Frauen & Karriere

Wie viel Pension bekomme ich?

Dieser Frage sollten vor allem Frauen früh nachgehen. Ein neuer Folder gibt Tipps. Eine Salzburgerin schildert, warum sie höchstens 1000 Euro Pension bekommt - wie so viele Frauen.

Um Altersarmut zu vermeiden, gilt es Fallen im Erwerbsleben zu vermeiden. Ein neuer Ratgeber hilft.  SN/doucefleur - stock.adobe.com
Um Altersarmut zu vermeiden, gilt es Fallen im Erwerbsleben zu vermeiden. Ein neuer Ratgeber hilft.

Evelyn Stelzl wog sich in Sicherheit. Die Salzburgerin hatte ein Studium abgeschlossen, geheiratet und drei Kinder bekommen. Neben der Kinderbetreuung arbeitete sie als Leiterin von Eltern-Kind-Gruppen. Nie hätte sie sich damals um ihre Pension gesorgt. Der Schock kam, als sie nach der Scheidung vom Vater ihrer Kinder die sogenannte Erstgutschrift ihrer Pension von der Pensionsversicherungsanstalt zugeschickt bekam. "Als ich den Auszug in Händen hielt, war ich schockiert. In dem Schreiben hieß es, dass ich 370 Euro Pension kriegen werde", schildert Evelyn Stelzl. Auf nur 370 Euro Pension käme sie zwar nur in dem Fall, dass sie keine weiteren Beiträge mehr einzahle. Doch auch wenn sie ihren jetzigen Vollzeit-Assistenzjob an der Universitätsbibliothek Salzburg noch zehn Jahre ausübt, liegt ihre voraussichtliche Bruttopension nur knapp über der Ausgleichszulage - bei 1010 Euro. "Das ist das Maximum, das ich erreichen kann. Daran arbeite ich jetzt. Aus diesem Grund möchte ich jungen Frauen dringend raten, nicht in Pensionsfallen zu geraten", so die 53-Jährige.

Drei Kinder aufgezogen, Elterngruppen geleitet und Ehrenamt ausgeübt

Auf ihr eigenes Beispiel übertragen, meint sie damit etwa, auf ein gutes Gehalt und vor allem auf ein Angestelltenverhältnis Wert zu legen. Auch Stelzl wollte dies, musste sich aber mit Werkverträgen und geringfügigen Anstellungen zufriedengeben. "Die Gruppen fanden semesterweise statt. Ich war deshalb immer geringfügig angestellt", erzählt sie. Obwohl die Salzburgerin mehr als 20 Jahre lang Eltern-Kind-Gruppen geleitet und Ausbildungen zur Gruppenleiterin, zur Erwachsenenbildnerin und zur Lebensberaterin absolviert hat, kamen nur wenige Beiträge auf ihrem Pensionskonto zusammen. Doch Stelzl hat die Gruppen gern geleitet. Elternarbeit sah sie als ihre Berufung. Hinzu kamen ehrenamtliche Tätigkeiten. Spät muss sie jetzt erkennen, dass ihre finanzielle Existenz im Ruhestand deshalb mager ausfallen wird. Auch das noch immer kaum angenommene Pensionssplitting legt Stelzl jungen Frauen ans Herz: "Es erhöht nicht nur die spätere Pension der Frau, sondern ist auch eine Anerkennung dafür, dass man Kinder aufzieht." In Österreich ist das Verhältnis von "Care-Arbeit" zu Erwerbsarbeit zwischen den Geschlechtern sehr unausgewogen. Noch immer üben viel mehr Frauen Care-Arbeit aus als Männer - und verdienen auf ihre Lebenszeit gesehen viel weniger.

