Alle Informationen zur Bildungskarenz in Österreich

Was erwartet Arbeitnehmer, die sich in Bildungskarenz begeben? Wie lautet die Gesetzeslage und vor allem: Was heißt das für den Lebensunterhalt?

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Ob Bildungskarenz möglich ist, ist nicht nur eine finanzielle Frage.

Jahrelang auf den Bürostuhl hinter den Bildschirm geklemmt, das Hirn oft unterfordert, weil: Es rührt sich nicht viel? Etwas Abwechslung wäre gern gesehen - und die grauen Hirnzellen sollten generell einmal wieder ein bisschen auf Vordermann gebracht werden? Oder es lockt der Ruf, das in Jugendjahren begonnene Studium weiterzuführen oder den Schulabschluss nachzuholen, und es stellt sich die Frage nach dem Wie? Ohne Geld geht es ja bekanntlich auch nicht. Eine Möglichkeit, die sich bietet, ist die Bildungskarenz. Sprich: eine Freistellung vom Arbeitsverhältnis zum Zwecke der Weiterbildung.

Zeit und Geld für die Bildungskarenz - geht das überhaupt?

"Kurz gesagt: Es geht. Unsere Zeit ist sehr schnelllebig und die Ansprüche im Beruf sind hoch. Es ist sehr wichtig, auf die eigene Work-Life-Balance zu schauen und gleichzeitig die eigenen Kompetenzen weiterzuentwickeln", sagt Franz Fuchs-Weikl, Bildungsreferent der Arbeiterkammer Salzburg. Laut Statistik des AMS waren im vergangenen Jahr in Österreich 9507 Personen in Bildungskarenz, davon entfallen 604 auf Salzburg.

Wie kommt man während der Bildungskarenz an Geld ?

Ein wichtiger Punkt, wenn es um die Auszeit vom Berufsleben geht, ist zweifelsohne der Faktor des Lebensunterhalts. Im Falle der Bildungskarenz schaut die Sache wie folgt aus: Während der Zeit der Fortbildung wird ein Teil des Entgelts durch Weiterbildungsgeld vom AMS ersetzt - die Höhe wird quasi gleich berechnet wie das Arbeitslosengeld. Das heißt: Der Minimalbetrag liegt bei 14,53 Euro pro Tag. Die Voraussetzungen? "Es muss ein aufrechtes Beschäftigungsverhältnis bei ein und demselben Arbeitgeber, mit einer Mindestdauer von sechs Monaten, vorhanden sein", erklärt der Bildungsreferent.
Anders gestaltet sich die Lage, wenn man saisonal tätig ist - hier liegt die Frist bei drei Monaten. Oder: man hat innerhalb der vergangenen vier Jahre sechs Monate im selben Unternehmen gearbeitet. Der Wechsel des Arbeitgebers ist während der Bildungskarenz nicht möglich. Ebenfalls nicht unwesentlich: In der Zeit der Bildungskarenz darf man dazuverdienen. Zulässig ist eine geringfügige Beschäftigung, die einen Verdienst von 438,05 Euro pro Monat nicht übersteigt. Ob man im gleichen Betrieb werkt oder in einem anderen, hängt nicht zuletzt vom Arbeitsvertrag oder der Bildungskarenz-Vereinbarung ab.

Was zieht Menschen in die Bildungskarenz?

"Einen Vollzeitjob, Weiterbildung und Familie unter einen Hut zu bringen ist oftmals äußerst schwierig. Die Bildungskarenz bietet hier gute Rahmenbedingungen. Sehr häufig absolvieren Berufstätige so innerhalb eines Jahres die Berufsreife", erläutert Fuchs-Weikl. "Die Bildungskarenz gilt übrigens als Zeit des Selbsterhalts und kann damit als Teilgrundlage für den Anspruch auf ein Selbsterhalterstipendium verwendet werden." In Salzburg besteht zudem die Möglichkeit, diese Auszeit mit dem Bildungsscheck des Landes zu kombinieren.
Rechtsanspruch auf Bildungskarenz besteht generell nicht, die Freistellung muss in jedem Fall mit dem Unternehmen vereinbart werden. Es wird empfohlen, bei der Verhandlung mit dem Vorgesetzten ein Mitglied des Betriebsrats zu involvieren.

Für wen ist die Bildungskarenz geeignet?

Hat man die Bestätigung des Arbeitgebers in der Tasche, geht es für die Beantragung des Weiterbildungsgelds zum Arbeitsmarktservice. Für welche Personen ist die Freistellung zur Fortbildung geeignet? "Grundsätzlich ist die Bildungskarenz für alle geeignet, die eine Auszeit mit Bildung verbinden wollen. Voraussetzung ist, dass ein Anspruch auf Arbeitslosengeld besteht", sagt der Bildungsreferent.

Wann und wie lange ist Bildungskarenz möglich?

Im Allgemeinen heißt es, dass eine Bildungskarenz zu jeder Zeit vereinbart werden kann. Es gibt allerdings auch Fälle, in denen dies nicht möglich ist: Dazu zählen beispielsweise das Beschäftigungsverbot während des Mutterschutzes, während der Elternkarenz oder auch die Zeit, in der man Präsenz- beziehungsweise Zivildienst ausübt.

Wie lange darf man sich auf bildungsmäßige Auszeit begeben?

"Die Bildungskarenz kann im Gesamtausmaß von einem Jahr innerhalb eines Zeitraums von insgesamt vier Jahren abgeschlossen werden. Die einjährige Freistellung kann im Stück oder innerhalb der vier Jahre auch in Teilen, zu je mindestens zwei Monaten, verbraucht werden", erklärt Fuchs-Weikl. Die Mindestdauer beträgt demnach zwei Monate, die Höchstdauer liegt bei einem Jahr.

Was muss bei der Bildungskarenz beachtet werden?

Natürlich gibt es auch gewisse Regelungen, in Bezug auf das Was: So können Aus- und Weiterbildungen im In- und Ausland besucht werden, wie zum Beispiel Sprachkurse. Wichtig ist in jedem Fall, dass ein beruflicher Bezug besteht. Sprich: Kurse, die offiziell in den Freizeitbereich fallen, zählen nicht. Außerdem muss eine Weiterbildung mindestens 20 Stunden pro Woche umfassen und beim AMS schriftlich nachgewiesen werden. Hat man Kinder unter sieben Jahren, reichen auch 16 wöchentliche Weiterbildungsstunden. Fängt man wieder an zu studieren, muss man pro Semester, oder jeweils nach sechs Monaten, Prüfungen über vier Semesterwochenstunden oder acht ECTS-Punkte nachweisen. Lern- und Übungszeiten werden bei der nötigen Zahl an Wochenstunden stets mitgezählt.

Kann man während der Bildungskarenz kündigen oder gekündigt werden?

Wie schaut es mit dem Austritt aus dem Arbeitsleben aus, wenn man sich in Bildungskarenz befindet? Es besteht kein Kündigungs- und Entlassungsschutz.
Kündigt man als Arbeitnehmer während der Bildungskarenz, oder wird das Arbeitsverhältnis einvernehmlich gelöst, verfällt der Anspruch auf Weiterbildungsgeld. Wird einem hingegen vom Arbeitgeber gekündigt, bleibt der Anspruch auf Weiterbildungsgeld bestehen. Generell ist man während der Fortbildungszeit kranken- und unfallversichert und erwirbt auch Versicherungsmonate für die Pension.

Ein abschließender Tipp des Bildungsreferenten: "Die Zeit der Bildungskarenz will in jedem Fall gut geplant sein.

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