Fort & Weiterbildung

Fernstudium - Ohne einen Schritt in den Hörsaal

Studieren - und dabei nicht anwesend sein: Warum Studierende und Fachhochschulen in diesem Konzept maximale Freiheit und Verbindlichkeit sehen.

Das Fernstudium lässt sich auf individuelle Lebenssituationen einstellen.  SN/tirachard - stock.adobe.com
Das Fernstudium lässt sich auf individuelle Lebenssituationen einstellen.

Eigenes Tempo, eigenes Pensum: Das genießen Sabine Zöchling (36) und Antonia Schwaiger (29). Die eine studiert im Osten, an der Ferdinand Porsche FernFH in Wiener Neustadt, die andere im Westen, am MCI Management Center Innsbruck. Beide sind sich einig, dass diese Art des Studierens ihnen Freiheit gibt - und Einsatzfreude und Selbstorganisation braucht. Selbst wenn sie kaum an ihren "Stamm-Fachhochschulen" erscheinen, bleibt der Lehrstoff zu bewältigen, bevor es an Prüfungen oder gar Abschlüsse geht.

Vorteile eines Fernstudiums

In Wiener Neustadt scheint gerade ein regelrechter Babyboom eingesetzt zu haben: "13 Studienkollegen allein in meinem Jahrgang sind Mama oder Papa geworden", erzählt Sabine Zöchling. Sie ist Mutter von zwei kleinen Kindern. Die FernFH erlaube es der Salzburgerin, sogar zwei Studienrichtungen zu absolvieren, Wirtschaftspsychologie und BWL. Das Bakkalaureat hat sie in der Tasche, der Master soll bald folgen. "Das Studium ermöglicht die Familie und die Familie ermöglicht das Studium", fasst sie die Vorteile für sich zusammen. Plus: Fahrten und Pendeln fallen weg. Die vielen Gruppenaufgaben und das Onlinelernen schätzt sie.

Wie die Tirolerin Antonia Schwaiger, mittlerweile lebt sie in Kärnten, auf ihr Fernstudium in Innsbruck gekommen ist? "Nach der Schule habe ich rasch entschieden, dass ich arbeiten gehen will. Doch der Wunsch nach einer höheren Ausbildung wurde immer größer." Sie hat den Studiengang Business Administration online gewählt. Die Vereinbarkeit des Studiums mit ihrem Job lobt sie sehr: "Während des Studiums muss ich oft auf Dienstreisen - ich war zwei Monate in Amerika und konnte es dennoch fortführen, das MCI ist mir entgegengekommen und hat mir Stress weggenommen." Sie sei sehr flexibel, wenngleich sie zwar zu gewissen Zeiten online sein müsse. Ohne Disziplin ginge das nicht.

Blended-Learning-Ansatz am MCI

Ein Onlinestudium am MCI unterscheidet sich von traditionellen Fernstudien, wie Rektor Andreas Altmann betont. "Unser Blended-Learning-Ansatz beruht auf einer Kombination exakt aufeinander abgestimmter Formen der inhaltlichen Vermittlung und persönlichen Interaktion, was den Studierenden sehr hohe Flexibilität hinsichtlich ihrer zeitlichen und räumlichen Planung ermöglicht und gleichzeitig einen ungleich nachhaltigeren Lernerfolg als traditionelle Fernstudien sichert." Das MCI bietet derzeit acht sogenannte Onlinestudiengänge an, wobei diese systematische Präsenzphasen vorsehen. Mittlerweile studierten bereits 15 Prozent der Studierenden in diesem Modell, so Altmann.

Keine erhöhten Kosten

Ein Blick an die FernFH nach Wiener Neustadt: 812 Frauen und Männer sind dort derzeit in einem von fünf Studiengängen. Und die Kosten? "Für die Studiengänge Bachelor und Master fallen pro Semester die üblichen 363,36 Euro Studiengebühren plus ÖH-Beitrag an. Der MBA ist eine Ausnahme", sagt Sprecherin Andrea Huttegger.

Zukunft des Studierens

Ob ein Fern- oder ein Onlinestudium im Trend sei? "Junge Menschen kommunizieren über soziale Plattformen, kaufen im Internet ein, erledigen ihre Geldgeschäfte über E-Banking, und sogar Maschinen kommunizieren miteinander. Soll dann Bildung weiterhin unverändert vermittelt werden wie vor hundert Jahren?", fragt MCI-Rektor Altmann. In dieselbe Kerbe schlägt man in Wiener Neustadt: "Wir sind überzeugt, so sieht die Zukunft des Studierens aus. Die Studierenden suchen immer öfter nach Angeboten, die sich auf ihre individuellen Lebenssituationen und Bedürfnisse einstellen", erklärt Huttegger.

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