Fort & Weiterbildung

Kann die Krise neue Studienwege ebnen?

Im Wintersemester 2020 wechselten an der Uni Salzburg mehr Studierende in eine neue Studienrichtung als noch im Jahr zuvor. Bringt just die Pandemie eine Art von Aufbruchsstimmung?

Zahl der Studinwechsel steigt in Salzburg. SN/karin & uwe annas - stock.adobe.com
Zahl der Studinwechsel steigt in Salzburg.

Es sei eine der wenigen positiven Folgen der Krise, sagt Keya Baier: Die Politikwissenschaftsstudentin, die parallel der Österreichischen HochschülerInnenschaft (ÖH) an der Uni Salzburg vorsteht, konnte das Lockdown-bedingte "bisschen Mehr an Zeit" nutzen, um sich stärker Gedanken zu ihrer Zukunftsplanung zu machen. "Das habe ich früher kaum geschafft. Jetzt weiß ich, dass ich in Richtung Diplomatieausbildung gehen will."

Pandemie trägt zur Kreativität bei

Dient die Coronakrise als Gelegenheit, die akademische Laufbahn zu reflektieren - und möglicherweise gar die Studienwahl zu überdenken? Keya Baier glaubt, dass ihr Beispiel kein Sonderfall ist: Freilich sei die Belastung durch die Krise bei vielen Studierenden hoch. Und deshalb könne sie gut nachvollziehen, "wenn jemand die vergangenen Monate nicht besonders produktiv nutzen konnte". Aber allein durch die Verlagerung des Studiums auf Fernlehre hätten wohl viele die Chance genutzt, sich neu zu orientieren. "Manche haben sich neue Hobbys gesucht, andere haben angefangen, Sprachen zu lernen, oder gar ein neues Studium gewählt. Da hat die Krise zur Kreativität beigetragen", sagt die ÖH-Vorsitzende.

Studienwechsel in Salzburg

Bis zu einem gewissen Grad ist diese Form der Aufbruchsstimmung in Zahlen belegbar: An der Universität Salzburg wechselten im Wintersemester 2020/2021 116 Studenten in ein neues Studium. Ein Jahr zuvor waren es lediglich 101; konsekutive Studienkarrieren, etwa vom Bachelor in den Master, wurden bewusst nicht berücksichtigt. "Die Studierendenzahl ist in der Zeit aber auch um zirka zwei Prozent gestiegen", ergänzt Martin Weichbold, Vizerektor für Lehre an der Paris Lodron Universität. Die Zahlen liegen also im Schwankungsbereich. Doch Weichbold kann sich "durchaus vorstellen", dass manche Studierende die Pandemie als Zeit der Neuorientierung genutzt haben.

Erhöhte Prüfungsaktivität

Ein weiterer Indikator für den besonderen Antrieb in der Pandemie könnte die Prüfungsaktivität sein. Diese ist laut Weichbold "deutlich gestiegen". Zwar habe man auch als Universität Anreize gesetzt, ein Teil des Anstiegs sei aber wohl der Pandemiekonstellation geschuldet. Ähnlich wie Keya Baier glaubt Weichbold aber ebenso daran, dass sich bei manchen Studenten gar Gegenteiliges eingestellt hat: "Viele waren sicher mit anderen Dingen beschäftigt. Und mussten etwa schauen, wie sie ihren Alltag in der Krise organisiert kriegen oder wie sie ihre sozialen Kontakte aufrechterhalten."

Krise führt auch zu Studienunterbrechungen

An Salzburgs zweitgrößter Universität, dem Mozarteum, ortet man bei den Studierenden eher zusätzliche Belastungen durch die Krise. Vor allem finanziell sei die Pandemie herausfordernd. "Daher sind weniger Studienwechsel als Studienunterbrechungen ein Thema. Wir hatten im vergangenen Jahr mehrere Studienabmeldungen, die um Wiederaufnahme nach einem Semester angesucht haben", schildert Mario Kostal, Vizerektor für Lehre an der Universität Mozarteum. Besonders bei den zweisemestrigen postgradualen Lehrgängen sei der Trend zu erkennen gewesen.

Corona stärkt den Stellenwert von medizinischen Berufen

Wiederum andere Auswirkungen registriert die Paracelsus Medizinische Privatuniversität (PMU). Wie der Leiter der Kommunikationsabteilung, Gottfried Stienen, erläutert, sind weder Umorientierungen noch Studienunterbrechungen zu orten gewesen. Vielmehr habe die Pandemie den Stellenwert von medizinischer Versorgung und Forschung gestärkt - in der Gesellschaft und bei den Studierenden. Die spürbaren Folgen des Trends: Im vergangenen Wintersemester zählte die PMU die höchste Zahl an Studienplatzbewerbern in ihrer Historie. "Zudem hat es diejenigen, die bereits studieren, in ihrer Studienwahl bestärkt", sagt Stienen. Vor allem in der Humanmedizin sei das zu spüren.

Wohin wird die Reise gehen, sobald die Pandemie vorüber ist?

Da derartige Prognosen stets schwierig seien, will Uni-Salzburg-Vizerektor Martin Weichbold lieber "eine Art Vision" formulieren: Der Soziologe ist sich sicher, dass die Pandemie die Gesellschaft im Allgemeinen und die Universitätswelt im Speziellen verändern wird. "Ich habe die Vision einer sehr viel flexibleren Uni, etwa bei der Mischung aus Online-, Präsenz- und Hybridlehrveranstaltungen." Gelänge dieses Plus an Flexibilität, wäre es auch viel simpler, das Studium mit Beruf, Familie oder anderen Verpflichtungen zu vereinbaren. "Vor allem in dem Bereich sollten wir ganz bewusst versuchen, gestärkt aus der Krise hervorzugehen. Und ich glaube, dass wir das schaffen."

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