Fort & Weiterbildung

Welche Werte sind Studenten wichtig?

Traditionelle Werte werden für junge Menschen bedeutsamer, meinen Experten.Doch auch gesellschaftliche Themen sind stärker im Kommen. Und das hat speziell mit einem Wochentag zu tun.

 SN/pixbabay/stocksnap

Keya Baier muss kurz überlegen, als sie nach jenen Werten gefragt wird, die ihr am wichtigsten sind. Zu breit, zu offen sei das Wertegerüst, das man bereits als 20-jährige Studentin aufgebaut habe. Aber dann legt sich die Vorsitzende der Österreichischen HochschülerInnenschaft an der Uni Salzburg doch fest. "Mir ist Wertschätzung wahnsinnig wichtig - sie zu erfahren und sie zu geben. Dazu kommen politischere Werte wie Toleranz oder Solidarität."

Vor allem in den besinnlichen Adventwochen hat es Sinn, sich zu Einstellungen und Werten Gedanken zu machen. Was ist Studenten wichtig? Haben sich deren Konstrukte in den vergangenen Jahren gewandelt? Und was machen diese Vorstellungen mit den jungen Menschen? "Abseits vom Studium haben Familie und Freunde einen sehr hohen Stellenwert", schildert Gertraud Meusburger, Leiterin der Psychologischen Studierendenberatung Salzburg. Bei Krisen seien enge Freunde die ersten Ansprechpartner. Aber auch der Rat der Eltern sei "nicht nur gewünscht, sondern geschätzt". Es gehe vor allem um Rückhalt, Respekt, Anerkennung und Aufmerksamkeit. Meusburger ortet aber auch einen gewissen Wandel bei den Vorstellungen der Studenten. Zum einen seien in den vergangenen Jahren gesellschaftliche Werte wie Umweltbewusstsein und Nachhaltigkeit stärker geworden - manifestiert durch die freitäglichen "Fridays for Future"-Demos. Und: "Die Familie gewinnt immer mehr an Bedeutung."

Einen vergleichbaren Eindruck hat Martin Weichbold, Soziologe und Vizerektor für Lehre an der Uni Salzburg. "Jugendliche werden seit etlichen Jahren wieder konservativer, vor allem in Hinblick auf die Familie. Die Familie hat einen höheren Stellenwert als noch vor 20 Jahren." Dies würden auch Studien belegen. Weniger stark erforscht sei indes der Hintergrund der Entwicklung. "Das ist nur eine Hypothese. Aber vielleicht war der Erziehungsstil der Eltern unserer Generation noch ein anderer. Und heutzutage gibt es weniger Reibung zwischen Eltern und Kindern." Dass Freitag für Freitag Studenten für eine nachhaltige Klimapolitik demonstrieren, hat Weichbold überrascht: "Bis vor wenigen Monaten habe ich die Ansicht vertreten, dass es schwierig ist, die heutige Generation zu mobilisieren. Aber die Nachhaltigkeitsdebatte hat mich eines Besseren belehrt."

ÖH-Vorsitzende Keya Baier kann die Ansichten von Weichbold und Meusburger nicht zu 100 Prozent teilen. Es gebe zwar Studierende, die klassischere Werte verträten. Aber sie habe nicht das Gefühl, dass die traditionellen Wertvorstellungen stärker würden. Dass es - vor allem vor den Freitagsprotesten - schwerer geworden sei, Studenten dazu zu bringen, sich abseits des Studiums zu engagieren, könne hingegen durchaus sein. Aber nicht, weil die Studenten das nicht wollen würden. "Die meisten würden gern was tun. Und viele machen kleine Sachen, sie geben etwa Musikunterricht." Sich noch breiter zu engagieren, würden aber die Rahmenbedingungen oft nicht mehr zulassen. Der Druck auf die Studenten sei wesentlich höher geworden, beschreibt die Politikwissenschaftsstudentin. Dazu gebe es immer weniger flexible Studienpläne. Aber wieso bleibt den Studenten dann Zeit für die Freitagsproteste? "Ich glaube, die Dringlichkeit des Themas spielt eine Riesenrolle. Mittlerweile dürfte jedem bekannt sein, wie groß die Auswirkungen sein könnten."

Dass Studenten unter steigendem Leistungsdruck leiden, stellt auch Gertraud Meusburger bei ihren Beratungen fest. Stress und Selbstwertprobleme seien häufig genannte Schwierigkeiten: "Zu Problemen kommt es dann, wenn aufgrund überhöhter Leistungsansprüche eigene Grenzen missachtet werden und keine Zeit für Erholung und Freizeit bleibt." Orientierungslosigkeit und Unsicherheit sind zwei weitere Probleme, mit denen vor allem Studienanfänger kämpfen.

Aber wie sollten Studenten mit all dem umgehen? Zum einen sei Selbstreflexion wichtig. Zum anderen biete die Psychologische Studierendenberatung Hilfe an. So würden Fertigkeiten, um Stress rechtzeitig erkennen zu können, Methoden zur besseren Studienorganisation sowie Aktivierungs- und Entspannungstechniken vermittelt. Zudem hätten sich kunsttherapeutisch orientierte Ansätze, etwa Malen, als besonders wirksam erwiesen.

Sich mit seinen Werten zu beschäftigen sei in jedem Fall wichtig, ergänzt Meusburger. Werte würden zwar bereits in der frühen Kindheit entstehen, könnten sich aber im Laufe des Lebens verschieben - und das mit spürbaren Auswirkungen. "Werte beeinflussen unsere Motivation und sind richtungsweisend für unser Handeln", sagt die Psychologin. Und sie warnt: "Wenn Werte uns unbewusst beeinflussen und wir dadurch unreflektiert handeln, kann es sein, dass wir selbst oder unsere Mitmenschen darunter leiden."

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