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Wie Studierende ihr Traumstudium finden können

Massenstudiengang oder kleines Fach? Ein Studium mit klar vorgezeichnetem Berufsbild oder ein bewusst weites Feld? Das ideale Studium zu finden ist nicht einfach. Doch es gibt Wege und Mittel.

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Für das Lehramtsstudium an der Uni Salzburg haben sich im aktuellen Wintersemester bislang mehr als 2300 Studenten eingeschrieben. Bei Jus sind es grob 1900, Recht und Wirtschaft schafft rund 1200. Die Masterstudiengänge Portugiesisch, Spanisch und Materialwissenschaften zählen hingegen jeweils eine einzige Inskription.

Wie findet man das ideale Studium?

Nicht nur an der Paris-Lodron-Universität könnte der Kontrast zwischen Massenstudien und sogenannten Orchideenfächern kaum größer sein. Österreichweit waren etwa 2018/2019 39.500 Studenten an rechtswissenschaftlichen Fakultäten eingeschrieben - Theologie studierten rund 2400. Und dieser Gegensatz macht es auch den Studienanfängern nicht leicht: Wie findet man das ideale Studium?

Den einen richtigen Weg gebe es nicht, schildert Elba Frank. Die Soziologin ist Leiterin des ÖH-Beratungszentrums an der Universität Salzburg. Am Mozarteum sowie an der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität bietet die jeweilige ÖH ähnliche Anlaufstellen. "Der schlimmste Ansatz ist, wenn jemand seinen Studienstandort wählt, weil der beste Freund oder die beste Freundin dort studieren." Auch von den Eltern "vererbte" Studieninteressen seien kritisch zu hinterfragen. Ein starkes Eigeninteresse am jeweiligen Studium sei hingegen Grundvoraussetzung. Sonst sei das Studienerlebnis bereits zum Scheitern verurteilt, bevor es richtig begonnen habe. Frank rät Maturantinnen und Maturanten, sich zunächst adäquat zu informieren.

"Studieren, recherchieren"

Etwa im Zuge eines erst vor Kurzem gestarteten Programms an der Uni Salzburg: Bei "Studieren, recherchieren" würden angehenden Studenten zweistündige Workshops geboten, in denen diese den verschiedenen Studiengängen nachspüren können - begleitet von zwei Trainerinnen. Dass man geführt recherchiere, sei essenziell. Denn: "Das, was man auf irgendwelchen Websites findet, ist zum Teil gemeingefährlich - oder oft zumindest drastisch veraltet", sagt Frank. Habe man potenziell reizvolle Richtungen ausfindig gemacht, könne man in einem zweiten Programm, "Studieren, probieren", Lehrveranstaltungen aus dem jeweiligen Studium besuchen - und zwar in Begleitung von höhersemestrigen Studierenden. "So bekommen die Maturantinnen und Maturanten ein Gefühl dafür, wie es im Studium tatsächlich abläuft."

Mehrere Studiengänge ausprobieren

Erich Müller, bis vor wenigen Tagen Vizerektor für Lehre an der Uni Salzburg, spricht sich ebenso dafür aus, dass sich Studenten ausführlich informieren, etwa auf den Uni-eigenen Orientierungstagen - und dann auf den Probeeffekt setzen: Man könne sich für zwei oder drei Studiengänge einschreiben. "Dort kann ich dann die STEOP-Lehrveranstaltungen besuchen. Im Laufe des Semesters sollte dann viel klarer sein, in welche Richtung die Reise geht." Unter "STEOP" wird die Studieneingangs- und Orientierungsphase verstanden, die mittlerweile für jedes Fach verpflichtend ist. Beraterin Elba Frank kann der Idee zwar einiges abgewinnen. Sie ruft aber eine Facette in Erinnerung: Die meisten Beihilfen würden nur für die Leistungen in einem Studium ausgeschüttet. Eines, das man vorab melden müsse. Habe dann ein Studierender zwar eine für die Beihilfe ausreichende Zahl an Lehrveranstaltungen abgeschlossen, jedoch nicht im angegebenen Studium, werde die Förderung zurückverlangt. Das könne zu "einem fürchterlichen Elend" werden.

Offen gegenüber jeden Studiengang sein

Und welche Rolle sollen Jobaussichten bei der Studienwahl spielen? Es sei nicht notwendig, bereits einen konkreten Berufswunsch zu haben, wenn man ein Fach wählt. "Aber ich sollte zumindest wissen, in welchen Arbeitsfeldern ich mit dem jeweiligen Studium unterkommen könnte", sagt Frank. Erich Müller ergänzt, dass es seit jeher einen auffällig großen Zulauf bei Studien gebe, die klar auf bestimmte Berufe vorbereiten. Und auch wenn diese größeren Studiengänge das Budget der Uni in besonderem Maße speisen - Stichwort Studienplatzfinanzierung -, setzt sich Müller klar für die kleineren Richtungen ein. Die Orchideenfächer seien "unglaublich wichtig". "Eine Gesellschaft, in der es keine Philosophie, keine Archäologie, keine Altertumswissenschaften gibt, wäre eine arme Gesellschaft", sagt Müller. Universitäten hätten einen gesellschaftlichen Auftrag und dürften nicht nur ökonomisch handeln.
Elba Frank gibt Studenten noch einen Rat mit auf den Weg. Und zwar, offen für alles zu bleiben - sogar bei einem klaren Berufswunsch. Der Blick über den Tellerrand sei wichtig. "Ein Student kann nie wissen, wie sein Studium und somit sein Leben verlaufen wird. Und das ist gut so."

Aufgerufen am 18.11.2019 um 03:39 auf https://karriere.sn.at/karriere-ratgeber/fort-weiterbildung/wie-studierende-ihr-traumstudium-finden-koennen-77669539

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