Fort & Weiterbildung

Die neue digitale Präsenz

Die Coronakrise zwang die heimischen Fachhochschulen, auf E-Learning umzusteigen. Aber wie wird es nach der Krise weitergehen? Könnte das Digitale die Präsenzlehre gar auf Dauer ersetzen?

Heimische Hochschulen mussten auf Distanzlehre umsteigen. SN/pexels
Heimische Hochschulen mussten auf Distanzlehre umsteigen.

Roland Palli hatte eigentlich den idealen Alltagsrhythmus gefunden. Nahezu im Tagestakt pendelte der Betriebswirtschaftsstudent von der Stadt Salzburg nach Puch an die dortige Fachhochschule. "Ich war freilich für die Lehrveranstaltungen dort, aber ebenso für Gruppenarbeiten oder um meine Mitstudenten zu treffen." Vor einigen Wochen musste sich aber auch der 24-Jährige komplett umstellen. "Alle Lehrveranstaltungen finden mittlerweile online statt. Und es funktioniert ganz gut. Dennoch fehlt mir der direkte Kontakt."

Seit dem Ausbruch der Coronakrise ist an den österreichischen Hochschulen alles anders. Und das wird sich in naher Zukunft nicht ändern: Zumindest bis Ende des Semesters wird es keine Präsenzlehrveranstaltungen geben. Die Folge ist ein radikaler Schwenk auf Fernlehre. Doch wie gehen die Fachhochschulen mit den neuen Anforderungen um? Und was wird von der sogenannten Onlinepräsenz nach Corona bleiben?

Eine FH, die die E-Learning-Herausforderungen offenbar besonders gut meistert, ist die Fachhochschule Burgenland. Bei einer österreichweiten Studierendenumfrage der App Studo zur Distanzlehre wurde die FH auf Platz eins gereiht. "Natürlich hatten wir einen gewissen Startvorteil", schildert Rektor Gernot Hanreich. Bereits vor Corona seien Lehrveranstaltungen zu einem Drittel bis zu 50 Prozent digital abgehalten worden. Man habe aber auch sehr rasch reagiert: Binnen 48 Stunden habe man den kompletten Lehrbetrieb umgestellt. "Uns war wichtig, die Phase der Unsicherheit sehr knapp zu halten."

Eine Hochschule, die noch mehr Vorerfahrung mit Distanzlehre hat, ist die Ferdinand Porsche FernFH. Doch selbst die FernFH musste sich in der Coronakrise anpassen. Drei Mal pro Semester würden sich die Studierenden normalerweise am Standort in Wiener Neustadt treffen, schildert Kollegiumsleiter Martin Staudinger. Jene Präsenztage, die dieses Semester noch geplant gewesen wären, würden nun ausfallen. Stattdessen setze man auf Onlineangebote ebenso wie analoge Studienhefte. Und das nach Möglichkeit asynchron, also zeitlich flexibel. "Unser Konzept soll vor allem dafür stehen, dass Studenten nicht zu einer gewissen Zeit irgendwo sein müssen." Die Entscheidung, das Semester nur auf Distanz zu Ende zu bringen, sei an der FernFH bereits am 10. März gefallen - also drei Tage bevor die Regierung die ersten Coronamaßnahmen verkündete. "Es gab erste Anzeichen. Und sobald die Mitteilung des Bildungsministeriums kam, war bei uns alles schon erledigt."

Onlinepräsenz auch nach der Krise?

Auch die FH Salzburg habe rasch auf Distanzlehre umgestellt, schildert Rektor Gerhard Blechinger. Dabei sei es elementar gewesen, die Studenten in den Prozess einzubinden. "Wir waren mit der ÖH in sehr engem Austausch und haben Anregungen erhalten, die wir dann umgesetzt haben." Aber was ist mit den Lehrenden? Wie leicht fiel es diesen, sich umzustellen? Blechinger habe in persönlichen Gesprächen "geradezu eine Aufbruchstimmung" gespürt. "Diese hätte man zu normalen Zeiten wohl nicht herstellen können." Auch FH-Burgenland-Rektor Hanreich ortet eine ähnliche Dynamik: Man könne das Ganze als einen riesigen Feldversuch sehen. "Wir bauen Kompetenz auf - und können diese dann eventuell weiterziehen."

Aber was wird von der Onlinepräsenz wirklich für die Zeit nach der Coronakrise erhalten bleiben? Es werde sicher nicht mehr alles so sein, wie es früher war, sagt Hanreich. Der Rektor der FH Burgenland hat schon konkrete Ideen. "Wir könnten die Lehre etwa ein Wochenende pro Monat rein digital abhalten. Oder wir können Studenten in virtuellen Laboren mit Simulationen arbeiten lassen - bevor sie dann in echten Laboren weiter experimentieren." Ein kompletter Schwenk auf Fernlehre sei aber nicht wahrscheinlich. Durch die Krise habe man erst recht gesehen, "wie wertvoll soziale Interaktion ist". Die Zukunft liege weiter im Blended Learning, also der Mischung aus Digitalem und Präsenz.

FH Salzburg soll wieder zum Begegnungsort werden

FH-Salzburg-Rektor Blechinger ist ähnlicher Ansicht. Es gebe zwar einige, die davon träumen, dass die Hochschulen nach der Krise nur noch online lehren und so sparen könnten. Die FH Salzburg werde aber auch in Zukunft eine Präsenzhochschule bleiben. "Wir werden uns massiv dagegen wehren, wenn jemand die Krise missbrauchen will, um unser 25-jähriges Erfolgskonzept infrage zu stellen." Selbst FernFH-Kollegiumsleiter Staudinger hält den sozialen Kontakt für einen wesentlichen Teil des Lernprozesses. Er ergänzt aber, dass es durchaus möglich sei, ein Studium rein online zu führen. Die Fernlehre habe etwa den Vorteil, dass sich die Studierenden ihr Tempo selbst vorgeben können. Dazu würden sich die Studenten viel Zeit sparen - allein schon durch den Wegfall von An- und Abreise.

E-Learning könne dennoch nicht zu 100 Prozent das abdecken, was Präsenzlehre bieten kann, sagt FH-Salzburg-Rektor Blechinger. "Die eigentliche Qualität findet im Seminarraum statt." In diesem könne man besser individuell auf die Studenten eingehen und es gebe es eine Gruppendynamik, die Diskussionen besonders fördere. Ferner sei die FH ein Begegnungsort für junge Menschen, die dort soziale Fähigkeiten schulen und ein Netzwerk bilden könnten, ergänzt Blechinger. "Man darf die Hochschule nicht als Ort der puren Faktenvermittlung missverstehen."

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