Fort & Weiterbildung

Fortbildung als Schlüssel im Tourismus

Im Pinzgau arbeiten 27 Tourismusbetriebe zusammen, um ihr Personal zu schulen und neues zu gewinnen.

Camilla Schwabl vom Hotel Die Sonne und Der Jennerwein in Saalbach ist froh für Lehrling Hosein und für ihre Hotels: Hosein hat vor drei Jahren seine Kochlehre begonnen. Durch die Mitgliedschaft im Pinzgauer Fortbildungsverein "Work for us" konnte er während des Lockdowns seine Ausbildung fortsetzen. "Trotz Stillstand im Betrieb konnte Hosein sein praktisches Wissen erweitern und für die Kochabschlussprüfung im Juli viel mitnehmen", so Schwabl. Auch ließen sich Hosein und der Küchenchef in puncto Patisserie schulen. Schwabl: "Ihr neues Wissen kommt uns jetzt zugute, da wir die Patisseriestelle noch nicht besetzen konnten." In einem Kapruner Hotel schätzt man, dass durch die Fortbildungsmöglichkeiten die Mitarbeiterbindung spürbar wächst. "Bei uns haben sich schon einige Mitarbeiter aufgrund dessen von der Fachkraft bis zum Ressortleiter hochgearbeitet", freut sich Andreas Dertnig vom Alpenhaus Hotels & Resorts.

Gemeinsam besser vorankommen

Die beiden Hotels stehen exemplarisch für 27 Tourismusbetriebe aus dem Großraum Zell am See. Sie haben sich vor zwölf Jahren zusammengetan, um einen neuen Weg in puncto Mitarbeiterbindung und -findung zu gehen. Konkurrenz belebt zwar das Geschäft, doch die Unternehmerinnen und Unternehmer haben damals erkannt, dass sie gemeinsam besser vorankommen.

Voneinander lernen

Seither arbeiten die Betriebe immer wieder in gemeinsamen Fortbildungsprojekten für ihre Belegschaften zusammen. Der Nutzen liegt für die Pinzgauer auf der Hand: Gut ausgebildete Mitarbeiter, die während der Arbeitszeit in Kursen auch ihre Persönlichkeit weiterentwickeln können, sind zufriedener und motivierter für ihre Arbeit. Auch verbessert sich ihre Leistung, was wiederum den Betrieben zugutekommt. All diese Faktoren zielen darauf ab, die hohe Fluktuation zumindest für ihre Betriebe einzudämmen.

Externe Trainer/innen für Lehrlingskurse

"Im Tourismus zu arbeiten ist oft anstrengend und auch durch die saisonal ausgerichtete Arbeit gibt es viel Wechsel", beschreibt Karin König-Gassner. Die gelernte Köchin und Rezeptionistin leitet den Verein "Work for us". In dessen Weiterbildungsakademie können Lehrlinge, Fachkräfte und Führungskräfte ihre sozialen Kompetenzen schulen - freiwillig, in der Arbeitszeit. Hier lernen Jung und Alt voneinander, beispielsweise, wie man generationenübergreifend führt. Karin König-Gassner: "Viele ältere Führungskräfte haben einen unglaublichen Erfahrungsschatz, tun sich aber manchmal mit sehr jungen Mitarbeitern schwer, weil die aus einer ganz anderen Generation sind. Die jungen Führungskräfte bringen heute oftmals enorm viel Wissen aus ihrer Ausbildung oder aus ihrem Studium mit, haben aber keine Führungserfahrung." Um diese Herausforderung zu meistern, holen sich die Pinzgauer Hotels externe Trainerinnen und Trainer an Bord. In Lehrlingskursen werden Fragen wie diese beantwortet: Wie gehe ich mit Führungskräften um? Was ist meine Rolle? Wie ist der Umgang im Team? Im Mai setzten sich neue Lehrlinge mit dem Thema Zeitmanagement auseinander, um sich zeitlich besser zu organisieren. "Wenn einer immer gestresst seine Arbeit beginnt, kann ein früherer Bus zur Arbeit helfen", so die Geschäftsführerin von "Work for us". Warum schon so junges Personal an das Thema Zeit und Stress herangeführt wird, erklärt sie so: "Sie sind die Fachkräfte und Führungskräfte der Zukunft." Je mehr sie jetzt lernten, umso mehr soziale Kompetenzen würden sie später haben. Auch habe sich die Arbeit verändert. Wurde früher weniger Wert auf "weiche" Fähigkeiten gelegt, ist heute klar: Wo Mitarbeiterführung besonders wichtig ist, wird jemand ins Haus geholt, der das gut kann.

Tausch-Workshop der Küchenchefs

Mit ihrem Verein scheinen die Pinzgauer die richtige Richtung eingeschlagen zu haben. Viele haben den Wunsch nach persönlicher Entwicklung, nach Lernen und wollen ihr persönliches Netzwerk erweitern. Das zeigte kürzlich ein Küchenchef-Workshop. Jede Woche traf man sich in der Küche eines anderen, um sich auszutauschen: Wie richtest du an? Was bringt dir dein Kräutergarten? "Sie haben dieses gemeinsame Lernen als sehr bereichernd gesehen", so Karin König-Gassner.

Zusammenarbeit auch beim Personalwechsel

Gemeinsam gingen die Betriebe auch bei Personalwechsel vor. Auf einer Art informeller Jobplattform tauscht man gegenseitig Fachkräfte aus. Jobsuchende können sich weitervermitteln lassen. Aus der Coronanot geborene Ideen wirken weiter. In der Lehrlingsfortbildung während der Betriebsschließungen band man Bäcker und einen Metzger ein. Die Hotellehrlinge durften in deren Arbeit hineinschnuppern und umgekehrt deren Lehrlinge in die Hotellerie. Das will man beibehalten - um auch in Zukunft voneinander zu lernen.

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