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Jugendcoaches helfen in der Krise

Jugendlich und aus schwierigen Verhältnissen? Das sind schlechte Karten am Arbeitsmarkt. In Krisenzeiten finden schwierige Jugendliche noch schwerer Jobs. Jugendcoaches helfen.

Halt und Orientierung beim Einstieg in das Arbeitsleben. Das finden Jugendliche in Salzburg bei den Jugendcoaches des Vereins Einstieg. SN/istockphoto
Halt und Orientierung beim Einstieg in das Arbeitsleben. Das finden Jugendliche in Salzburg bei den Jugendcoaches des Vereins Einstieg.

Sie hat die Schule abgebrochen und auch mehrere Kurse. Auch psychische Probleme plagen Tamara immer wieder. Damit die junge Frau dennoch einen erfüllenden Beruf lernt, begleitet Julia Schorn die 17-Jährige. Als Beraterin des Jugendcoachings Salzburg ist sie jetzt in der Covid-19-Krise besonders gefordert. "Tamara macht einen Pflichtschulabschlusskurs, doch der war jetzt zwei Monate lang ausgesetzt", schildert Schorn. Damit Tamara ihren Tag einigermaßen sinnvoll gestaltet und vor allem am Lernen dranbleibt, telefonierten die beiden regelmäßig miteinander. "Die Covid-Situation hat Tamara stark psychisch und familiär belastet", erzählt Julia Schorn. Seit sich die 17-Jährige beim Ausbruch der Krise erneut an das Jugendcoaching gewendet hat, blickt sie wieder ein bisschen klarer in ihre Zukunft. Mit ihrem Coach findet sie gerade heraus, welcher Beruf für sie passt. Die Voraussetzungen dafür sollte sie schon bald erfüllen. Den Hauptschulabschluss dürfte Tamara im Juli in der Tasche haben.

Wie Tamara war auch Lukas längere Zeit weder in der Schule noch in einer Ausbildung. Seit einigen Monaten arbeitet Julia Schorn mit dem 16-Jährigen. Covid-19 stoppte die üblicherweise persönlichen Gespräche jäh. Schorn hat Lukas kurzerhand über Videochat beraten. "Inzwischen weiß Lukas, dass er Frisör werden will", ist Schorn zuversichtlich. Eben hat der junge Salzburger seine erste Bewerbung geschrieben.

Umorientieren, weil Lehrstellen wegfallen

Doch wo sollen benachteiligte junge Menschen jetzt Arbeit finden? Schrecken hat in der Vorwoche eine aktuelle Studie der Johannes-Kepler-Universität Linz ausgelöst. Die prognostiziert, dass sich die Anzahl der arbeitslosen Jugendlichen im Vergleich zum Vorjahr auf rund 80.000 verdoppeln wird. Im April waren bereits mehr als 61.000 unter 25-Jährige arbeitslos vorgemerkt. Was Jugendliche wie Lukas oder Tamara den Einstieg in den Arbeitsmarkt so richtig erschwert, ist, dass Tausende Lehrstellen wegbrechen dürften. Laut der Studie ist damit zu rechnen, dass in Österreich im Herbst bis zu 7500 Lehrstellen fehlen werden. "Bisher war immer die Rede davon, dass es mehr Lehrstellen als Lehrstellensuchende gibt, vor allem in Salzburg im Tourismus. Das hat sich jetzt verändert, weil besonders die Gastronomie so stark von der Krise betroffen ist", sagt Helga Gschwandtner. Die Leiterin des Jugendcoachings sieht für ihre Klienten zwei Wege, was sie angesichts der fehlenden Lehrstellen tun können. Einer davon sei, falls es im erlernten, abgebrochenen oder gewünschten Lehrberuf keine Stellen gibt, sich in einen anderen Lehrberuf umzuorientieren. Die zweite Möglichkeit sieht Gschwandtner in Fortbildung: "Wer keine Lehrstelle bekommt, sollte seine Kompetenzen ausbauen. Das kann ein Kurs sein oder der Besuch einer Produktionsschule, in der Jugendliche fit für eine Ausbildung gemacht werden." Das Sozialministeriumsservice habe ein großes Netzwerk für benachteiligte Jugendliche ausgespannt, das jetzt noch wichtiger als bisher sei. Gschwandtner ist davon überzeugt: "Wir müssen alle sehr kreativ werden." Natürlich seien viele Betriebe jetzt unsicher. Man werde aber auch in Betriebe gehen und nachfragen, ob sie nicht doch Lehrstellen anbieten wollen.

Onlinenachhilfe gut nachgefragt

Wie Jugendcoaches berichten, sind viele der "schwierigen" Jugendlichen voller Tatendrang. So haben Lehrlinge und Schüler, als sie in den vergangenen zwei Monaten zu Hause bleiben mussten, intensiv Nachhilfe genommen. Nicht persönlich, sondern online. Diesen Service bietet der Träger des
Jugendcoachings, der Salzburger Verein Einstieg. Geschäftsführer Thomas Zeinzinger ist froh, dass die Jugendlichen jetzt wieder in ihre Pflichtschulabschlusskurse in Salzburg, Hallein und Zell am See gehen können. In der Vorwoche ist der Startschuss gefallen. "Jugendliche mit problembehafteter Vergangenheit brauchen diese Abschlüsse dringend", sagt Zeinzinger. Mehr Plätze in Produktionsschulen, wie von der Arbeiterkammer Oberösterreich gefordert, würde auch er begrüßen. In Salzburg gibt es 120 solcher Plätze, auf denen innerhalb eines Jahres Jugendliche so fit gemacht werden, dass sie eine Lehre oder eine Ausbildung absolvieren können. Die Nachfrage ist in den letzten Jahren stark gestiegen. Die Wartelisten sind voll. Zumindest kann man ab sofort wieder herausfinden, wo die eigenen Talente liegen: Die WKS hat den Talentecheck für Schüler wieder hochgefahren.

Details zum Jugendcoaching und Kontakt für Jugendliche bei Fragen zum Lernen zu Hause auf einstieg.or.at.

Quelle: SN

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