Fort & Weiterbildung

Die Krise als Chance zum Lernen

Die Coronapandemie macht auch vor der Aus- und Weiterbildung nicht halt. Einrichtungen zählen meist weniger Kurse und Teilnehmer, sie entwickeln aber auch neue Angebote.

Eine neue Situation für Menschen, die eine Aus- oder Weiterbildung machen: Statt Präsenztermine zu besuchen, können sie während der Coronapandemie nur von daheim aus lernen, wenn ihr Kurs nicht sogar ausfallen muss. SN/Roman Tyukin - stock.adobe.com
Eine neue Situation für Menschen, die eine Aus- oder Weiterbildung machen: Statt Präsenztermine zu besuchen, können sie während der Coronapandemie nur von daheim aus lernen, wenn ihr Kurs nicht sogar ausfallen muss.

Für die Salzburger Bildungseinrichtung und ihre Teilnehmer war 2020 ein schwieriges Jahr. Zwei Lockdowns schränkten die Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten ein. Die Türen blieben geschlossen, Kurse mussten entfallen oder konnten unter Umständen nur online angeboten werden. Rund 30.000 Teilnehmer pro Jahr zählt das WIFI im Durchschnitt. Bis Ende November waren es zirka 26.600. "Wir sind natürlich mit den Teilnehmerzahlen hinten", sagt Institutsleiterin Renate Woerle-Vélez Pardo. Nach der sechswöchigen Schließung im März und April waren ab Mai erst einmal nur beruflich erforderliche Kurse möglich, also etwa Vorbereitungskurse für den Lehrabschluss oder die Meisterprüfung. Gleiches galt für den Lockdown im Herbst.

"Derzeit läuft viel online, zirka 70 Prozent der Termine, oder die Kurse wurden verschoben", informiert Woerle-Vélez Pardo. Eine Wissensvermittlung online ist etwa in den Bereichen Buchhaltung, Personalverrechnung, Human Resources, Management, Rhetorik oder Coaching möglich. Auch Sprachkurse lassen sich von daheim aus absolvieren, wobei das WIFI den Schwerpunkt auf Deutschkurse gelegt hat, die beruflich notwendig sind. Nur wenn für die Aus- oder Weiterbildung dringend Werkstätten benötigt werden, finden Kurse im WIFI statt.

"2020 gab es definitiv einen Zuwachs in allen Bereichen, die mit Mitarbeiterführung und Unternehmertraining zu tun haben", weiß Woerle-Pérez Pardo. Gefragt waren auch soziale Berufsausbildungen, wie etwa zum Fußpfleger, die Lehrlingsakademie, Angebote in Umwelt- und Gebäudetechnik sowie IT-, Technik- und Buchhalterkurse. Viele Fachkräfte interessierten sich darüber hinaus für die Weiterbildung zum zertifizierten Photovoltaikplaner und -zeichner. "Außerdem ist der Tourismus bei uns ein großer Schwerpunkt", teilt die Institutsleiterin mit. Gerade jetzt, wo Gasthäuser, Hotels etc. geschlossen seien, würden viele Mitarbeiter die Zeit nutzen, um sich etwa zum Wein-, Käse- oder Fleischsommelier oder zum Diplom-Barkeeper weiterzubilden.

"Wir hatten einen sehr hohen Zuspruch im Bereich Coaching, Systemisches Coaching und Management", berichtet BFI-Geschäftsführer Herbert Gimpl. Gut gebucht war auch die Lehrabschlussvorbereitung für Seilbahntechniker - vor allem von Mitarbeitern großer Skigebiete, die aus anderen Berufen kommen und sich durch den Lehrabschluss bessere Optionen für die berufliche Entwicklung versprechen. Gefragt waren weiters die Angebote der Designakademie und Kurse im Gesundheits- und Pflegebereich, wie Labor-, Röntgen- und Pflegeassistent oder Seniorenbegleiter. "Diese Angebote werden gebraucht mit Blick auf die Demografie", betont Gimpl. Erstmals wurden zudem Präventionstechniken gegen Burn-out und Stress gelehrt.

Biorhythmus im Fokus

Auf die coronabedingte Veränderung der Arbeitssituation mit Homeoffice und zunehmender Digitalisierung - für Gimpl eine nachhaltige Veränderung - reagiert das BFI mit neuen Angeboten. In Webinaren zum Thema Biorhythmus sollen die Teilnehmer lernen, wie sie ihren Tag sinnvoll und gesund rhythmisieren, wenn sie daheim arbeiten, statt zur Arbeitsstelle zu fahren. Wer von daheim aus arbeitet, läuft schließlich Gefahr, jederzeit erreichbar zu sein.

"Eine Krise ist auch immer eine Chance zur persönlichen Veränderung. Oft ist sie der Anlass für den entscheidenden Schritt, etwas Neues zu tun", sagt Gimpl. "Wir haben in der zweiten Jahreshälfte mehr Buchungen in der Ausbildung wahrgenommen. Das sind in der Regel Umsteiger." Diese Tendenz werde sich bis Mitte 2021 fortsetzen, glaubt der BFI-Geschäftsführer. Pandemisch bedingt sei ein hoher Bedarf da. Der Trend schlägt sich in den Teilnehmerzahlen von 2020 nieder. Bis Anfang Dezember hatten rund 16.000 Menschen eine Aus- und Weiterbildung beim BFI gebucht. Im Vergleich zu 2019 rechnet Gimpl 2020 mit einer Steigerung der Teilnehmer um zwölf bis 15 Prozent.

