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Sparen lernen: Wie Kinder bereits früh aufs Geld schauen

Die Pandemie ließ das Sparvermögen der Bevölkerung steigen. "Aufschubsparen" nennen das die Experten. Was nicht aufgeschoben werden sollte: die Finanzbildung. Junge Menschen haben hier große Defizite.

Sparen lernen: Was nach wie vor spießig und antiquiert klingt, hat nichts an Brisanz verloren, vor allem bei jungen Menschen. Jede vierte Person, die in Österreich zur Schuldnerberatung kommt, ist jünger als 30 Jahre. 13,5 aller Privatkonkurse betrafen im Vorjahr Menschen unter 30. Ein Fakt, der sich auch über die Jahre nicht geändert hat, ist, dass Klienten und Klientinnen der Schuldenberatungen über eine wesentlich geringere Schulbildung verfügen als die Gesamtbevölkerung. Das alles steht im letzten Schuldenreport, der jährlich von der Schuldenberatung herausgegeben wird. Fast ein Drittel der jungen Klientel verfügte demnach 2020 über weniger Einkommen als das Existenzminimum von 966 Euro, das Durchschnittseinkommen (Median) lag bei 1200 Euro. Erschreckend dabei ist die Tatsache, dass 43 Prozent der unter 30-jährigen Schuldnerinnen und Schuldner keine Arbeit hatten. Hier kann schon ein niedriger Schuldenstand zu Zahlungsunfähigkeit und sozialen Problemen führen.

Der Umgang mit Geld wird vererbt

Konsum ist heute rund um die Uhr möglich, bezahlen lässt sich der Einkauf über viele Kanäle. Wer den Überblick über Girokonto, Kreditkarte, Paypal oder Klarna verliert und sich möglicherweise beim Elektrohändler einen Kredit für den LED-Fernseher aufgenommen hat, ist oft verloren. Martin Taborsky ist bei der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) für das Thema Finanzbildung zuständig, er kennt die Hintergründe vieler Geldprobleme bei jungen Menschen. Grundsätzlich gilt: Die Familie hat den größten und in der Regel positivsten Einfluss, was Zahlungsverhalten und Finanzwissen betrifft. Wird von den Eltern ein sorgsamer Umgang mit Geld vorgelebt, ist das schon die sprichwörtliche halbe Miete. Die Schule hingegen könnte in puncto Finanzbildung mehr leisten, als es gegenwärtig der Fall sei, betont Taborsky. Den negativsten Einfluss beim Umgang mit Geld hat nachgewiesenermaßen der Freundeskreis, die sogenannten Peers.

Taschengeld: regelmäßig und bedingungslos

Martin Taborsky plädiert für mehr Problembewusstsein in Schulen, nicht zuletzt, weil sich die finanziellen Belange zunehmend ins Internet verlagern, der Gang zur Bank und damit auch das Sparschwein-Ausleeren sowie das sichtbare Hantieren mit Geld und Erlagschein obsolet geworden sind. Geldgeschäfte würden unter Ausschluss der Kinderaugen und -ohren geführt, umso wichtiger sei es für Eltern, den Umgang mit Geld bewusst zu thematisieren und den Kindern in Gelddingen ein gutes Vorbild zu sein, sagt Taborsky. Taschengeld, so rät er, sollte ab der Unterstufe wöchentlich bezahlt werden, idealerweise über ein eigenes Bankkonto, und das regelmäßig und bedingungslos. Zu oft werde Taschengeld als Belohnung oder Bestrafung eingesetzt, das sollte unbedingt vermieden werden. Es sei wichtig, junge Menschen schon in diesem Alter Fixkosten, etwa für das Smartphone, selbst bedienen zu lassen sowie sie zu sensibilisieren, für allfällige spätere größere Kaufentscheidungen Reserven zu bilden.

Finanzbildung im Schulunterricht

Die Nationalbank hat zusammen mit sechs Partnern eine Initiative für Wirtschaftsbildung gegründet. Derzeit läuft ein Schulversuch, bei dem das Thema interdisziplinär vermittelt wird - denn Finanzbildung ist mehr als nur Addieren und Subtrahieren. Das sieht auch Walter Emberger so. Er hat 2011 die Initiative Teach for Austria gegründet, über die junge, aus der Wirtschaft kommende Menschen für einen Zeitraum von zwei Jahren an Schulen unterrichten. Bei Teach for Austria stellt man immer wieder fest: Zu viele Schülerinnen und Schüler verlassen die Schulen, ohne zu wissen, wozu genau sie Mathematik gelernt haben. Ja, es brauche mehr Financial Literacy, also Finanzbildung, und das praxisnah, sagt Walter Emberger. Statt den Fokus auf "mathematisches Gehirnjogging" und höhere Mathematik zu legen, sollte das Fach genutzt werden, um Finanzwissen praxisnah und verständlich zu erklären. Etwa welchen Werkzeugkoffer es braucht, um die Finanzen im Griff zu haben - zum Beispiel Prozentrechnung -, oder indem über Rechenaufgaben die Frage zu lösen ist, ob das angepriesene Null-Euro-Handy wirklich gratis ist beziehungsweise was es tatsächlich kostet.

