Arbeitswelt

Ab jetzt: Eigener Chef sein

Wer sich selbstständig machen möchte, sollte gut vorbereitet sein. Die Wirtschaftskammer unterstützt Gründer mit kostenlosen Beratungen, Veranstaltungen und Experten.

Mario Färberböck hat sich mit seinem Geschäft Prinzbike einen Traum erfüllt. SN/anna weber
Mario Färberböck hat sich mit seinem Geschäft Prinzbike einen Traum erfüllt.

"Passion haben ist das Allerwichtigste, wenn man sich selbstständig machen möchte", sagt Mario Färberböck. "Und man muss sich fragen, ob man in 20 Jahren auch noch Feuer und Flamme für sein Business ist." Es ist Freitag, 14.33 Uhr, Färberböck öffnet die Tür seines Fahrradgeschäfts in Bergheim. Im April 2019 hat er Prinzbike zusammen mit seiner Frau Nina gegründet, mittlerweile sind fünf Mitarbeiter bei ihm beschäftigt. Im neuen Jahr will er weitere zwei einstellen, einen Verkäufer und einen Mechaniker. "Ganz wichtig, bevor man startet, ist die Vorbereitung", sagt Färberböck. "Ich habe von A bis Z alles durchgeplant und mir jeden Schritt 13 Mal überlegt."

Peter Kober, der Leiter des Gründerservice der Wirtschaftskammer Salzburg, kann das nur begrüßen. Eine gute Vorbereitung sei eine Voraussetzung für eine erfolgreiche Gründung. Im Bundesland Salzburg wurde heuer rund 2500 Mal gegründet. Davon 37 Prozent im Bereich Gewerbe und Handwerk, 31 Prozent im Handel und 20 Prozent in Information und Consulting. "Manche Branchen haben von der Pandemie auch profitiert", sagt Kober. Vor allem Bereiche, die Digitalisierung als Grundlage haben, boomen. Doch auch im Handwerk sei die Nachfrage ungebrochen hoch, Gründungen in diesem Bereich also vielversprechend.

Rechtzeitige Planung ist wichtig

Wer mit dem Gedanken spielt, sich selbstständig zu machen, sollte einige Dinge mitbringen. "Ein Produkt oder eine Dienstleistung mit Alleinstellungsmerkmal ist eine gute Voraussetzung", so Kober. Aber auch eines, das eine gewisse Zielgruppe abdeckt und am Markt ankommen kann, könne funktionieren. Das Rad müsse nicht neu erfunden werden, auch kleine Änderungen von Produkten oder Dienstleistungen könnten einen von anderen abheben. Wichtig sei eine rechtzeitige Planung. "Mir ist es lieber, jemand möchte eine vage Idee mit mir besprechen, als gleich nächste Woche starten zu wollen." Für die Wirtschaftskammer seien nachhaltige Gründungen besser als quantitatives Gründen. Wie lange vorher man mit den Vorbereitungen starten muss, könne man nicht pauschal festlegen. "Das hängt von Branche oder Thema ab, je nachdem einige Wochen oder Monate vorher." Essenziell für Unternehmer sei die gute Vernetzung. Die Wirtschaftskammer fördere diese durch Netzwerkveranstaltungen. So können sich Gründer gegenseitig ins Geschäft helfen. Auch die Persönlichkeit spiele beim Gründen eine Rolle: "Man sollte ein Unternehmertyp sein. Als sehr verschlossener Mensch wird man sich schwertun."

"Wenn man eine Neugründung machen will, braucht man einen roten Faden und darf sich nicht in Details verlieren", sagt Mario Färberböck. Als ehemaliger Leiter eines Radgeschäfts in Salzburg, studierter Sportwissenschafter und aufgrund einer Karriere als Profisportler beschäftigt er sich schon sein ganzes Leben lang mit dem Radsport. Nun hat er sein Hobby zum Beruf gemacht. Mit 18 Jahren habe er angefangen, sich seine Ideen und Überlegungen aufzuschreiben: "Wie man ein Kundenerlebnis schaffen kann, hat mich schon immer interessiert." Ganze Listen seien schließlich aus seinen Ideen entstanden. "Ich habe relativ schnell einen Businessplan erstellt."

