Frauen & Karriere

Mehr Frauen an die Spitze: Mit Mut in die Führungsposition

Der Weg in die Geschäftsführung oder den Aufsichtsrat ist für Frauen nicht immer leicht. Ein Programm soll sie auf die nötigen Anforderungen vorbereiten und ihr Selbstbewusstsein stärken.

An der Spitze von Unternehmen finden sich noch immer wenige Frauen.  SN/Wolfilser - stock.adobe.com
An der Spitze von Unternehmen finden sich noch immer wenige Frauen.

Die Anzahl der Frauen in Führungspositionen in österreichischen Unternehmen nimmt nur langsam zu. Es gibt noch immer wesentlich mehr Männer in vergleichbaren Stellen. Die Arbeiterkammer Wien hat in ihrem "Frauen.Management.Report.2020" die Geschlechterverteilung in Aufsichtsratsgremien und der Geschäftsführung von den 200 umsatzstärksten österreichischen Unternehmen sowie von börsennotierten Unternehmen zum Stichtag 2. Jänner 2020 betrachtet.

Unter den 200 umsatzstärksten Unternehmen befinden sich Betriebe aus dem Industrie-, dem Handels- und dem Dienstleistungssektor sowie Banken und Versicherungen. Laut AK entfielen von 624 Geschäftsführerpositionen 574 (92 Prozent) auf Männer und 50 (acht Prozent) auf Frauen. Bei den Geschäftsführerinnen ist das ein Minus von 0,2 Prozent. In den Aufsichtsräten stellten Frauen 22,6 Prozent der 1745 Mitglieder - zum Vorjahr ein Plus von 1,2 Prozent.

In sämtlichen börsennotierten Unternehmen in Österreich waren Anfang 2020 von 222 Vorstandspositionen nur 15 mit Frauen (6,8 Prozent) besetzt, 1,9 Prozent mehr als 2019. Auf Aufsichtsratsebene waren von 622 Mitgliedern 153 weiblich. Das entspricht einer Zunahme von 2,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Das Führungskräfteprogramm "Zukunft. Frauen" soll dazu beitragen, dass sich in Zukunft immer mehr Frauen an der Spitze von Unternehmen wiederfinden. Die Wirtschaftskammer Österreich, das Bundesministerium für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort sowie die Industriellenvereinigung starteten die Initiative 2010. 357 Frauen haben das Programm bislang erfolgreich absolviert. Jährlich finden mindestens zwei Durchgänge statt, der nächste von März bis Juni 2021.

Gemischte Teams bringen Vorteile

Angesprochen sind Frauen in Führungspositionen, die auf dem Weg ins Topmanagement, in den Vorstand beziehungsweise in den Aufsichtsrat sind, sowie selbstständige Frauen in leitender Funktion auf dem Weg in eine Aufsichtsratsposition. Die Teilnehmerinnen können netzwerken, Erfahrungen austauschen und sich fortbilden. In Workshops geht es unter anderem um den Auftritt und die Kommunikation im Topmanagement, Führung und Macht-, Konflikt- und Krisenmanagement, Erfolgsfaktoren in der Verhandlungsführung sowie um Inhalt und Aussagekraft des Jahresabschlusses. Darüber hinaus will das Programm das Selbstvertrauen und den Mut qualifizierter Frauen stärken, damit sie sich selbst Spitzenpositionen zutrauen, und das Potenzial von Frauen für Führungspositionen sichtbar machen. Dafür gibt es die öffentlich zugängliche Datenbank wwww.aufsichtsraetin.at, auf der sich Aufsichträtinnen, Aufsichtsratskandidatinnen und weibliche Top-Führungskräfte präsentieren können.

Der Vorteil von Frauen und Männern in einer Führungsposition oder einem Aufsichtsrat liegt für Bernadette Hawel, Projektleiterin bei "Zukunft.Frauen", auf der Hand: "Diversifizierte Teams wirken sich positiv auf die Arbeit, den Führungsstil und die Gruppendynamik aus, das wissen wir aus Studien. Außerdem wirtschaften Unternehmen effizienter und ökonomisch erfolgreicher. Insbesondere die Dynamik an der Unternehmensspitze erhöht sich, wenn Männer und Frauen in Führungspositionen sind."

Doch woran liegt es, dass dort nach wie vor wenige Frauen zu finden sind? Die AK bezieht sich in ihrem Report auf eine Erhebung aus Deutschland, wonach Vorstandsmitglieder immer wieder aus demselben Kreis rekrutiert würden. "Die größte Hürde ist aber tatsächlich leider noch immer die Vereinbarkeit von Familie und Beruf", sagt Martha Schultz, Beirätin von "Zukunft.Frauen" und Vizepräsidentin der WKÖ. "Noch immer sind es mehrheitlich Frauen, die den schwierigen Spagat zu meistern haben. Betreuungsangebote für Kinder müssen flexibel weiterentwickelt und ausgebaut werden. Neben dem quantitativen Ausbau der Kinderbetreuungsplätze muss aber auch die Betreuungsqualität gesichert sein."

