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Crowdfunding - Wie funktioniert diese Finanzierungsform?

Crowdfunding ist eine Möglichkeit der Geldlukrierung. Doch was bedeutet und bringt Crowdfunding überhaupt?

Auch Salzburger Unternehmen nutzen Crowdfunding-Plattformen.  SN/shutterstock/atstock productions
Auch Salzburger Unternehmen nutzen Crowdfunding-Plattformen.

Um mit Crowdfunding in der Praxis etwas anfangen zu können beziehungsweise sich damit auszukennen, muss man laut Experten wohl mehrere Fähigkeiten mitbringen: Man sollte ein bisschen Psychologe sein, um sich in die "Crowd" (Gruppe) einfühlen zu können, muss ein Gespür für Technologie haben, Menschenmengen begeistern und gut kommunizieren können.
Für die potenziellen Investoren gilt: "Beim Crowdfunding kann jeder mitmachen, der das nötige Einkommen hat", sagt Reinhard Willfort. Seine Spezialität nennt sich "Vom Crowdfunding zum Crowdbusiness". Willfort ist vielfacher Unternehmensgründer, hat die Innovationsschmiede ISN (Innovation Service Network) aus der Taufe gehoben und wird als Profi der Thematik bezeichnet.

Was ist Crowdfunding?

Crowdfunding - zu Deutsch "Schwarmfinanzierung" oder "Gruppenfinanzierung" - ist in der Praxis eine Querschnittsmaterie. Es handelt sich um einen Überbegriff von Finanzierungsmöglichkeiten, die sich unterschiedlich darstellen. Einfach erklärt: Nicht nur ein Investor finanziert Summe X und trägt dabei das ganze Risiko, sondern zahlreiche Mikroinvestoren hauchen einem Projekt mit einer kleineren Investition (je nach Vorhaben 500 bis 1000 Euro) Leben ein. "Bei jeder Crowdfunding-Kampagne gibt es eine vorab definierte Summe, meist Fundingschwelle genannt, die erreicht werden muss. Wird sie das nicht, bekommen alle Investoren ihr Geld zurück", erklärt Willfort.

Welche Risiken gibt es beim Crowdfunding?

Das bietet sich vor allem auch für Hochrisikoprojekte an - machen mehrere Personen mit, ist die Chance höher, dass es schlussendlich doch funktioniert. Der hauptsächliche, mögliche Nachteil - der Verlust der Investition - löst sich natürlich nicht in Luft auf, verteilt sich aber auf viele Personen. Das Risiko wird minimiert. Die eigenen Grenzen sollten potenzielle Investoren dennoch nicht überschreiten, gegen Einbußen ist man auch "in der Gruppe" nicht gefeit. "Wenn das Vorhaben schiefläuft, muss ich das als Investor auch verkraften können", betont der Experte. Im Allgemeinen findet Crowdfunding in der Praxis immer mehr Anhänger.

Wer nutzt Crowdfunding?

Salzburger Vorzeigeprojekte sind beispielsweise das Projekt "Schlossalm neu" der Gasteiner Bergbahnen oder aber auch der Betriebsumbau der Schneiderei Wimmer in Schleedorf. Beide Unternehmungen wurden erfolgreich durch Crowdfunding finanziert. Es handle sich in solchen Fällen sozusagen um ein Instrument der Regionsentwicklung - "von den Bürgern für die Bürger", meint Willfort. Auch bei den genannten Salzburger Projekten hatte der 52-Jährige seine Finger im Spiel.

Warum ist Crowdfunding so beliebt?

Doch: Warum investiert Otto Normalverbraucher in Projekte eines bestimmten Unternehmens? "Die Menschen haben diese Spielwiese für sich entdeckt, um Teil von etwas Neuem zu sein. Das Hauptthema der Investoren ist, dass sie etwas Gutes tun und dabei sein wollen", erklärt Willfort. "Die Menschen wollen nicht mehr nur jeden Tag acht Stunden am Arbeitsplatz verbringen, sie wollen sich aktiv beteiligen." Wobei nicht nur einzelne Personen die Crowd bilden können - auch für Unternehmen besteht auf diese Weise die Möglichkeit, gemeinsam in ein Projekt zu investieren.

