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Mit Babybauch den Job meistern

Die Schwangerschaft verändert vieles, auch am Arbeitsplatz gelten jetzt andere Regeln. Werdende Mütter haben mehr Rechte, verlieren oft aber auch an Status.

Nicht nur im Privaten, auch im Job gibt es während der Schwangerschaft viel zu organisieren: Arzttermine neben den beruflichen Aufgaben managen, Wochengeld beantragen und sich über die bevorstehende Karenz Gedanken machen.  SN/New Africa - stock.adobe.com
Nicht nur im Privaten, auch im Job gibt es während der Schwangerschaft viel zu organisieren: Arzttermine neben den beruflichen Aufgaben managen, Wochengeld beantragen und sich über die bevorstehende Karenz Gedanken machen.

Eine Schwangerschaft ändert nicht nur im Privaten vieles, auch in beruflicher Hinsicht gibt es nun einiges zu organisieren. Die erste Hürde ist es, den Arbeitgeber über die Schwangerschaft zu informieren. Dies sollte eigentlich so rasch wie möglich erfolgen, weil ab diesem Zeitpunkt das Mutterschutzgesetz mit Kündigungsverbot gilt. Eine Gratwanderung - viele Frauen warten noch, weil das Risiko einer Fehlgeburt in den ersten Monaten sehr hoch ist. Peter Eckel, Arbeitsrechtsreferent der Arbeiterkammer Salzburg, rät aber, die Schwangerschaft beweisbar unverzüglich per Einschreiben oder E-Mail bekannt zu geben. Es komme immer wieder vor, dass eine Schwangerschaft nur mündlich mitgeteilt werde. "Da freut sich ein Dienstgeber. Es gibt durchaus Fälle, in denen das ausgenutzt wird und die werdenden Mütter kurzerhand entlassen werden", sagt der Jurist. In solchen Fällen kann gegen die Kündigung geklagt werden, weil eine Diskriminierung gegen das Gleichbehandlungsgesetz vorliegt.

Sobald eine Frau schwanger ist, gelten am Arbeitsplatz neue Bedingungen

Der Arbeitgeber ist verpflichtet, am Arbeitsplatz eine Ruhemöglichkeit einzurichten. Wie oft und wie lange sich die Frau ausruht, entscheidet sie selbst. Diese Ruhezeiten gelten laut Arbeiterkammer als Arbeitszeiten. Mit der Schwangerschaft dürfen keine Tätigkeiten mehr ausgeführt werden, die für Mutter oder Kind schädlich sein können. Laut Arbeiterkammer-Info zählt dazu Akkordarbeit, Arbeiten mit gesundheitsgefährdenden Stoffen oder das Heben und Tragen von schweren Lasten. Der Arbeitgeber muss in einem solchen Fall eine andere Arbeit zuteilen. Auch Nachtarbeit zwischen 20 und sechs Uhr sowie Arbeiten an Sonn- und Feiertagen sind für Schwangere verboten. Rein rechtlich gesehen müssen Schwangere keine Überstunden mehr leisten sowie keine Sonn- und Feiertagsarbeit mehr machen. Ausnahmen gibt es aber, zum Beispiel gelten diese Regeln nicht für die Gastronomie oder in Betrieben, in denen Sonn- und Feiertagsarbeit zugelassen ist, zum Beispiel in Bädern oder kulturellen Einrichtungen.

In der Schwangerschaft stehen, auch ohne schwierigen Verlauf, viele Vorsorgeuntersuchungen an. Weil Arzttermine häufig während der Arbeitszeit stattfinden, sind Arbeitgeber grundsätzlich dazu verpflichtet, schwangere Arbeitnehmerinnen dafür von der Arbeit freizustellen.

