Bewerbungsprozess

Wie wirken Auslandsaufenthalte im Lebenslauf?

Reisen im Lebenslauf. Auslandsaufenthalte können vorteilhaft wirken - oder auch nicht. Welchen Eindruck macht ein mehrmonatiger Auslandsaufenthalt, ein Praktikum oder das Engagement in einem sozialen Projekt im Ausland auf den Arbeitgeber?

Viele zieht es auf Reisen in die weite Welt. In einigen Fällen lässt sich damit sogar beim künftigen Arbeitgeber punkten.  SN/istocklittlehenrabi
Viele zieht es auf Reisen in die weite Welt. In einigen Fällen lässt sich damit sogar beim künftigen Arbeitgeber punkten.

Was früher noch als Option galt, sollte man im Lotto gewinnen, ist heutzutage durchaus üblich: lange Reisen in entfernte Gebiete der Weltkugel. Doch wie wirken sich Reisen auf den Lebenslauf aus und welchen Eindruck vermitteln sie potenziellen Arbeitgebern? "Grundsätzlich ist es heute keine Überraschung mehr, wenn eine mehrmonatige Reise Teil der bisherigen Erfahrungen war", erklärt Personalberater Philipp Schmölzer von Iro&Partners.

Eine Reise sei immer dann anzuführen, wenn sich sonst eine Lücke im Lebenslauf ergebe - und wenn sie für die Person eine gewisse Relevanz aufweise. "Reisen vermitteln den Eindruck einer interessierten, offenen und wissbegierigen Person", sagt Schmölzer. Sinnvoll sei insbesondere anzuführen, aus welcher Motivation heraus man unterwegs gewesen sei. "Das kann das Interesse an der Kultur und Landschaft eines Landes gewesen sein oder die Möglichkeit, sich dort weiterzubilden." Auch wenn ein Tauchschein oder Ähnliches nicht eine für den eigentlichen Beruf relevante Weiterbildung darstelle, zeuge dies doch vom Facettenreichtum einer Person. Details wie beispielsweise, dass es sich um eine Kultur-Gruppenreise gehandelt habe, seien ebenfalls interessant.

Sollen Reisen im Lebenslauf angeführt werden?

Unterschiedliche Destinationen seien, wenn überhaupt, nur grob anzuführen. "Allgemein kann man sagen, dass sich Reisen dann positiv auf den Lebenslauf auswirken, wenn man etwas dabei gelernt hat." Das Motiv der Selbstfindung allerdings sei im Lebenslauf zu unterlassen, "das macht meist keinen guten Eindruck." Als Lückenfüller werden Reisen vom Arbeitgeber dann bewertet, wenn die Zeit, in der man sich in Ausbildung befand oder gearbeitet hat, nicht im Verhältnis zur Reisezeit stehe. "Wenn ein 35- oder 40-Jähriger zwei mehrmonatige Reisen im Lebenslauf stehen hat, ist das heutzutage nicht unüblich. Wenn allerdings ein 25-Jähriger bereits fünf längere Reisen hinter sich und im Vergleich dazu kaum Arbeitserfahrung gesammelt hat, wirkt das nicht vorteilhaft."

In keiner Branche sei es erwünscht, dass im Lebenslauf große Lücken durch das Reisen entstehen. Ganz klar abzugrenzen seien dabei Arbeitserfahrungen im Ausland. "Ob Praktikum, Engagement bei einem sozialen Projekt oder ,Work and Travel' - das wirkt positiv und zeigt die Kompetenzen des Bewerbers, sich auch im Ausland beruflich zurechtzufinden."

Reisen machen sich dann im Lebenslauf gut, wenn man etwas dabei gelernt hat. SN/unsplash
Reisen machen sich dann im Lebenslauf gut, wenn man etwas dabei gelernt hat.

Können Auslandsaufenthalte die Lücken im Lebenslauf füllen?

Zwar sei eine Reise im Lebenslauf immer positiver zu bewerten als eine untätige Zeit zu Hause. Davon jedoch, Auslandsaufenthalte zu erfinden, um Lücken zu vertuschen, rät Schmölzer dringend ab. "Lügen im Lebenslauf sind nicht zu empfehlen.Reisen sind häufig ein Thema beim Bewerbungsgespräch. Wenn der Bewerber dann ins Stottern gerät, sobald es um die vermeintliche Reise geht, offenbart sich die Wahrheit recht schnell - und das Vertrauen in den Bewerber hat einen deutlichen Knick erlebt."

Wie der Lebenslauf inklusive Reisen beim Arbeitgeber ankommt, hänge auch stark von der Branche ab. "Im Tourismus-, Sport- und Freizeitbereich sowie bei international agierenden Unternehmen sind Reisen gern gesehen. Hier spielen die Erfahrungen und Kompetenzen, die man unterwegs gesammelt hat, eine große Rolle." Bei einer Bewerbung beim Rechtsanwalt oder Banker wiederum sei ein hohes Maß an Reisen im Lebenslauf möglicherweise nachteilig. "Aber auch in diesen eher konservativen Branchen haben sich die Ansichten mit den vergangenen Jahren und Jahrzehnten verändert. Hier kann sich eine Reise positiv im Lebenslauf auswirken, wenn entsprechend angeführt wird, aus welchem persönlichen Interesse heraus sie angetreten wurde. Eine Asienreise, weil man ein besonderes Faible für die asiatische Kultur hegt, zeugt von der Wissbegierigkeit des Bewerbers."

Im Endeffekt gehe der Arbeitgeber bei einer längeren Reise davon aus, dass im Zuge dieser ein hohes Maß an Planungs- und Organisationsaufwand vonnöten gewesen sei. Das zeige wiederum die Kompetenzen des Bewerbers - und dessen Bereitschaft, seinen eigenen Horizont zu erweitern.

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Aufgerufen am 17.02.2020 um 05:59 auf https://karriere.sn.at/karriere-ratgeber/bewerbungsprozess/wie-wirken-auslandsaufenthalte-im-lebenslauf-82927393

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