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Weiterbildung ist Trumpf: Tipps zum Starten

Wer sich individuell weiterbilden möchte, kann das auch kurzfristig ab Herbst tun - Expertin Christine Bauer-Grechenig erklärt, wie das am besten geht.

Österreichs Unternehmen setzen 2022 noch mehr auf Weiterbildung, um fit für die Zukunft zu sein.  SN/Rymden - stock.adobe.com
Österreichs Unternehmen setzen 2022 noch mehr auf Weiterbildung, um fit für die Zukunft zu sein.

"Die Bedeutung von Weiterbildung nimmt stetig zu" - so resümiert die Weiterbildungsstudie 2022 der Plattform für berufsbezogene Erwachsenenbildung (PBEB). Befragt wurden von makam Research 400 HR- und Personalverantwortliche in Österreich, 62 Prozent von ihnen sind obiger Meinung. Gut ein Drittel geht von gleichbleibender Bedeutung aus, lediglich zwei Prozent denken, diese wird abnehmen. Das spiegelt sich laut Studie auch in den Weiterbildungsbudgets: 37 Prozent der Unternehmen planen heuer mehr Budget für Weiterbildung ein, deutlich mehr als im Vorjahr, wo mit 27 Prozent bereits ein Höchstwert seit 2009 erreicht worden war.

Die Coronapandemie hatte darauf geringen Einfluss: Mehr als die Hälfte der befragten HR-Verantwortlichen gibt an, die Krise mit Urlaub und Kurzarbeit sowie neuen Mitarbeitern bewältigt zu haben, lediglich zwölf Prozent haben Aus- und Weiterbildung zur Überbrückung eingesetzt. Diese waren hochzufrieden: Vier von fünf Personalern würden das wieder so machen und sind außerdem der Meinung, dass ihre Unternehmen durch diesen Schritt in der Lage waren, nach der Pandemie voll durchstarten zu können.

Steigende Bedeutung von Weiterbildung durch Mangel an qualifizierten Personal

Hintergrund der steigenden Bedeutung von Weiterbildung ist laut Studie auch der große Mangel an qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den Unternehmen. Knapp zwei Drittel attestieren einen solchen und sie begegnen ihm einerseits mit der Rekrutierung neuer Fachkräfte, andererseits durch die Höherqualifizierung bestehender Kräfte durch interne wie externe Schulungen. Diese werden - in dieser Reihenfolge - auch stark zur Mitarbeiterbindung, als Mutmacher und als Zukunftspotenzial eingesetzt.

Als zunehmend wichtige Kompetenzen für die Post-Corona-Wirtschaft werden generell IT-Skills, Resilienz und der Umgang mit Zukunftstechnologien eingeschätzt. Das spiegelt sich auch in den inhaltlichen Bereichen wider, in denen Weiterbildung nachgefragt ist: Informatik/EDV (43 Prozent) liegt hier vor Persönlichkeitsentwicklung (40 Prozent) und Technik/Produktion (39 Prozent). Dahinter folgen mit etwas Abstand Verkaufstraining und Marketing sowie Management/Unternehmensführung (je 31 Prozent) und Gesundheit/Arbeitnehmerschutz (29 Prozent). Besonders Informatik und Technik haben inhaltlich 2022 am stärksten zugelegt. Die Weiterbildungen werden dabei auch wieder verstärkt in Präsenz angeboten, mit 53 Prozent der Nennungen gegenüber 39 Prozent im Vorjahr. Im gleichen Umfang gingen rein digitale Lernformen (26 Prozent) und Blended Learning (also die Kombination von Präsenz und digitaler Lehre, Anm., 17 Prozent) zurück.

Soll ich mich jetzt weiterbilden?