Für wen ist Crowdfunding geeignet?

Hat man als Jungunternehmer eine gute Idee, fehlt allerdings das nötige Kleingeld dazu, bietet sich Crowdfunding an. Aber auch für bestehende Klein- und Mittelbetriebe, bei denen größere Investitionsprojekte anstehen, ist diese Art der Finanzierung geeignet, da bereits ein Kundenstamm besteht, der für neue Projekte begeistert werden kann. Stichworte, die vor allem für KMU gelten: Risikosenkung und Kundenbindung. Mit den aktuellen gesetzlichen Rahmenbedingungen kann mehr Geld lukriert werden. "Crowdfunding ist nicht nur für Start-ups interessant, sondern natürlich auch für größere Unternehmen", sagt der Experte.
Was nicht heißt, dass es sich nur um das Sammeln von Geld dreht. Ohne unternehmerisches Geschick geht auch die beste (Gründungs-)Idee flöten. "Schwarmfinanzierung ergänzt bestehende Finanzierungsmöglichkeiten, ersetzt diese aber nicht", betont Willfort. Die Umsetzungsperspektive muss realistisch existent sein: "Es braucht schon mehr als die Fähigkeit, Geld zu sammeln. Unternehmerisches Know-how ist unerlässlich."

Welche Arten von Crowdfunding gibt es?

Je nach Art des Vorhabens sind unterschiedliche Bereiche des Crowdfundings passend. Will man ein Unternehmen gründen, eignet sich Crowdinvesting. Hier bestehen Beteiligungsmöglichkeiten für mehrere Investoren. "Meine Empfehlung für mittelständige Unternehmen heißt Crowdlending - hier verleiht die Masse Geld. Das funktioniert wie bei einem Darlehen", erklärt Willfort. Mit der Erneuerung des Alternativfinanzierungsgesetzes (AltFG) - ein Teil der Novelle ist mit Juli 2018 in Kraft getreten - soll die Finanzierung zudem für alle Arten von Unternehmen leichter werden.

Ab wann rentiert sich Crowdfunding?

Sinnvoll ist Crowdfunding ab einer Summe von 50.000 Euro, besser noch sind 100.000 Euro. Geht es an eine Betriebsgründung, wurde der "Schwarm" an Mikroinvestoren gefunden, empfiehlt es sich, mit dem gesammelten Geld nicht gleich zu großzügig umzugehen. "Mein Tipp: Das Geld der Crowd sollte nicht sofort ausgegeben werden. Man sollte mit diesem Geld auf dem Konto zur Bank gehen und um die Bankenfinanzierung ansuchen", rät der Experte. Schließlich achten die Banken bei der Vergabe der Finanzierungen darauf, wie es mit dem Eigen- beziehungsweise Startkapital aussieht. Es geht beim Crowdfunding allerdings nicht nur darum, Geld zu lukrieren - ist die Menge an Mikroinvestoren erst einmal mobilisiert, sollte man auch weiterhin mit ihr arbeiten, sie weiterentwickeln. Doch auch hier gilt es klein anzufangen: "Der innere Kreis muss als Erstes motiviert werden. Das heißt, die Familie, die Verwandten sind praktisch die ersten Investoren. Diese Personen kennt man lang, das Vertrauen besteht bereits. Erst danach geht's in kleinen Schritten weiter in Richtung Masse", erklärt Willfort.
Oder, etwas verträumt in den Worten Hermann Hesses gesagt:"Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne."

Aufgerufen am 20.01.2019 um 08:48 auf https://karriere.sn.at/karriere-ratgeber/neuigkeiten-trends/crowdfunding-wie-funktioniert-diese-finanzierungsform-62403865

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