Bild: SN/daniel shaked
Die Partnerwahl ist die wichtigste Karriereentscheidung.
Claudia WitzemannUnternehmensberaterin

Claudia Witzemann ist eine Führungskraft mit Kindern. Ihr beruflicher Werdegang führte sie zunächst in die Wissenschaft. "Seit dem zwölften Lebensjahr war mir klar, dass ich Physik studieren werde." Sie promovierte und forschte an neuen Therapien in der Krebsbehandlung. Schließlich zog es sie in die Wirtschaft, genauer gesagt in die Strategieberatung. 18 Jahre lang war sie für A.T. Kearney tätig, davon acht als Prinzipalin und Mitglied der erweiterten Geschäftsführung. Gekümmert hat sie sich um große Change- und Innovationsprojekte. "Ich habe meinen Beraterjob geliebt, aber in den letzten 1,5 Jahren hatte ich Sehnsucht nach einem eigenen ,Baby'. Ich wollte selbst ein Unternehmen führen", erzählt Witzemann, die auch an "Zukunft.Frauen" teilgenommen hat. Ihr wurde die Geschäftsführung von weXelerate angeboten, wo sie große österreichische Unternehmen mit Start-ups vernetzte. Nach 1,5 Jahren entschied sie sich für die Selbstständigkeit als Unternehmensberaterin.

Während ihrer Zeit bei A.T. Kearney wurde Witzemann zwei Mal Mutter. Den Spagat zwischen Karriere und Familie meistert sie erfolgreich. "Alles eine Frage der Organisation", sagt die 49-Jährige. "Die Wahl des Ehemanns oder Partners ist jedoch die wichtigste Karriereentscheidung." Der Mann müsse den Beruf seiner Frau bzw. Partnerin wertschätzen und verstehen, dass ihr Beruf gleich viel wert sei wie seiner. Witzemann hat den für sie richtigen Ehemann gefunden. Er ist ebenfalls Unternehmensberater.

Zur Organisation von Kindern und Karriere gehört für Witzemann ein Kalender, in dem sämtliche Termine aller Familienmitglieder eingetragen werden. So ist ersichtlich, wer wann beruflich nicht daheim ist und wer dann etwa die Elternabende der Töchter besucht oder sie nach der Zeugnisverteilung von der Schule abholt und mit ihnen ein Eis essen geht. In 13,5 Jahren habe es nur drei Terminkollisionen gegeben, bei denen sie und ihr Mann gleichzeitig weggemusst hätten, erzählt Witzemann. Sie räumt aber auch ein, dass die Organisation durch das Privileg erleichtert werde, sich eine Nanny und eine Putz- bzw. Bügelhilfe leisten zu können.

Doppelte Freude statt Doppelbelastung

Für Frauen wird es mit Kindern im Berufsleben schwerer, weiß Witzemann. Würden Frauen wegen der Kindererziehung beruflich für eine gewisse Zeit aussteigen, dann sei das meist für länger. Danach seien große Karrieresprünge kaum möglich. Witzemann und ihr Mann sind bei beiden Töchtern in deren erstem Lebensjahr abwechselnd für einige Monate daheim geblieben und hatten ihre berufliche Reisetätigkeit eingeschränkt. "Wenn man sich für Familie und Karriere entscheidet, werden andere vielleicht schneller befördert, dafür hat man aber ein Kind", betont Witzemann. Außerdem solle man Familie und Beruf nicht als Doppelbelastung, sondern als doppelte Freude betrachten.

Frauen, die in Führungspositionen wollen, motiviert sie: "Macht es einfach, traut euch. Wenn ihr was erreichen wollt, könnt ihr das auch." Wenn man aber an sich selbst zweifle, werde es schwierig. Auf dem Weg nach oben müsse man man selbst bleiben und das machen, was einem Spaß bereite, damit man es auch gut mache. Natürlich müsse man auch Dinge erledigen, die man nicht möge. Hier sollte man sich vor Augen halten, warum man sie bewältigen müsse: weil man seinen Job behalten wolle und zum Beispiel Babynahrung kaufen müsse. Witzemann arbeitet gerne, schaut dabei auch nicht auf die Zeit. Gleichwohl ist ihr "Quality Time" mit ihren Töchtern wichtig.

Wertschätzung ist für Claudia Witzemann unentbehrlich. Sie bringt sie gegenüber Kollegen und ihrer Familie auf. Gleichzeitig erwartet sie sie auch von ihrer Familie. "Es geht nicht ohne grundsätzliche Wertschätzung", fasst Witzemann zusammen.

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