Wegen Corona gibt es heuer eine Sonderfreistellung für Schwangere, weil ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf besteht. Frauen, die physischen Kontakt mit anderen Personen haben, zum Beispiel Friseurinnen, Kindergärtnerinnen oder Lehrerinnen, dürfen ab der 14. Schwangerschaftswoche keinen Körperkontakt mehr zu Kunden, zu betreuenden Kindern und Schülern haben. Der Arbeitgeber muss ihnen eine andere Arbeit zuteilen oder Homeoffice anbieten. Gibt es dafür keine Möglichkeit, müssen die Frauen bei fortlaufender Bezahlung vom Dienst freigestellt werden. Diese Sonderfreistellung gilt bis zum 30. September 2021. Wer jedoch vollimmunisiert ist, für den gelten diese Regeln nicht, geimpfte Frauen müssen ganz normal arbeiten. Wer Angst hat, dass Druck ausgeübt wird, sich deshalb impfen zu lassen, der ist zumindest rechtlich abgesichert: "Eine Impfung kann der Arbeitgeber nicht verlangen", sagt Eckel.

Schwangerschaften begeistern Unternehmen oft nicht

Durch die eingeschränkten Tätigkeiten, das Verbot von Überstunden und die vorgesehenen Arztbesuche fürchten Unternehmen, durch Schwangere Nachteile zu bekommen. Diese Einstellung ist oft spürbar. "Es ist wichtig, das nicht persönlich zu nehmen", sagt Aline Halhuber-Ahlmann, Geschäftsführerin des Frauengesundheitszentrums Salzburg.

Bild: SN/fgz salzburg
Eine Frau wird immer als potenzielles Schwangerschaftsrisiko gesehen.
Aline Halhuber-Ahlmann, Geschäftsführerin Frauengesundheitszentrum Salzburg

Unternehmen sind oft nicht begeistert, wenn Frauen schwanger werden. Es besteht immer die Angst vor einem Ausfall.

"Eine Frau wird immer als potenzielles Schwangerschaftsrisiko behandelt." Diese Ansicht ziehe sich durchs Arbeitsleben. Gehe die Diskriminierung zu weit, solle man sich unbedingt Unterstützung vom Betriebsrat holen. Jeweils acht Wochen vor und acht Wochen nach der Geburt darf eine Frau nicht arbeiten.

Während dieser Zeit zahlt der zuständige Krankenversicherungsträger das sogenannte Wochengeld, das sich aus dem durchschnittlichen Nettoeinkommen der letzten drei Monate vor Beginn des Mutterschutzes errechnet. Das Durchschnittsalter von Frauen bei der Geburt ist in den letzten Jahren gestiegen. Von ärztlicher Seite wird das zunehmende Alter als Risiko gesehen, daher wird in manchen Fällen ein früherer Mutterschutz angeordnet. Ohne gesundheitliche Probleme gibt es nur wenige Möglichkeiten, früher in Mutterschutz zu gehen. Man könne mit dem Arbeitgeber vereinbaren, Resturlaub einzulösen, Zeitausgleich oder unbezahlten Urlaub zu nehmen, sagt Peter Eckel von der Arbeiterkammer.

Während der Elternkarenz können Kinderbetreuungsgeld und Familienbeihilfe beantragt werden. "Schwierig wird es meistens erst, wenn das Kind da ist und man wieder in den Job zurückkehren möchte. Die Stelle ist anderweitig besetzt, die Aufgabengebiete sind neu verteilt worden", sagt Vera Knoll, Koordinatorin der Beratungsstellen bei Frau und Arbeit. Deshalb sollte schon während der Schwangerschaft überlegt werden, wie der Wiedereinstieg gelingt, und eine Vereinbarung mit dem Arbeitgeber getroffen werden.

Bild: SN/fgz salzburg
Geht es der Mutter gut, geht es auch dem Kind gut
Aline Halhuber-Ahlmann, Geschäftsführerin Frauengesundheitszentrum Salzburg

Neben der ganzen Planung und Organisation ist es aber wichtig, auf das eigene Wohlbefinden zu achten. "Geht es der Mutter gut, geht es auch dem Kind gut", sagt Aline Halhuber-Ahlmann vom Frauengesundheitszentrum. Der Druck in der Schwangerschaft sei groß. "Eine Schwangerschaft ist nicht einfach für eine Frau und mit vielen Ängsten verbunden." Es ist eine Zeit der Veränderung, in der Probleme und innere Konflikte auftreten können. Daher sei es wichtig, in der Schwangerschaft darauf zu hören, was die Seele brauche.

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