Fort & Weiterbildung

Krise als Chance für Weiterbildungen und Neuorientierung nutzen

In der Krise ist vieles im Umbruch begriffen. Manche sind gezwungen, sich einen neuen Job zu suchen. Andere tun dies, weil sie in Kurzarbeit frei gewordene Zeit nutzen wollen. Die Geschäftsführerin der Bildungsberatung BiBer erzählt, wie schwierig Beratungen in solch volatilen Zeiten sind und in welche Richtung der Trend zur Um- oder Neuorientierung geht.

Bildungsberatungen werden in diesen schwierigen Zeiten oft in Anspruch genommen. SN/beeboys - stock.adobe.com
Bildungsberatungen werden in diesen schwierigen Zeiten oft in Anspruch genommen.

Frau Bauer-Grechenig, Tausende Menschen sind derzeit arbeitslos, viele in Kurzarbeit. Wie hat sich die Nachfrage nach Bildungsberatung im vergangenen Jahr verändert? Christine Bauer-Grechenig: Im ersten Lockdown im März und April waren alle in Schockstarre. Über den Sommer hinweg stieg die Nachfrage an Bildungsberatung dann stark an. Das ist auch jetzt im harten Lockdown der Fall. Im Unterschied zum vergangenen Frühjahr werden nun auch Videoberatungen sehr gut angenommen, auch von älteren Menschen. Man merkt, dass die Menschen langsam besser mit Onlinetools vertraut sind.

Können solche Onlineberatungen persönliche Gespräche ersetzen? Videotelefonie ist gut vergleichbar mit persönlicher Beratung. Man sieht sich, kann Emotionen übermitteln und Informationen am Bildschirm teilen. Das ist sehr nützlich und angenehm im Unterschied zur reinen Telefonberatung. Aber natürlich bevorzugen manche Menschen Vor-Ort-Beratungen. Eine Herausforderung ist es außerdem, zu Hause einen geeigneten Raum für eine ungestörte Beratung zu finden.

In welche Richtung suchen Menschen bei Ihnen Rat? Das ist sehr vielfältig und Menschen ganz unterschiedlicher Altersgruppen kommen auf uns zu. Momentan wenden sich viele an uns, die Angst haben, ihren Job zu verlieren und sich beruflich umorientieren zu müssen. Andere wollen die Zeit in Kurzarbeit etwa nutzen, um eine Weiterbildung zu machen und sich höher zu qualifizieren.

Ausblicke auf den künftigen Arbeitsmarkt sind in der unsicheren Situation schwer. Wie kann man da valide Ratschläge geben? Wir schauen, welche Aus- und Weiterbildungen für eine berufliche Umorientierung oder Höherqualifizierung nötig sind und welche finanziellen Möglichkeiten es gibt. Wir wollen den Menschen helfen, Entscheidungen selbstständig zu treffen. Da ist viel Motivations- und Stärkungsarbeit dabei, die unabhängig von der Arbeitsmarktsituation geschehen kann. Das Weiterbildungsangebot hat sich geändert: Viele sind auf Onlinefortbildungen umgestiegen. Oder sie bieten Hybridmodelle mit Präsenz- und Onlineunterricht kombiniert an. Solche Fortbildungen sind derzeit auch möglich.

Die Devise ist also auch "Zeit nutzen" ... Ja, wir sehen diese Krise schon als Chance. Man ist gezwungen, innezuhalten. Das bereitet aber auch die Chance, sich vielleicht mit den eigenen früheren beruflichen Träumen auseinanderzusetzen. Manche haben auch die Zeit, einen Bildungsabschluss nachzuholen und zum Beispiel eine Abendschule zu besuchen.

Wie viel psychologische Arbeit ist da auch dabei? Bei uns arbeiten tatsächlich auch viele Psychologen und Pädagogen. Alle unsere Mitarbeiter haben eine umfassende Bildungs- und Berufsberaterausbildung. Wir schauen uns immer die Gesamtsituation der Menschen an. Etwa, was die persönlichen Ziele oder Wertvorstellungen sind. Oder wie viel Zeit jemand investieren kann. Der Ratsuchende soll die eigene Situation aus verschiedenen Blickwinkeln sehen können und dadurch auch zu Lösungsideen kommen.

Wie wichtig ist die finanzielle Sicherheit dabei? Die finanzielle Grundsicherheit muss gegeben sein, das beobachten wir schon. Deshalb wollen sich viele berufsbegleitend umorientieren. Wenn man einen Lehrabschluss als Erwachsener nachholt, gibt es aber auch bestimmte Förderungen - man verdient etwas, hat aber eine komplette Neuorientierung. Auch Abendschulen sind hoch im Kurs. Da kann man am Tag arbeiten und abends in die Schule gehen. Bei Studien sind berufsbegleitende und Fernstudien beliebt. Und es gibt für bestimmte Branchen Ausbildungen, die so gefördert werden, dass auch der Lebensunterhalt gesichert ist.

Stichwort Förderungen: Welche Türen hat Corona da geöffnet? Vor allem beim Arbeitsmarktservice gibt es zahlreiche Förderungen. Auch etwa Personen, die in Kurzarbeit sind, können geförderte Aus- und Weiterbildungen in Anspruch nehmen.

Die BiBer Bildungsberatung ist kostenlos. Sie ist Teil des Netzwerks Bildungsberatung Österreich und wird gefördert vom ESF, BMBWF, Land Salzburg und Stadt Salzburg.


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