Fort & Weiterbildung

Sprungbrett ins Arbeitsleben

Wenn es nicht glattläuft. Das Programm AusbildungsFit hilft 15- bis 24-Jährigen dabei, einen Beruf zu finden.

Dieses T-Shirt hat Anes Majstorovic (links) in der AusbildungsFit-Werkstatt selbst bedruckt. Mittlerweile hat der 20-Jährige eine Lehrstelle zum Medienfachmann gefunden. SN/christoph haubner
Dieses T-Shirt hat Anes Majstorovic (links) in der AusbildungsFit-Werkstatt selbst bedruckt. Mittlerweile hat der 20-Jährige eine Lehrstelle zum Medienfachmann gefunden.

Schule fertig, danach Lehrstelle oder Studium: Nicht bei allen Jugendlichen und jungen Erwachsenen geht es im Leben so geradlinig dahin. Spätestens seit den Corona-Lockdowns sind psychische Probleme bei sehr jungen Menschen keine Seltenheit mehr. Solche und auch andere Gegebenheiten wie persönliche Schwierigkeiten oder schwerwiegende Erlebnisse können zur Folge haben, dass Jugendliche die Schule abbrechen - und anschließend keine Perspektive mehr für sich sehen. "Wir haben in Österreich schon vor einigen Jahren festgestellt, dass es junge Menschen gibt, die durch das Raster fallen", sagt Annette Sombekke, Landesstellenleiterin des Sozialministeriumsservice Salzburg. "Wir können uns nicht leisten, diese zu verlieren - und auch sie selbst sind damit natürlich in keiner glücklichen Position."

Was ist das Programm "AusbildungsFit"?

Als Konsequenz rief das Sozialministerium das Programm AusbildungsFit ins Leben. Das Ziel: Jugendliche und junge Erwachsene auf ihrem Weg zurück zur Schule oder ins Arbeitsleben zu unterstützen. "Bei uns absolvieren die 141 Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Alter von 15 bis 24 Jahren keine Ausbildung, sondern beschäftigen sich mit sich selbst, ihren Zielen und Wünschen und wie sie diese erreichen können", erklärt Ramona Mosser, die einen der acht Standorte im Land Salzburg leitet. Das Programm ist dabei auf vier Säulen aufgebaut: Sport, Wissensvermittlung, das Sammeln von praktischer Arbeitserfahrung und ein persönliches Coaching. Die AusbildungsFit-Standorte, von denen vier in der Stadt und vier in Elsbethen, Hallein, Bischofshofen und Saalfelden angesiedelt sind, bieten dabei unterschiedliche Schwerpunkte. "An einem Standort haben wir zum Beispiel eine Designwerkstatt und gestalten T-Shirts, an einem anderen arbeiten wir in einer Kreativ-, Metall- und Holzwerkstatt", berichtet Mosser. Auch in Bereichen wie Gärtnern, Küche, Landwirtschaft, Bau, Textilien und Büro können die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Erfahrungen sammeln. "Damit soll es den jungen Menschen ermöglicht werden, einerseits einen Standort nahe ihrem Zuhause zu besuchen und außerdem in möglichst vielen Bereichen Erfahrungen sammeln zu können", sagt Sombekke.

Nik Sparrow, der im wirklichen Leben anders heißt, ist 20 Jahre alt und einer der Teilnehmerinnen und Teilnehmer von AusbildungsFit in der Stadt Salzburg. "Ich hatte keine einfache Kindheit und bin dann ins Jugendcoaching gekommen", erzählt Sparrow. "Über dieses bin ich dann zu AusbildungsFit gekommen und mir hat das Programm sehr geholfen." Sein Resümee ist positiv: "Ich war ein schüchterner Mensch, als ich hier angefangen habe. Mittlerweile traue ich mich, auf Menschen zuzugehen, meine Meinung zu sagen und dazu zu stehen. Und ich kann mich besser konzentrieren."

Das Jugendcoaching geht dem Programm AusbildungsFit stets voran. Teils kommen Jugendliche und junge Erwachsene über die Schulen in das Coaching, teils über das AMS oder über Eltern und Bekannte. In gemeinsamen Gesprächen soll herausgearbeitet werden, wo es hakt und was der nächste Schritt in Richtung zurück ins Leben sein könnte. "Wenn es dann nicht möglich ist, zur Schule zu gehen oder ins Arbeitsleben zu starten, dann greift AusbildungsFit", erklärt Sombekke.

Kontakt zu Arbeitgebern knüpfen

Das Programm sei ein bunter Mix aus vielen interessanten Beschäftigungen, sagt Anes Majstorovic. Der heute 20-Jährige fand vor zwei Jahren zu AusbildungsFit, nachdem er unter psychischen Problemen gelitten hatte. "Sport hat mir immer viel Spaß gemacht, da haben wir zum Beispiel Fußball oder Volleyball gespielt." In der Schule habe er Schwierigkeiten gehabt, sich in die Gruppe einzufügen - hier jedoch habe er leichter Kontakt zu den anderen aufbauen können. Wenn Majstorovic vom T-Shirt-Drucken erzählt, seine Hauptbeschäftigung während der AusbildungsFit-Zeit, leuchten seine Augen. "Ich habe gute Erinnerungen an diese Zeit." Der junge Mann hat mittlerweile eine Ausbildungsstelle zum Medienfachmann im Bereich Onlinemarketing gefunden.

Ein entscheidender Teil von AusbildungsFit sei es, dass die Jugendlichen und jungen Erwachsenen Kontakt zu Arbeitgebern knüpfen und Berufserfahrung direkt im Betrieb sammeln. Dafür stehen immer wieder Praktika an. Nach Partnerunternehmen dafür suchen Mosser und ihr Team stetig. "Die Firmen und Organisationen, die unseren Teilnehmerinnen und Teilnehmern einen Praktikumsplatz geben, profitieren nicht nur davon, wertvolle Lehrlingsanwärterinnen und -anwärter kennenzulernen, sondern auch davon, dass sie mit uns jederzeit Rücksprache halten können, wenn es Fragen gibt", sagt Mosser. Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen sind zudem über das Programm bereits kranken- und unfallversichert. Für Betriebe entstehen durch die Praktika keine Kosten. "Im Idealfall kommt es dann schon im Rahmen des Praktikums zu einer Lehrstelle." Auch sogenannte Teilqualifizierungen, Lehrabschlüsse ohne Berufsschule, seien möglich. "Das ist gerade für junge Menschen, die sich mit der Schule schwertun, eine gute Möglichkeit, dennoch ins Arbeitsleben zu starten." Bei Bedarf steht die sogenannte Arbeitsassistenz den jungen Menschen auch noch während der Lehre oder Teilqualifizierung zur Seite.

Nik Sparrow hat besonders das Mathetraining beim Programm gefallen. Er wünscht sich nun eine Stelle in der Buchhaltung. "Im Büro arbeiten, das ist genau meins, darin hat mich auch das Programm noch einmal bestärkt." Er empfiehlt das Programm auch anderen jungen Menschen, die in ihrem Leben gerade nicht weiterwissen. "Ich habe hier viel über mich selbst gelernt. Und ich fühle mich jetzt bereit für eine Ausbildung."

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