Freizeit & Gesundheit

Vorsorgen gegen das Virus

Gesunde Ernährung und Bewegung sieht ein Mediziner als ein Mittel im Kampf gegen das Coronavirus. Warum das nicht nur für Erwachsene im Job gilt.

Mit gesundem Kantinenessen fördern Betriebe die Gesundheit ihrer Belegschaft. AVOS schickt auf Anfrage Diätassistentinnen. SN/shutterstock/candybox images
Mit gesundem Kantinenessen fördern Betriebe die Gesundheit ihrer Belegschaft. AVOS schickt auf Anfrage Diätassistentinnen.

"Wir werden mit dem Coronavirus leben müssen, so wie mit jedem anderen Virus auch. Damit der Mensch diese neuen Umstände gut verarbeiten kann, ist es hilfreich zu wissen, was zu tun ist, um Viren generell stark gegenüberzustehen." Das sagt Holger Förster, Sport- und Kinderarzt in Salzburg. Er hat gerade die Agenden als neuer Präsident des Vereins AVOS, der Gesellschaft für Vorsorgemedizin, übernommen. In seiner Praxis in der Innsbrucker Bundesstraße in der Stadt Salzburg sitzt er auf einem Hocker. Die Rückenlehne fehlt. "So bleibe ich auch im Sitzen immer etwas in Bewegung", sagt er. Sein bevorzugter Sport: Laufen. Der menschliche Körper verfüge über die besten Voraussetzungen, wenn das Immunsystem zu 100 Prozent einsetzbar und nicht mit der Abwehr anderer Angreifer beschäftigt sei, gibt er zu Bedenken. "Wer Angreifer reduziert und die Abwehr stärkt, braucht keine oder weniger Medikamente", lautet Försters Rechnung.

Mit Blick auf geschlossene Kindergärten und Schulen klagt der Mediziner darüber, dass körperliche Aktivität für viele Kinder in den vergangenen Monaten oft schlichtweg fehlte. "Die institutionelle Bewegung musste vorübergehend gestrichen werden, Sportstätten hatten geschlossen. Wenn Eltern arbeiten oder Mütter und Väter alleinerziehend sind, fehlt nicht selten die Zeit, mit dem Nachwuchs Sport zu machen. Bei diesem Thema wird die Verantwortung überhaupt sehr gern anderen überlassen", erklärt Förster und fügt an: "Wer sich nicht bewegt, hat dem Virus nichts entgegenzusetzen." In seine Praxis kämen Mädchen und Burschen, die in den vergangenen Monaten sichtbar zugenommen hätten, berichtet der Kinderarzt. Ein Plus von zwei bis drei Kilogramm bezeichnet er bei seinen jungen Patienten als "massiv".

Gesundheit ist ein Teil der Unternehmenskultur

Deshalb möchte Holger Förster in seiner neuen Position als AVOS-Präsident der Vorsorge noch mehr Aufmerksamkeit widmen. Neben Programmen für Kinder und Jugendliche soll es auch für Arbeitgeber weitere umfassende Beratungsangebote geben. "Es ist ein wesentlicher Teil einer Unternehmenskultur, ob und wie Bewegung gefördert wird", sagt der Arzt. Auch die Gestaltung einer gesunden Pause sei ein wichtiger Punkt, wenn es darum geht, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fit zu halten. Wer in Kantinen umdenken will und etwa statt Pommes frites schmackhafte und gesunde Alternativen zur fettgebackenen Kartoffel anbieten möchte, dem stellt das AVOS-Team Diätassistentinnen zur Seite. Ein weiterer, einfach und auch günstig umzusetzender Plan sei, Wasserspender aufzustellen. "Sie sollten jedenfalls Getränkeautomaten mit süßen Limonaden restlos ersetzen." "Ist der Chef sportlich, ist es leichter, Ideen rund um die Gesundheit in einen Betrieb zu bringen", weiß Förster aus Erfahrung. Gehe es in einem Unternehmen nur um Effizienz, sei es schwieriger, Vorsorge für die Angestellten zu betreiben. Förster: "Dabei sollte jedem Chef daran gelegen sein, ein zufriedenes, dynamisches und fittes Team zu haben." Immerhin sei ein motivierter und gesunder Mitarbeiter für einen Betrieb mehr wert als einer, "der nur seine Arbeitszeit absitzt und dann schnellstmöglich auf ein Schnitzel und ein Bier zum Wirt um die Ecke geht".

Doch nicht nur Kernthemen wie Gesundheit und Ernährung seien in der Coronazeit von Bedeutung. Arbeitspsychologen haben nun alle Hände voll zu tun, betont der Mediziner. Seitdem das Virus das Alltagsleben auf der ganzen Welt stark im Griff hat, seien Ängste und Gefühle von Unsicherheit gestiegen, auch wenn es um den Job geht. Wem die negativen Auswirkungen der Coronapandemie nur schwer aus dem Kopf gehen, dem rät Förster, den eigenen Medienkonsum zu prüfen und das aktuelle Tagesgeschehen immer wieder strikt vom Handydisplay und anderen Bildschirmen zu verbannen. Und: "Profis können helfen, mit der Frage nach dem Gestalten der eigenen Zukunft gut umzugehen." Ob Prävention und Vorsorgemedizin nur für junge Leute relevant sei? Holger Förster schüttelt den Kopf und berichtet von seinem eigenen Vater, der im Alter von 92 Jahren noch recht aktiv ist. "Dafür ist es nie zu spät", sagt der Kinder- und Sportarzt.

Älteren Menschen rät er zu Krafttraining, damit sich kein Muskelschwund bemerkbar mache. Gleichzeitig sei es eine wunderbare Sturzprophylaxe, wenn das Gleichgewicht regelmäßig geschult werde. "Ich kann nur raten, nicht den Versuchungen des Alltags zu erliegen und beispielsweise den Lift statt der Stufen zu nehmen." Für den Kreislauf sei es wichtig, außer Atem zu kommen. Deshalb empfiehlt Förster Betätigungen, die so intensiv sind, dass man dabei gerade noch sprechen kann.

"Kraft, Koordination, Flexibilität und Beweglichkeit - diese Komponenten lassen sich auch betrieblich organisieren", sagt der neue AVOS-Präsident. Ein weiteres großes Thema sei die Stressreduktion im Arbeitsleben. Was Chefs tun können, liegt für Förster klar auf der Hand: "Druck reduzieren". Das gelte vor allem auch für die Coronazeit. Denn: Eine rasche und ehrliche Kommunikation sorge dafür, dass das Team sich nicht unbegründet sorgen muss.

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