Fort & Weiterbildung

Bildung in der Schule - Die Schule von heute und der Zukunft

Im SN-Interview spricht Heidi Schrodt über die Bildung in der Schule von heute, die Rolle der Eltern, neue Medien und die Schule der Zukunft.

Welche Voraussetzungen müssen geschaffen sein, damit Kinder optimal lernen können? SN/ratzer
Welche Voraussetzungen müssen geschaffen sein, damit Kinder optimal lernen können?

Über richtiges Lehren und Lernen scheiden sich die Geister. Ergibt eine "Gesamtschule für alle" Sinn? Und was wird in der Schule der Zukunft wichtig werden? Ein Gespräch mit der früheren AHS-Direktorin Heidi Schrodt über das Thema Bildung an Schulen von heute.

Laut einer neuen Studie lernen Schüler in der ersten Reihe im Klassenzimmer besser als in der letzten Reihe. Welche Lehren sollte man daraus ziehen? Heidi Schrodt: Eine Sitzordnung in Frontalanordnung sollte heute ohnehin nicht die Regel sein. Es gibt durchaus Unterrichtsinhalte, die man am besten im Frontalunterricht vermittelt, Faktenwissen zum Beispiel. Aber diese Sitzordnung sollte nur eine von mehreren sein, wie etwa Tischgruppen oder ein Halbkreis.

Wie viel Freiraum sollte Kindern beim Lernen gegeben werden? Das hängt vom Alter und von den Voraussetzungen der Schüler/-innen ab - zum Beispiel, ob Schüler/-innen es von klein auf gewohnt sind, sich Unterrichtsinhalte selbstständig anzueignen. Kinder, die aus sozial schwierigen Familien kommen, brauchen sehr klare Strukturen, wie man aus neueren Studien weiß. Sie sind mit offenen Lernformen oft überfordert. Darauf müssten Lehrkräfte Rücksicht nehmen.

Wie können Lehrkräfte mit diesen unterschiedlichen Anforderungsprofilen zurecht- kommen? Gute Lehrkräfte wissen, welche Lernformen in welchem Kontext und für welche Kinder am besten geeignet sind. Je schwieriger die Herausforderungen in einer Klasse sind, desto mehr Personal sollte außerdem zusätzlich zur Verfügung stehen.

Was sind die drei wichtigsten Kompetenzen, die Kinder in der Schule erlernen sollen? Da geht es vor allem um die Fähigkeit zum selbstständigen Lernen. Dabei darf die Freude und Neugier nicht zu kurz kommen. Und natürlich sind sowohl Sozialkompetenz als auch die interkulturelle Kompetenz wichtige Eckpfeiler.

Was halten Sie von dem Vorschlag der "Gesamtschule für alle"? Welchen Effekt würden solche Schulen auf den Lernprozess haben? Da nachweislich die frühe Trennung Kinder aus sozial benachteiligten Familien zurücklässt, befürworte ich die gemeinsame Schule. Sie ist fast überall die Regel. Allerdings sagt eine gemeinsam organisierte Schule noch gar nichts über die Qualität aus. Es gibt gute und schlechte Gesamtschulsysteme. Daher kommt es darauf an, wie der Unterricht aussieht; die Qualität des Unterrichts ist entscheidend.

Welche Grundvoraussetzungen müssen geschaffen sein, damit Lehre optimal funktionieren kann? An erster Stelle steht die Qualität des Unterrichts. Wir brauchen bestausgebildete Lehrer/-innen, die in der Lage sind, individualisierten Unterricht zu gestalten. Das wird umso wichtiger, je heterogener die Lerngruppen sind. Lernrückstände müssen ausgeglichen werden können. Der Lernfortschritt wird regelmäßig erhoben. All das gehört heute zu den Kernkompetenzen einer Lehrkraft, zusätzlich zum fachlichen Wissen. Besonders wichtig ist auch, dass die Voraussetzungen zum Lernen gegeben sind, Ruhe zum Beispiel. Daher ist auch Disziplin eine wichtige Kategorie.

An welchen Stellen sollten neue Medien sinnvoll ins Spiel kommen? Sogenannte neue Medien sollten ganz selbstverständlich zum Einsatz kommen - immer dann, wenn es methodisch-didaktisch sinnvoll ist. Mobiltelefone hingegen haben im Unterricht nichts verloren, es sei denn, sie werden ganz gezielt eingesetzt, zum Beispiel zum Übersetzen in die Muttersprache der jeweiligen Schüler/-innen oder im Zweit- und Fremdsprachunterricht. Dann muss genau definiert werden, wann und wie lange Mobiltelefone verwendet werden können.

Welche neuen Medien eignen sich derzeit am besten für den Einsatz im Unterricht? Der Einsatz von Tablets steht ganz hoch oben.

Wie werden Eltern am besten in das Lernen der Kinder miteinbezogen? Die Eltern in die Schule einzubeziehen ist ganz wichtig. Allerdings halte ich nicht viel davon, die Eltern "in die Pflicht zu nehmen", wie es hierzulande heißt. Besser wäre es, die Eltern ins Boot zu holen. Besonders bei bildungsfernen, sozial benachteiligten Familien muss damit schon früh genug begonnen werden. Es ist wichtig, aber nicht selbstverständlich, dass die Eltern Interesse am Lernen ihrer Kinder haben. Allerdings darf das nicht bedeuten, dass Eltern mit ihren Kindern lernen müssen, damit der Unterrichtsertrag gesichert ist. Das ist Aufgabe der Schule. Was Schüler/-innen in der Schule nicht verstanden haben, muss in der Schule nochmals erklärt und nicht daheim nachgeholt werden. Jetzt sind die Eltern meist die Nachhilfelehrer/-innen der Nation. Das muss sich ändern.

Manche plädieren dafür, das Daheimlernen abzuschaffen. Was halten Sie davon? Besonders in den höheren Schulstufen ist diese Forderung unrealistisch. Aber je jünger die Kinder sind, desto weniger sollten sie daheim lernen müssen. Hätten wir durchgehend verschränkte Ganztagsschulen, könnten wir in der Volksschule völlig auf das Lernen daheim verzichten.

Wie kann die Schule der Zukunft aussehen? Wir können heute weniger denn je Prognosen über die Zukunft machen. Sie wird jedenfalls mit der Schule, wie wir sie heute kennen, nicht viel zu tun haben.

Aufgerufen am 20.03.2019 um 02:39 auf https://karriere.sn.at/karriere-ratgeber/fort-weiterbildung/bildung-in-der-schule-die-schule-von-heute-und-der-zukunft-66088939

Schlagzeilen