Viele stellen sich diese Frage auch ganz aktuell vor dem Herbst. Die Antwort ist natürlich individuell unterschiedlich, aber es gibt nützliche Schritte, wie man zu ihr gelangen kann. "Zu Beginn sollte die Überlegung stehen: Was ist das Ziel der Weiterbildung?", rät Christine Bauer-Grechenig, Leiterin der BiBer - Bildungs- und Berufsberatung Salzburg. "Geht es beispielsweise um eine Höherqualifikation für beruflichen Aufstieg, um die persönliche Weiterentwicklung oder um eine berufliche Neuorientierung? Das sollte klar sein, denn davon hängen die Folgeschritte ab." Ist das Ziel definiert, wartet die Frage: Welche Qualifikationen, Kompetenzen, Interessen bringe ich bereits mit im Hinblick darauf? "In Folge kann man sich einen Überblick verschaffen, was alles mit dem eigenen Werdegang möglich ist - und hierbei können die Bildungs- und Berufsberatungen wertvolle Unterstützung leisten."

Sind mögliche Wege gefunden, um das Ziel zu erreichen, gelte es die Ressourcen zu überprüfen, sagt Bauer-Grechenig. "Einerseits zeitlich: Geht es um Wochen, Monate oder gar Jahre? Wie passt das in meinen Zeitplan? Andererseits finanziell und vom Umfeld her: Habe ich Unterstützung? Kann ich mir die Weiterbildung leisten? Welche Förderungen gibt es? Diese Rahmenbedingungen sollten unbedingt geprüft werden." Gerade das Bekommen eines Überblicks über Möglichkeiten und Förderungen sei sehr komplex. "Es gibt unterschiedliche Förderungen je nach Abschluss und Alter, insgesamt nehmen die Möglichkeiten stetig zu", sagt die BiBer-Leiterin. "Das Ziel ist zu schauen: Was passt für mich, was passt zu mir?"

BiBer Salzburg berät hier vertraulich und kostenlos Menschen aller Altersgruppen. "Viele kommen mit einer Idee und möchten diese mit einer neutralen Stelle durchbesprechen und checken. Ist sie realistisch, ist sie sinnvoll am Arbeitsmarkt, habe ich was übersehen? Aber es kommen auch Menschen, die sich völlig neu aufstellen möchten, und man fängt ganz am Anfang an. Hier dauert der Prozess dann etwas länger."

Die Coronapandemie habe dabei unterschiedliche Auswirkungen gehabt, sagt Bauer-Grechenig. "Viele waren zur Auszeit und Weiterbildung gezwungen und haben diese Phase auch genutzt, um sich beruflich neu aufzustellen, auch aus Gründen der Sicherheit. Eine zweite, größere Gruppe waren Menschen, die sich selbst verwirklichen möchten, das tun, was sie immer schon machen wollten."

Generell schätzt die BiBer-Leiterin die Förder- und Bildungsmöglichkeiten als sehr gut und vielfältig ein. Das System sei bei aller Unvollkommenheit generell sehr durchlässig. Je niedriger Menschen qualifiziert seien, desto mehr Möglichkeiten hätten sie, sich weiterzubilden oder zu verändern, und das auch gefördert.

Ist es zu spät, schon im Herbst mit der Weiterbildung zu beginnen?

"Nein", sagt Christine Bauer-Grechenig. "Es gibt ganz viele Kurse, Lehrgänge und Studien, an denen man auch kurzfristig teilnehmen kann. Dazu kommen viele Angebote im Fernunterricht, wo man jederzeit anfangen kann." Nur dort, wo es Aufnahmeverfahren gebe, könne es sein, dass es nicht mehr möglich ist, weil diese bereits abgeschlossen sind - zum Beispiel in bestimmten Studienrichtungen. Wer also im Herbst starten möchte, sollte "so bald wie möglich" mit der konkreten Planung starten. "Denn in der Regel gehen diese Dinge ja auch nicht von heute auf morgen", sagt Bauer-Grechenig. Auf eine gut überlegte Entscheidung folge die Planung - und optimalerweise sollte man die Dinge auch ausprobieren, also zum Beispiel bei einer Umschulung in den Beruf hineinschnuppern, um dessen Vor- und Nachteile besser kennenzulernen. Im Zweifel gelte: lieber etwas später beginnen, aber dafür gut überlegt, geplant und getestet.

Mehr Infos zur BiBer - Bildungs- und Berufsberatung Salzburg, gefördert vom Bildungsministerium sowie Land und Stadt Salzburg, unter: www.biber-salzburg.at

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