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Mentoring: Beim Helfen selber wachsen

Warum stellen sich junge Berufstätige als Mentoren für Mittelschüler zur Verfügung? Auch um sich selbst weiterzuentwickeln, sagen zwei, die bald schon Salzburger Schüler unterstützen.

Clemens Greil mit seinem Mentee Tobias, eines der Wiener Sindbad-Tandems. SN/privat
Clemens Greil mit seinem Mentee Tobias, eines der Wiener Sindbad-Tandems.

Wie wirkt sich die Coronapandemie auf den Schulerfolg und die Lehrstellensuche von Jugendlichen aus? Worauf kommt es an, wenn man sich um eine Lehrstelle bewirbt? Antworten auf solche Fragen geben sich zwei junge Wiener seit Kurzem gegenseitig. Clemens Greil als Mentor im Sozialprojekt Sindbad und Tobias als sein Mentee. Er ist im letzten Pflichtschuljahr und kann Orientierung daher gut gebrauchen. Aber auch Tischtennis, Schach und Fifa-Fußballspielen online gehören zu den gemeinsamen Beschäftigungen der beiden. "Es ist erfrischend und macht Spaß, hin und wieder gemeinsam aus der ganzen Coronasituation ausbrechen zu können. Wir führen immer wieder spannende Gespräche und haben eine super Beziehung zueinander aufgebaut", erzählt Clemens Greil.

Sozialprojekt ab November in Salzburg

In Salzburg nimmt das Sozialprojekt Sindbad jetzt im November seine Arbeit auf. Wie in Wien und Graz will Sozialunternehmer Joseph Kap-herr auch hier Mittel- und Polyschülerinnen und -schüler unterstützen, ihren Weg zu finden - ob eine geeignete Lehrstelle oder eine weiterführende Schule. Der gebürtige Salzburger und sein Team haben in den vergangenen Monaten am Aufbau des Salzburg-Standorts gearbeitet. Der Großteil der 20 im November startenden Mentoren ist bereits gefunden. Was treibt sie an? Patrizia Laugus wollte sich schon länger sozial engagieren und hatte daheim davon erzählt. Als ihr ihre Mutter einen SN-Beitrag über Sindbad zeigte, war sie sofort interessiert. "Ich will junge Leute unterstützen. Bei denen kann man noch so viel machen, gerade in Sachen Bildung. Ich finde den Gedanken schön, jemanden ein Stück weit an die Hand zu nehmen", schildert sie ihre Beweggründe. Mitte November wird sie bei einem "Speeddating" ihre(n) Mentee kennenlernen - die bzw. der zu ihr passt. Auf das richtige "Matching" (Zueinanderpassen) schauen die Mitarbeitenden des Sozialprojekts. So auch auf gemeinsame Veranstaltungen, bei denen sich die Ehrenamtlichen austauschen können. Diese Förderung im Hintergrund und Supervisionsgespräche findet Laugus besonders reizvoll: "Die anderen fragen zu können: ,Wie geht es dir mit dieser oder jenen Frage?', finde ich besonders spannend. Das ist für mich extrem interessant. Da darf ich viel dazulernen", meint sie.

"Ich möchte jemanden ein Stück weit an die Hand nehmen." Patrizia Laugus, Prozessmanagerin

Einen Mentor oder eine Mentorin hätte sie sich auch gewünscht. Zwar ist sie mit ihrer Tätigkeit als Prozess- und Projektmanagerin bei der BMW-Tochter Alphabet Fuhrpark Management zufrieden, aber: "Damals nach der HAK Hallein und vor meinem Wirtschaftsstudium in Innsbruck hatte ich niemanden, der nur für mich da war und mit mir herausfand, was genau meine Stärken und Interessen sind", erinnert sich die 25-Jährige. Sie finde es gut, wenn Jugendliche eine Zeit lang jemanden hätten, der konkret auf sie und ihre berufliche Zukunft eingeht. Ähnlich sieht das Andreas Golser. "Ich habe zwei jüngere Brüder, da will man auch helfen, dass sie auf einen guten Weg kommen", beschreibt er eines seiner Motive, Mentor in Salzburg zu werden. Als er als Stipendiat beim Forum Alpbach einen Grazer Sindbad-Mentor kennenlernte, meldete auch er sich als Freiwilliger.

Mehrwert für den Mentor selbst

Was Bildung und Weiterbildung bringen, weiß der 32-Jährige aus eigener Erfahrung. Er ist Kundenberater in der Landesinformatik und leitet dort die Digitalisierungsprojekte der zwölf Berufs- und der vier Landwirtschaftsschulen des Landes. Nebenbei studiert Golser KMU-Management und prüft Verwaltungsassistenz-Lehrlinge. "Diesen Lehrberuf habe ich selbst gelernt, nach der Mittelschule in Adnet. Es ist schön, jungen Leuten etwas weiterzugeben. Das ist mein Ziel als Mentor bei Sindbad", sagt er. So behütet wie er, am elterlichen Bauernhof, seien viele Schüler nicht aufgewachsen. "Nicht jeder hat dieses Glück. Mit Zuhören und Zureden können wir Mentoren aber sicher unsere Mentees unterstützen." Ein Mehrwert für ihn selbst werde es sein, "außerhalb der Box" zu sein, also sein gewohntes berufliches Terrain einmal zu verlassen.

Mentorin oder Mentor von Jugendlichen kann nicht jeder werden. Vanessa Eberle leitet den Sindbad-Standort Salzburg. Sie sagt über die Kriterien: "Interessierte Studierende oder Berufstätige können zwischen 20 und 35 Jahre alt sein. Wir verlangen auch einen Strafregisterauszug." An regelmäßig stattfindenden Informationsabenden erklären die Mitarbeitenden, worum es geht. Sind die Unterlagen in Ordnung und klappt auch das Einstellungsgespräch, kann ein Mentor schon bald mit seinem Mentee zusammenarbeiten. Coronabedingt brauchen mehr Schüler als früher soziale Unterstützung: "Nächstes Jahr möchten wir 40 statt 20 Teams bilden, weil wir den Bedarf für groß halten." Auch Mittelschulen aus der Stadt Salzburg können sich derzeit noch melden, wenn sie ihren Schülern die Möglichkeit eines Mentorings anbieten wollen. Interessierte können sich noch melden, um im November 2021 oder im April 2022 als Mentor oder Mentorin einzusteigen.

Infoabend für Interessierte: 8. November, 18.30 Uhr. Kontakt: vanessa.eberle@sindbad.co.at

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