„„Ich weiß nicht, ob ich Herrn Mateschitz damals zu seinem Zuckerwasser in Dosen geraten hätte.““
Peter Kober, Leiter des Gründerservice der WKS

Der Businessplan beziehungsweise das Unternehmenskonzept beschreibt die Gründungsidee und die dazugehörigen Umsetzungsschritte. Zum weiteren Vorgehen gehöre es, so Kober, den Markt zu beschreiben, die Mitbewerber kennenzulernen und seine Zielgruppe zu definieren. Zu einem frühen Zeitpunkt könne man zwar noch keine Planrechnung machen, eine grobe Kostenkalkulation solle jedoch erstellt werden. In einem nächsten Schritt solle man sich überlegen, welchen rechtlichen Rahmen man sich zurechtlegen will. Bei den Rechtsformen dominieren im Bundesland Salzburg im Jahr 2021 Einzelunternehmen (76 Prozent) und GmbHs (15 Prozent).

Wenn es dann konkret wird, kann man sich um Mitarbeiter kümmern und das sogenannte Quickbudget erstellen, das man für Bankgespräche und Förderstellen braucht. "Wer mit einer Mindestumsatzrechnung kommt, die von einem Experten aus der Wirtschaftskammer erstellt wurde, hat bessere Chancen bei den Banken", sagt Peter Kober. Die Risk-Manager würden anhand der Papiere entscheiden und eine gut beschriebene Mindestumsatzrechnung würde einen guten Eindruck machen.

Nachzahlungen sollten nicht überraschen

Schließlich könne man sich der Betriebsanlage und dem Mietvertrag widmen und die Planrechnung machen. Einer der größten Fehler sei, die Planrechnung nicht zu machen und die Nachzahlungen nicht einzukalkulieren, so Kober. Für die Sozialversicherungen fallen die Nachzahlungen nach vier Jahren höher aus. "Die Nachzahlungen des Finanzamts kommen meistens zweieinhalb Jahre später, da sollte niemand überrascht sein." Sind diese Dinge geklärt, stünden dem Eintrag ins Firmenbuch und der Anmeldung des Gewerbes nichts mehr im Weg. Die Wirtschaftskammer begleitet Gründer auf dem Weg in die Selbstständigkeit. Gründerservice, externe Berater und Veranstaltungen sind kostenlos. "Die WKS will das nachhaltige Gründen unterstützen", sagt Peter Kober. Vielen werde von der Gründung aber auch abgeraten, wenn die Idee oder Umsetzbarkeit bezweifelt wird. Aber auch Experten täuschen sich: "Ich weiß nicht, was ich Herrn Mateschitz gesagt hätte, wenn er mir damals eröffnet hätte, dass er Zuckerwasser in Red-Bull-Dosen füllen will. Vielleicht hätte ich ihm geraten, es besser nebenberuflich zu probieren."

Teilzeitjob als Absicherung

Eine Kombination aus Teilzeitjob und Nebengewerbe sei oft sinnvoll. So könne erst geschaut werden, wie das Produkt ankommt, und dann, sobald ausreichende Umsätze erwirtschaftet worden sind, richtig gestartet werden. Ein Problem könne jedoch die doppelte Sozialversicherung darstellen, die gut kalkuliert werden muss. Gerade bei einer nebenberuflichen Tätigkeit sollte man sich außerdem überlegen, ob überhaupt Ressourcen zum Gründen vorhanden sind: "Wer nach dem Job müde heimkommt und sich dann noch ein Unternehmen aufbauen will, muss sich schon gut motivieren können." Viele Arbeitgeber würden es nicht gerne sehen, wenn sich Angestellte selbstständig machen: "Der Dienstgeber wird nicht zuschauen, wenn ich meine Arbeit während der Dienstzeit erledige oder ständig müde in die Arbeit komme und meine Leistung nicht mehr erbringe."

Für eine Gründung sind auch die Finanzen ausschlaggebend. "Ich sage immer: Leute, ihr werdet nicht selbst und ständig sein, um weniger zu verdienen, als ihr es jetzt tut", sagt Peter Kober. Um so viel zu verdienen, um auf seinen bisherigen Lohn zu kommen, müsse man den Gewinn als Basis nehmen. Von diesem würden zirka 50 Prozent für Sozialversicherungsbeiträge und Finanzamt abgezogen, der Rest sei das, was einem bleibt. Bei Mario Färberböck funktioniert das Geschäft. Obwohl es als Selbstständiger "tausend Nachteile" gebe, erfülle er sich mit Prinzbike einen Traum, sagt er und lächelt. Die Hände zusammengefaltet, sitzt er auf einem Hocker vor seiner Bar - ein in den Laden integriertes Café ist als Treff für alle Fahrradliebhaber gedacht.

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