„Hinsetzen und lernen, die Motivation kommt dadurch wie von selbst.“
Karin Reitzl, Einzelhandelskauffrau

Eine der Teilnehmerinnen ist Karin Reitzl. Die 38-Jährige macht auf dem zweiten Bildungsweg eine Zusatzausbildung zur E-Commerce-Kauffrau. Es ist nicht ihre erste Weiterbildungsmaßnahme. Als Jugendliche absolvierte Reitzl zwar eine Lehre zur Einzelhandelskauffrau, zur Lehrabschlussprüfung trat sie aber nicht an. Es folgten einige berufliche Stationen, der fehlende Lehrabschluss war jedoch all die Jahre ein Thema - wenn da nicht die Prüfungsangst gewesen wäre. 2017 nahm Reitzl ihren Mut zusammen und holte den Lehrabschluss im Beruf Einzelhandelskauffrau Textil nach und das sogar mit Auszeichnung. Und die Prüfungsangst? "Die ist jetzt weg", freut sich Reitzl.

Ihre letzte Stelle verlor die Frau aus Radstadt, weil der Betrieb mit den wirtschaftlichen Folgen der Coronapandemie zu kämpfen hatte. Reitzl nutzt die Zeit für die Zusatzausbildung. Davon verspricht sie sich neue berufliche Chancen, gerade auch weil der Handel aufgrund der Pandemie viel auf online umgestellt hat. Drei Mal die Woche finden abends Kurse in Form von Distance Learning statt. Zwar spart sich Reitzl dadurch die Fahrt zum BFI nach Salzburg, doch sie findet, dass durch die Onlinelösung viel mehr Selbststudium nötig ist. Motivationsprobleme hat sie dennoch keine. Die Kurskosten zahlt sie aus eigener Tasche, somit kann sie selbst entscheiden, wann sie sich fit genug fühlt, zur Prüfung anzutreten. Im Juni 2021 soll es so weit sein.

Technisch schlecht ausgerüstet

Nicht jeder ist in der Lage, wie Reitzl an einer Onlineweiterbildung teilzunehmen, das weiß AMS-Landesgeschäftsführerin Jacqueline Beyer aus der Erfahrung mit ihren Kunden. Nicht alle von ihnen hätten die nötige technische Ausstattung daheim oder seien affin mit den neuen Medien. Folglich gab es 2020 bis Mitte Dezember ein Minus von 16,8 Prozent (1061 Personen) bei den Schulungsteilnehmern.

Schwerpunkte des AMS sind die Aus- und Weiterbildung sowie eine Fachkräfteoffensive. Oberstes Ziel ist es laut Beyer, dass die AMS-Kunden über den zweiten Bildungsweg einen Lehrabschluss machen. "Schließlich hat Corona den Fachkräftemangel nicht gestoppt. Die Zeit der Krise sollte man nutzen, um sich weiterzubilden oder sich zur Fachkraft ausbilden zu lassen", appelliert Beyer. Gemeinsam mit dem AMS wird abgeklärt, welche Wünsche und Kompetenzen ein Jobsuchender hat und welche Kräfte der Arbeitsmarkt benötigt. Darauf basiert dann die Entscheidung, ob eine Aus- oder Weiterbildung sinnvoll ist oder ein Lehrabschluss. Im Budget für 2021 stehen dem AMS für dieses Beratungs- und Betreuungsangebot Mittel für 13.000 Menschen zur Verfügung.

Die Volkshochschule in Salzburg hat normalerweise einen Jahresumsatz von rund 5,5 Millionen Euro und verbucht zirka 43.000 Teilnahmen. "Corona hat uns bis Ende November zwei Millionen Euro gekostet", berichtet die Geschäftsführende Direktorin Nicole Slupetzky. Bei den Buchungszahlen gab es einen Einbruch.

Nach dem Lockdown im Frühling startete die VHS wieder mit Kursen im beruflichen Bereich, darunter AMS-Maßnahmen, Pflichtschulabschluss, Deutschprüfungen und die Basisausbildung in Schreiben, Lesen und Rechnen. Darüber hinaus ist laut Slupetzky eine große Digitalisierung passiert und 250 Kurse, gut zehn Prozent des regulären Angebots, wurden online angeboten - und auch gut angenommen. Die Teilnehmer konnten auf diese Weise daheim zum Beispiel Yoga machen, kochen und Sprachen lernen oder sich kreativ weiterbilden.

Kursprogramm nur mehr online

Im Sommerprogramm gab es sowohl Outdoor- als auch Indoor-Kurse, dann natürlich mit entsprechenden Schutzmaßnahmen. Das Herbst-Winter-Programm umfasst erneut 300-Onlinekurse. "Für 2021 können wir noch nicht planen", bedauert Nicole Slupetzky. Die VHS sei jedoch durch die Coronakrise flexibler geworden, wodurch kurzfristige Angebote ins Programm aufgenommen werden könnten. In Folge wird es kein gedrucktes Programm mehr geben. Interessierte können sich online über die Kurs-Vielfalt informieren oder sich telefonisch beraten lassen.

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