiterentwicklung, Spaß, Spiel und Bewegung tragen generell zu unserem Wohlbefinden bei.

Das Wissen und die pädagogische Kompetenz der Lehrkräfte allein reichen aber nicht aus, wenn die Rahmenbedingungen nicht passen. Knappes Budget, der hohe Betreuungsschlüssel, Personalmangel, Druck und zuletzt natürlich die Coronasituation führen zu hohen Belastungen.

Die Schule soll dennoch ein Platz der Freude sein: Wie lässt sich das in der Praxis umsetzen? Im Idealfall ist die Schule ein Ort, der uns unterstützt, über uns selbst hinauszuwachsen, unsere Stärken zu entdecken und zu entfalten sowie unsere Neugierde zu erhalten und unsere fachlichen und sozialen Fähigkeiten auszubauen. Kinder kommen als begeisterte intrinsische Lerner auf die Welt und in die Schule. Dort wird diese Lernfreude bei vielen zerstört.

Was verhindert, dass die Ausbildungsstätten ein Ort der Freude sind? Zum Beispiel können Noten die Freude am Lernen behindern - aus verschiedenen Gründen. Zum Beispiel beziehen sie die Ausgangsbedingungen des Lerners nicht mit ein: den sozioökonomischen Hintergrund, das Sprachwissen, wie viel Unterstützung es zu Hause gibt oder die mentale Reife des jeweiligen Kindes. Zudem machen Noten das Falsche vergleichbar. Gerade in den ersten Schuljahren ist es völlig nebensächlich, wie gut ein Kind im Vergleich zu anderen abschneidet. Entscheidend ist nur, wie weit sich ein Kind von seinem eigenen Lernstand her weiterentwickelt hat.

Schlechte Noten sind demotivierend und gute Noten können überheblich machen. Wenn Kinder nur gute Noten schreiben und der Punkt kommt, an dem sie etwas nicht können, geben sie schneller auf, weil sie nicht gelernt haben, auf Misserfolge mit erhöhter Anstrengung zu reagieren.

Bild: SN/marie & michael photography
Emotional stabil bleiben, egal was das Leben bietet.
Katharina Mühl, Glückscoach

Sie leiten Kurse für Pädagogen: Wie werden diese geschult, um den Kindern Glückskompetenz zu vermitteln? Voraussetzung ist, dass sich die Pädagogen zuerst mit ihrem eigenen Glück auseinandergesetzt haben. Wenn die eigenen Bedürfnisbatterien nicht gut gefüllt sind (Stichwort: Überforderung), dann kann ich nicht gelassen und entspannt mit anderen umgehen. Da geht es viel um Selbstfürsorge und mentale Strategien, wie wir eine Einstellung wählen können, die uns stärkt. Selbst wenn die externen Rahmenbedingungen schlecht sind.

Sie richten sich mit Ihren Workshops ebenso an Kindergartenpädagogen. Frei nach dem Motto: Früh übt sich, wer seinen Bildungsweg glücklich beschreiten möchte? Was oft verwechselt wird beim Glückstraining: Es geht nicht darum, immer happy zu sein, sondern darum, konkrete Strategien zu kennen, wie wir auch in herausfordernden Situationen entscheiden, denken oder handeln können, dass es uns selbst und unserem Gegenüber dabei gut geht. Und diese Strategien kann ich nicht früh genug im Leben lernen.

Wie definieren Sie demnach Glückskompetenz? Glückskompetenz ist die Fähigkeit, dass du selbst für dein erfülltes Leben sorgst und emotional stabil bleibst - egal was das Leben gerade zu bieten hat.

Woran erkenne ich, dass mein Kind Stärke und innere Widerstandskraft besitzt? Kinder, die resilient sind, bringen folgende Fähigkeiten mit: Sie rechnen mit dem Erfolg der eigenen Handlung und gehen Problemsituationen aktiv an. Diese Kinder nutzen ihre eigenen Ressourcen effektiv aus und glauben zudem an ihre eigenen Kontrollmöglichkeiten.

Wie erlangen Kinder Resilienz und mentale Stärke für ihren Ausbildungsweg? Welche Rolle spielen hier Eltern und Pädagogen? Als förderliche Lebensbedingungen, um die Resilienz von Kindern voranzubringen, braucht es eine stabile, emotional positive Bindung zu mindestens einer Bezugsperson. Wertschätzung und Akzeptanz sollten Teil des Erziehungsstils sein. Die Kinder benötigen außerdem Freundschaftsbeziehungen zu Gleichaltrigen und ein wertschätzendes Klima an der Schule. Damit Kinder diese Kompetenzen erlernen können, braucht es im Idealfall ein Zusammenspiel von Eltern und Pädagogen.

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