Fort & Weiterbildung

Wie wir falsche Entscheidungen treffen und diese (nicht) bereuen

Wir habe es getan und sogleich bereut. Jeder trifft ab und an eine Entscheidung, die er kein zweites Mal so fällen würde. Doch wie findet man die richtige Entscheidung aus mehreren Alternativen? Sollen wir den Bauch zu Rate ziehen oder doch auf den Verstand hören? Und was, wenn wir die Informationen falsch abwiegen und uns schon nach kurzer Zeit sagen hören: "Hätte ich mich doch anders entschieden."

Unser Alltag hält eine Vielzahl an Entscheidungen für uns parat. Manche treffen wir durch unsere Erfahrungen oder aus der Intuition heraus, andere wiederum lassen uns nächtelang nicht schlafen. SN/unsplash
Unser Alltag hält eine Vielzahl an Entscheidungen für uns parat. Manche treffen wir durch unsere Erfahrungen oder aus der Intuition heraus, andere wiederum lassen uns nächtelang nicht schlafen.

Unser Alltag ist voller Entscheidungen. Oft kommen sie in großen Gruppen, nehmen viel Zeit in Anspruch und sind nur schwer zu bewältigen. Beinahe so wie die Verwandtschaft beim Familientreffen. Als Neugeborene oder Kleinkinder werden uns viele Entscheidungen von den Eltern abgenommen, doch es gehört zum Lernprozess dazu, dass wir beginnen selbst abzuwiegen, welche Entscheidung für uns in diesem Moment die richtige ist und mit welchen Konsequenzen wir zu rechnen haben. Es sind dann Fragen wie:

  • Taschengeld sparen oder ausgeben?
  • Eis oder eine Tafel Schokolade?
  • Mama und Papa anlügen oder Strafe kassieren?

die heute vermutlich klein und unbedeutend scheinen, doch genau haben wir mit einem lebenslangen Lernprozess begonnen. Denn nachdem wir uns entschieden hatten, folgten die Konsequenzen und nicht selten auch die Reue.

Mit Gefühl und Verstand

Beim Entscheidungsprozess stehen wir vor zwei oder mehreren geschlossenen Türen. Wir können einen kurzen Blick riskieren. Auch wenn wir nur einen Bruchteil erhaschen konnten, stellen wir uns eine ganze Welt dahinter vor. Jetzt gibt es allen Anschein nach zwei Möglichkeiten, wie wir diese Welt dahinter aufbauen und uns schlussendlich für eine Tür entscheiden:

  • Mit Vernunft: Wir denken rational nach und wiegen die Vor- und Nachteile jeder Tür ab. Wir wiegen ab wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass sich hinter der Tür wirklich jene Welt befindet, die wir uns vorstellen und finden eine Lösung für das Problem, indem wir uns für jene entscheiden, die uns den größten Nutzen bringt.
  • Mit Gefühl: Wir lassen unsere Erfahrungen, Erinnerungen, Ängste, Hoffnungen und Wünsche in unseren Entscheidungsprozess einfließen und entscheiden uns quasi aus dem Bauch heraus.

Die Vorstellung, dass Menschen rein rational eine Entscheidung treffen, ist mittlerweile jedoch überholt. Auch wer glaubt eine rationale Entscheidung zu treffen wird unbewusst von Affekten und Emotionen gelenkt. Besonders dann, wenn sich die Entscheidung um das eigene Leben dreht, also um Partnerschaft, Job oder Familie.

Doch nicht umsonst wurden wir Menschen mit einem Bauchgefühl und dem Verstand gesegnet. Wenn es dazu kommt, eine Entscheidung zu fällen, ist jeder gut damit beraten, beide Parteien teilhaben zu lassen. Die Philosophin Ruth Chang beschreibt schwierige Entscheidungen in einem einfachen Satz: "Schwierige Entscheidungen sind schwierig, weil keine Alternative besser ist als die andere".

Alltägliche Entscheidungen treffen wir aus der Intuition oder aus der Gewohnheit heraus. Andere Entscheidungen nehmen mehr Zeit in Anspruch und setzen nicht selten einen Kampf zwischen Bauchgefühl und Verstand in Gang. Oft nehmen Entscheidungen ein gutes Ende und wir denken nicht weiter über etwaige Alternativen nach. Doch manchmal sieht die Welt hinter der gewählten Tür ganz anders aus als wir erwartet haben und wir konfrontieren uns mit der Frage: "Habe ich die falsche Entscheidung getroffen?"

Tipps um sich endlich zu entscheiden

Lässt man Verstand und Bauchgefühl teilhaben oder folgt man, wie der Volksmund zu sagen pflegt "dem Herzen"?
Wiegt man die vorhandenen Informationen alleine ab oder bezieht man Personen aus dem Umkreis ein um eine neue Perspektive zu bekommen? Die Herangehensweisen an eine Entscheidung sind vielfältig, doch womöglich helfen diese Fakten beim nächsten Dilemma weiter:

  • Der Harndrang-Effekt
    Forscher der niederländischen Universität Twente haben herausgefunden, dass Menschen mit einer vollen Blase bessere Entscheidungen treffen. Die Probanden der Studie haben sich gegen eine Belohnung und für spätere und langfristige Ziele entschieden. Sie haben somit ihren kurzfristigen Impuls unterdrückt und eine auf längere Sicht vernünftigere Entscheidung getroffen. Wer vor der nächsten schwierigen Entscheidung steht könnte es also mit ein paar Gläser Wasser versuchen.
  • Eine Nacht drüber schlafen
    Beim Schlafen verarbeiten wir den Tag und Körper und Geist kommen zur Ruhe. In der Nacht sortiert unser Gehirn die Gedanken und es werden neue Zusammenhänge gebildet. So kommt es nicht selten vor, dass man mit einem "Geistesblitz" aufwacht.
  • Raus aus der Komfortzone
    Wir neigen dazu Entscheidungen zu treffen, die uns vertraut sind. Oft hindert uns aber genau dies daran, privat und beruflich weiterzukommen. Wenn wir uns immer für den einfachsten Weg entscheiden, fällt es uns immer schwerer alle Informationen rund um eine schwierige Entscheidung abzuwiegen, da wir uns ohne viel zu überlegen für das Gewohnte entscheiden. Wir werden im Leben Entscheidungen treffen, die am Ende nicht den gewünschten Ausgang haben. Doch oft profitieren wir genau von diesen Entscheidungen am meisten. "Wenn das höchste Ziel des Kapitäns wäre, sein Schiff für immer zu erhalten, würde er es im Hafen liegen lassen." Thomas von Aquin
  • Denke weiter
    Bei einer Entscheidung richtet sich unser Blick oft nur ein paar Meter vor unsere Füße. Wir denken über die Konsequenzen für die nächsten Stunden, Tage und Monate nach. Es kann durchaus hilfreich sein den Kopf weiter zu heben und weiter nach vorne zu Blicken. Ist die Entscheidung vielleicht auf kurze Zeit unangenehm und mit viel Arbeit verbunden, kann sie auf mehrere Jahr gesehen vielleicht direkt an das Ziel führen. "Es ist besser, unvollkommene Entscheidungen durchzuführen, als beständig nach vollkommenen Entscheidungen zu suchen, die es niemals geben wird." Charles de Gaulle
Quelle: SN

Aufgerufen am 19.06.2019 um 11:05 auf https://karriere.sn.at/karriere-ratgeber/fort-weiterbildung/wie-wir-falsche-entscheidungen-treffen-und-diese-nicht-bereuen-67489933

Schlagzeilen