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Väterkarenz: Wertvolle Zeit, die kaum einer in Anspruch nimmt

Mit dem neuen Kinderbetreuungsgeld ab Geburtstermin 1. März 2017 wird die Karenz für beide Elternteile leichter. Derzeit sind Väter in Karenz noch eine Seltenheit.

Reinhard und Ruperta Kraft mit ihren Töchtern Viktoria (6 Jahre) und Lucia (10 Monate ). SN/quehenberger
Reinhard und Ruperta Kraft mit ihren Töchtern Viktoria (6 Jahre) und Lucia (10 Monate ).

Reinhard Kraft aus St. Martin ist seit April in Väterkarenz. Seine Frau Ruperta ist Inhaberin des Geschäfts "Blumenzauber". "Da sollte man im Mai natürlich schon offen haben, zum Muttertag und im Frühjahr ist eine der Hauptgeschäftszeiten", erklärt Ruperta. So war die Entscheidung, dass Reinhard in Väterkarenz geht und sich um die kleine Lucia kümmert, auch finanziell motiviert. "Wir sind uns dann ganz schnell einig geworden, dass wir das so machen", erzählt das Ehepaar. Diese Entscheidung hat Reinhard - er ist Fliesenleger bei der Firma Rudi Sparber GmbH in Eben - noch keine Sekunde bereut. "Man hat von den Kindern ganz einfach viel mehr. Für die Vater-Kind-Beziehung kann man nichts Besseres machen." Sonst komme es ja oft vor, dass die Kinder noch schlafen, wenn man in die Arbeit fährt, und wenn man abends heimkommt, schon Schlafengehzeit für die Kleinen ist.

Im Freundes- und Bekanntenkreis des Paares wurde die Entscheidung durchwegs positiv aufgenommen und es kam viel Lob, denn "viele Männer trauen sich über diese Aufgabe ja nicht drüber", so Ruperta Kraft. Einfach ist diese Aufgabe nicht. Die kleine Lucia ist nämlich ein eher unruhiger Geist, was sich besonders in den Nächten bemerkbar macht. Die Väterkarenz jedenfalls "schweißt die Familie zusammen", sind sich die Krafts einig und Reinhard ergänzt: "Es ist etwas, das ich allen Männern nur empfehlen kann."

Eine Meinung, die sicher viele Väter teilen - das Modell Väterkarenz bleibt aber nach wie vor eine Randerscheinung: Laut einer Statistik des Familienministeriums gehen im Land Salzburg nur knapp 15 Prozent der Väter in Karenz, gewertet wird eine mindestens zweimonatige Beteiligung am Kindergeldbezug. Der Österreichschnitt liegt bei gut 19 Prozent, Spitzenreiter ist Wien mit 30, Schlusslicht Vorarlberg mit nur knapp 9,5 Prozent Väterbeteiligung.

Ab dem Geburtstermin 1. März 2017 ändert sich nun einiges, ab dann gelten neue Regeln für das Kinderbetreuungsgeld. Statt der bisherigen starren fünf Varianten gibt es dann ein Kinderbetreuungsgeldkonto, mit dem die Eltern die Bezüge individueller festlegen können. Je nach Dauer variiert der Tagessatz. Ebenfalls neu und vor allem für mehr Väterbeteiligung wesentlich: 1000 Euro Bonus, falls sich beide Elternteile die Betreuung mindestens im Verhältnis 60:40 teilen, sowie eine "Familienzeit" für Väter.

"Väter können innerhalb der ersten drei Monate nach der Geburt eine Auszeit von 28 bis 31 Tagen nehmen, ähnlich wie beim ,Papamonat' im öffentlichen Dienst", erklärt Ingrid van Tijn, Sozialversicherungsexpertin der AK Salzburg. Sie betont: "Eine beste Variante gibt es nicht, das ist für jeden unterschiedlich und hängt von vielen Fragen ab. Wie lang will ich daheimbleiben, kann ich, will ich dazuverdienen, was, wenn ich gleich wieder schwanger werde etc.? Deshalb sollte man sich am besten zuerst beraten lassen, bevor man etwas beantragt." Auch wenn Väter in Karenz immer noch eine Seltenheit sind, bei ihr in der Beratung sei das Interesse der Väter in den letzten Jahren schon spürbar größer geworden. "Die Beratungen werden zum großen Teil gemeinschaftlich in Anspruch genommen. Es braucht halt alles seine Zeit, bis es alltäglich wird."

Eine Nachfrage beim Krankenhaus Schwarzach, dem mit mehr als 1350 Arbeitnehmern größten Arbeitgeber des Pongaus, bestätigte das statistische Bild des Familienministeriums. Auch hier steigt das Interesse, ausgehend von einem noch immer recht niedrigen Niveau: "Väterkarenz oder Elternteilzeitanträge von Vätern für die Betreuung der Kinder in den ersten drei Lebensjahren sind ein zunehmend steigendes Thema bei unseren Mitarbeitern", so Verwaltungsdirektor Karl Söllhammer. Das zeigen auch die Zahlen im Bereich der Väterkarenz: 2014 waren es noch drei, 2015 bereits doppelt so viele und in diesem Jahr sind es bis Ende September bereits acht Väter, die sich in den ersten beiden Lebensjahren ihres Kinders karenzieren lassen.

Von diesen 17 Vätern sind überdurchschnittlich viele aus dem ärztlichen Bereich, konkret neun Väter. Fünf kommen aus der Pflege, zwei aus dem gehobenen medizinisch-technischen Dienst, einer aus der Verwaltung. Dazu kommen noch Väter, die für eine gewisse Zeit die Arbeitszeit zur Betreuung der Kinder reduzieren. Bei Teilzeitbeschäftigten wird nicht unterschieden, aus welchem Grund sie ihr Beschäftigungsausmaß reduzieren, daher kann hier keine Zahl ausgewertet und genannt werden.

"Wir versuchen, gemeinsam mit der jeweiligen Abteilung bzw. mit dem jeweiligen Team und dem Vater oder der Mutter ein für alle passendes Modell zu finden", so Söllhammer. Dabei geht es u. a. darum, die Frage zu klären: Karenzierung oder Elternteilzeit? Es gilt, Regelungen für die Kompensation in der Zeit der Abwesenheit zu finden, oder auch für die Frage, wie der Wiedereintritt nach der Karenz erfolgt. "Es kommt nicht selten vor, dass beide Eltern im KH in zwei verschiedenen Abteilungen arbeiten, sodass wir dann für die Phase der Abwesenheit des Vaters auf einer Abteilung und dem befristeten verstärkten Arbeitseinsatz der Mutter in der Karenzphase des Vaters auf einer anderen Abteilung und dann auch für die Phase nach dem geteilten Karenzurlaub der Eltern für Dienstgeber und Dienstnehmer passende Regelungen finden müssen." Dies sei nicht immer leicht, jedoch wenn beide Seiten sich bemühten, gelinge in der Regel eine für alle passende Lösung. Dazu Söllhammer: "Der Abgleich der Interessen zwischen Dienstnehmer und Dienstgeber zahlt sich mittel- und langfristig für beide aus."

Aufgerufen am 19.08.2018 um 09:31 auf https://karriere.sn.at/karriere-ratgeber/neuigkeiten-trends/vaeterkarenz-wertvolle-zeit-die-kaum-einer-in-anspruch-nimmt-982963

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