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Employer Branding - Wie kreiert man eine Arbeitgebermarke?

Wie muss ein Unternehmen sein, um eine erfolgreiche, unverfälschte Arbeitgebermarke zu schaffen? Und warum ist Employer Branding so wichtig?

Authentischer Arbeitgeber oder schöner Schein: Steckt dahinter, was nach außen gezeigt wird? SN/shutterstock/syda productions
Authentischer Arbeitgeber oder schöner Schein: Steckt dahinter, was nach außen gezeigt wird?

Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) verstärken ihre Bemühungen, sich als attraktiver Arbeitgeber am Markt zu positionieren.
Dieser Meinung sind Marcus Stumpf und Wolfgang Immerschitt, Autoren des Buches "Employer Branding für KMU. Der Mittelstand als attraktiver Arbeitgeber" (Springer Gabler Verlag). Stumpf arbeitet als Professor für Marketing und Markenmanagement an der Hochschule für Ökonomie und Management am Hochschulzentrum Frankfurt am Main. Immerschitt ist Geschäftsführer der Salzburger Agentur Plenos - im Gespräch mit den "Salzburger Nachrichten" stand er Rede und Antwort. Wie sieht die Lage in Sachen Employer Branding für Klein- und Mittelbetriebe aktuell aus?

Warum ist Employer Branding für Unternehmen wichtig? Wolfgang Immerschitt: Die demografische Entwicklung und erhöhte Anforderungen an Unternehmen machen den Kampf um passende Mitarbeiter zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor. Dazu kommt ein Wertewandel in der Gesellschaft - den Mitarbeitern wird das positive Image ihres Arbeitgebers immer wichtiger.
Eine attraktive Arbeitgebermarke macht Unternehmen für Bewerber interessant und erhöht die Chancen, die qualifiziertesten von ihnen langfristig für das Unternehmen zu gewinnen und zu binden.

Wie schafft man es Ihrer Meinung nach, als KMU eine erfolgreiche Arbeitgebermarke zu kreieren? Kern der Arbeitgebermarke muss eine authentische und umfassende Positionierung sein, die der Unternehmenskultur entspricht und im Rahmen eines Strategieprozesses entwickelt wird. Employer Branding erfolgt über den gesamten "Lebenszyklus" von Mitarbeitern im Unternehmen.
Das heißt: In allen Phasen gibt es Punkte, an denen die Mitarbeiter oder Kandidaten Erkenntnisse über den Betrieb erlangen. Wenn die gemachten Versprechen und das Werteverständnis des Unternehmens beim Kontakt mit den (potenziellen) Arbeitnehmern spürbar werden, so können sich die (künftigen) Mitarbeiter auch mit dem Betrieb identifizieren.

Haben Sie einen konkreten Tipp? Ein häufiger Fehler in der Praxis besteht darin, dass einzelne Maßnahmen festgelegt werden, um akute Probleme zu lösen. Das gleicht einer Symptombekämpfung, ohne die Ursachen für das Auftreten der Probleme zu kennen. Unternehmensentscheidungen werden meist ad hoc und anlassbezogen getroffen.

Aufgabe muss es sein, ein gesundes Verhältnis zwischen Bauch- und Kopfentscheidung zu finden. Betriebe sollten sich auch nicht vor zu hohen Kosten scheuen. Verglichen mit dem Aufwand, der durch Mitarbeiterfluktuation entsteht, sind die Ausgaben für die Bildung einer starken Arbeitgebermarke gering.

Was sind die größten Probleme, mit denen Klein- und Mittelbetriebe in Österreich zu kämpfen haben? Die Anforderungen eines wachsenden Dienstleistungssektors in einer Wissensgesellschaft verlangen nach höher qualifizierten Mitarbeitern. Zusätzlich wird jede fünfte Stelle, die durch die bevorstehende Pensionierungswelle der geburtenstarken Jahrgänge frei wird, nicht mehr nachbesetzt werden können. Die Wirtschaft, und im Besonderen KMU, kann ohne gut ausgebildete und
engagierte Mitarbeiter nicht funktionieren.
Employer Branding ist ein Weg, sich von Mitbewerbern abzusetzen. Es kann die Leistungsbereitschaft der Mitarbeiter verbessern und helfen, Kosten zu senken.

Wie wichtig ist es für Unternehmen, das bestehende Team zu binden? In den Unternehmen ist als Reaktion auf den Fachkräftemangel ein Paradigmenwechsel feststellbar. Es wird vermehrt der Fokus auf die Bindung von Mitarbeitern gelegt. Erst wenn man ein Arbeitsklima erzeugen kann, in dem Erfolg, Flexibilität und Innovation großgeschrieben werden, ist man in der Lage, auf dieser Basis ein authentisches Bild von sich auf dem Arbeitsmarkt zu vermitteln. Das macht den Unterschied zwischen einer auf den Bewerbermarkt gerichteten Rekrutierungsstrategie und einer authentischen Arbeitgebermarke aus. Anders formuliert: Es macht einen Unterschied, ob ein Unternehmen schön ist oder nur schön geschminkt.

Welchen Herausforderungen werden sich KMU künftig noch stellen müssen - welche Rolle spielt hier die Digitalisierung? Entwicklungen wie die Digitalisierung bringen neue Chancen, aber auch Herausforderungen. Neue technologische Entwicklungen, ob in der Form humanoider Roboter oder künstlicher Intelligenz, werden die Erwartungen der (potenziellen) Mitarbeiter, wie auch die Möglichkeiten der Unternehmen verändern. Wenn Betriebe sich intensiv um die Arbeitgebermarke kümmern, werden auch in Zukunft intelligente Sprachassistenten und Suchmaschinen erkennen, was den Jobsuchenden tatsächlich geboten wird. Wie Unternehmen sich bei den Siris und Alexas dieser Welt als Arbeitgeber empfehlen können, ist ein Bereich, an dem wir in der Agentur Plenos derzeit gerade arbeiten.

Aufgerufen am 23.07.2019 um 12:38 auf https://karriere.sn.at/karriere-ratgeber/neuigkeiten-trends/employer-branding-wie-kreiert-man-eine-arbeitgebermarke-67124965

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