Bild: SN/privat
Als verheiratete junge Mutter habe ich mich in Sicherheit gewogen.
Evelyn Stelzl,Büroangestellte

Wie niedrig Kindererziehungszeiten bis 2005 für die Pension bewertet wurden, wurde vielen Babyboomern erst mit der genannten "Erstgutschrift" bewusst. "Ich konnte es gar nicht glauben. Für die Kleinkindjahre wurden Frauen aus meiner Generation nicht einmal 500 Euro als Beitragsgrundlage, also als fiktives Gehalt, auf dem Pensionskonto gutgeschrieben", sagt eine Mittfünfzigerin, die zwei Kinder aufgezogen hat. Die Akademikerin war nebenbei immer selbstständig tätig und stellte nach der Scheidung von ihrem Mann fest, dass auch ihr jetziger Angestellten-Vollzeitjob ihre Pension nur noch leicht, konkret auf 900 Euro, erhöhen wird. "Hätte ich mit meinem Mann das Pensionssplitting machen können, würde meine Pension merklich höher ausfallen", sagt sie heute. Auch ihr Ex-Mann denke so. Ihm verfällt ein Teil seiner ASVG-Pension, da diese gedeckelt ist. Ihre erwachsenen Kinder hält sie dazu an, ihre Pensionsvorsorge zu planen, bevor sie Familien gründen.

Ratgeber für Frauen zur Pensionsvorsorge ab sofort online abrufbar

Einen guten Fundus an Informationen zum Thema Frauen und Pension bietet eine eben erschienene Broschüre des Landes-Frauenreferats. Der "Ratgeber für Frauen zur Pensionsvorsorge" warnt vor Pensionsfallen, erklärt, wie man seine eigene Pension berechnen kann und wie man im Erwerbsleben und auch inklusive Kinderbetreuungszeiten zu einer ausreichenden Pension kommt. So lohnt es sich, auf neuespensionskonto.at oder auf pensionskontorechner.at frühzeitig nachzusehen, wie viele Beiträge man bereits auf das eigene Pensionskonto einbezahlt hat. "Das tut bisher fast niemand. Wir Frauen müssen uns viel mehr um unsere Vorsorge kümmern", rät Brokerin Larissa Kravitz (siehe untenstehenden Kasten). Sie hat sich der Finanzbildung von Frauen verschrieben. Es scheint sich ein bisschen etwas zu tun. Ihr kürzlich erschienenes Buch "Money, Honey!" war prompt vergriffen. Wie wichtig die Beschäftigung mit Finanzen und Vorsorge für Frauen ist, zeigt der Unterschied zwischen Männer- und Frauenpensionen (Gender Pension Gap). Österreich liegt mit 39,5 Prozent Unterschied EU-weit im Schlussfeld, auch die Einkommenskluft Männer-Frauen (Gender Pay Gap) ist mit 14,3 Prozent groß. Vor allem fehlt es an Transparenz bei den Gehältern und an Frauen in Führungspositionen.

Evelyn Stelzl steht stellvertretend für viele Frauen. "Mit 50 Jahren ist es zu spät, wir müssen uns früher mit unserer Pension auseinandersetzen." Die Mutter und Großmutter hat die neue Ratgeberbroschüre gleich an Kinder und Schwiegerkinder geschickt und an ihrer Arbeitsstelle dem Betriebsrat zur Weitergabe an Kolleginnen übermittelt.

Link zum Ratgeber für Frauen zur Pensionsvorsorge

In Aktien investieren

Altersvorsorge ist ein Grund dafür, in Aktien oder Anleihen zu investieren. Diesen Weg sollten viel mehr Frauen nehmen, meint Finanzmathematikerin und Brokerin Larissa Kravitz. Gerade in Zeiten, wo die Kaufkraft von Sparbucheinlagen innerhalb von zehn Jahren um rund 20 Prozent schrumpft, empfehle sich der Schritt in Investments. "Frauen sind in Österreich doppelt so oft von Altersarmut betroffen wie Männer. Die klassische österreichische Frauen-Finanzkarriere ist geprägt von der mangelnden Anrechnung von Kinderbetreuungszeiten in der Vergangenheit, langer Kinderbetreuungszeit, hoher Teilzeitquote und der Mitarbeit im Unternehmen des Mannes bei nur geringfügiger Anmeldung", so Kravitz. Über zehn bis zwölf Jahre in breit gestreute Aktien und Anleihen zu investieren lohne sich, weil die Weltwirtschaft kontinuierlich wachse.

Buchtipp: Larissa Kravitz: "Money, Honey!", Verlag Kremayr & Scheriau. Wieder erhältlich ab Anfang März.

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