Grundlegendes Wirtschafts- und Zahlenverständnis

Finanzwissen an Schulen werde für Embergers Dafürhalten zu sehr mit Börsewissen und Wertpapieren in Verbindung gebracht, doch Schulkinder bräuchten vielmehr ein grundlegendes Wirtschafts- und Zahlenverständnis, und zwar schon früh. Wie Bildung ist der Umgang mit Geld in Österreich vererbt. Gerade für Kinder aus betroffenen Familien sei es daher wichtig, klug rechnen zu lernen, um sorgsam mit dem eigenen Geld umgehen zu können und keine falschen Entscheidungen zu treffen, die schnell in die Überschuldung führen. Zu guter Letzt sollte man einen altbekannten Spruch beiseiteräumen, raten Walter Emberger und Martin Taborsky: Über Geld spricht man nicht. Das sollte man doch tun, gerade an Schulen, auch wenn es nicht immer angenehm ist.

Neben Giro- auch ein Sparkonto einrichten

Bild: SN/stefan zauner
„Auf dem Sparkonto ist das Geld vor zu schnellem Ausgeben geschützt.“
Markus Sattel, Vorstandsdirektor der Salzburger Sparkasse


"Mit dem ersten selbst verdienten Geld sollte man sorgsam umgehen. Wer regelmäßig jeden Monat etwas zur Seite legt, kann sich mit etwas Disziplin in absehbarer Zeit den einen oder anderen Wunsch erfüllen. Dabei ist es sinnvoll, neben dem Girokonto für das erste Einkommen gleich auch ein Sparkonto zu führen. Auch wenn im Moment die Zinsen nicht attraktiv sind, so ist das Geld auf einem Sparkonto zumindest davor geschützt, ausgegeben zu werden. Wertvoll und wichtig ist sicherlich dabei auch ein regelmäßiger Überblick über die eigenen Finanzen - das geht online ganz easy."

Mit Daueraufträgen Geld sparen

Bild: SN/volksbank
„Von Beginn an sollte man konsequent und automatisch kleine Beträge zur Seite legen.“
Generaldirektor Andreas Höll, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Salzburg

Einem jungen Menschen würde ich raten, gleich von Anfang des Berufslebens an regelmäßig Geld auf die Seite zu legen. Am besten monatlich mit einem Dauerauftrag auf ein Online-Sparkonto oder mit einem Fondssparplan. Man kann mit kleinen Beträgen beginnen und diese schrittweise erhöhen. Wichtig ist, dass man es konsequent macht und dass es sozusagen automatisch geschieht. Der Vorteil im Automatismus liegt darin, dass die Sparbeträge gar nicht für den täglichen Konsum zur Verfügung stehen. Ein Online-Sparkonto und ein Spar-Dauerauftrag sind mit wenigen Klicks selbst eingerichtet, ein Fondssparplan braucht natürlich persönliche Beratung. "

Für "Ungeplantes" sparen

Bild: SN/hybobank
„Ganz wichtig: Finanzielle Reserven schützen vor bösen Überraschungen.“
Helmut Praniess, Generaldirektor der Hypo Salzburg

"Es zeigt sich immer wieder: Finanzielle Reserven schützen vor bösen Überraschungen. Unser Finanztipp deshalb: Man sollte stets für ,Ungeplantes' und für für die Zukunft geplante Anschaffungen sparen beziehungsweise Geld auf der Seite haben."

Spar- und Anlagemöglichkeiten mixen

Bild: SN/wildbild
„Kleine Beträge, die langfristig, regelmäßig und konsequent veranlagt werden, ergeben mit der Zeit auch ein Vermögen.“
Petra Fuchs, Direktorin Oberbank Geschäftsbereich Salzburg

"Man sollte das ganze Spektrum von Spar- und Anlagemöglichkeiten mixen. Und nicht zuletzt sollte man sich stets vor Augen führen: Kleine Beträge, die langfristig und konsequent veranlagt werden, summieren sich mit der Zeit zu einem schönen Vermögen."

Reserven ansparen

Bild: SN/rvs
„Es stimmt nach wie vor: Spare in der Zeit, so hast du in der Not.“
Heinz Konrad, Generaldirektor Raiffeisenverband Salzburg

"Auch heute gilt noch: ,Spare in der Zeit, so hast du in der Not.' Sparen ist sinnvoll, um bei Bedarf kurzfristig auf aktuelle Lebensumstände reagieren und schnell auf eine Reserve zurückgreifen zu können, sich größere Träume zu erfüllen oder vorzusorgen."

Bereits früh zu sparen beginnen

Bild: SN/bankhaus spängler
„Es war ein Stresstest für interne Prozesse.“
Werner G.Zenz, Sprecher des Vorstandes im Bankhaus Spängler.

"Besser auf den Punkt trifft es der Spruch: ,Der frühe Vogel fängt den Wurm!' Diese Redewendung kennen wir alle und sie gilt für die verschiedensten Lebensbereiche. Das betrifft natürlich auch die finanzielle Vorsorge. Je früher man mit dem Ansparen beginnt, umso leichter kann man sich dann später das leisten, wovon andere nur träumen. Die Beträge, die dazu zur Verfügung stehen, sind in der Regel klein."

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