Bewerbungsprozess

Wie Jungakademiker beim Bewerbungsgespräch punkten

Das Studium in der Tasche, aber der Jobeinstieg klappt nicht? Intensivere Vorbereitung erhöht die Chancen auf ein erfolgreiches Jobgespräch.

Vom Hörsaal in die Arbeitswelt zu wechseln ist nicht immer einfach.  SN/shutterstock/gorodenkoff
Vom Hörsaal in die Arbeitswelt zu wechseln ist nicht immer einfach.

Höchstens eine Stunde lang bereiten zwei von drei Jungakademikern ein Bewerbungsgespräch vor. Das zeigte eine österreichweite Marketagent-Umfrage unter 500 22- bis 34-Jährigen, die ein Studium abgeschlossen haben oder dies im nächsten halben Jahr tun werden. So wenig Vorbereitung reiche für erfolgreiche Bewerbungsgespräche nicht aus, warnt Florian Märzendorfer, Geschäftsführer von fip-s.at. Das 2016 gegründete Linzer Unternehmen berät junge Akademiker in Karriere- und Finanzfragen und hat die Umfrage in Auftrag gegeben. "Vor allem die Gehaltsverhandlung, unangenehme Fragen und die unbekannte Erwartungshaltung des potenziellen Arbeitgebers sorgen für Unbehagen bei den Jungakademikern", zitiert Märzendorfer aus der Umfrage.

Die bescheinigt jungen Akademikern ein hohes Karrierebewusstsein. Für 78 Prozent hat es einen sehr wichtigen oder eher wichtigen Stellenwert, die eigene Karriere zu entwickeln. Das schlägt sich auch in der Motivation zum Studium nieder. Ganz oben auf der Liste der Einflussfaktoren stehen Wissensdurst, Interesse am Studiengebiet, erwartete (bessere) Karrieremöglichkeiten und die künftige Gehaltsentwicklung. Wenn es darum geht, nach Universität oder Fachhochschule einen Job zu bekommen, geben sich Österreichs Jungakademiker selbstbewusst. Rund zwei Drittel fühlen sich für die Bewerbungsphase sehr gut oder gut vorbereitet. Bei einer Umfrage im Vorjahr waren es erst knapp die Hälfte der Befragten gewesen. Dieses Selbstbewusstsein dürfte ein Grund dafür sein, warum viele sich nur so kurz Zeit für die Vorbereitung ihrer Bewerbungsgespräche nehmen.

Generell sei Jungakademikern wenig bewusst, wie sie ihre eigene Karriere mitgestalten könnten, meinen die Studienauftraggeber. "Welche Möglichkeiten sie haben, ihre eigene Karriere aktiv zu planen, wissen nur wenige", so Märzendorfer.

Keine Berufserfahrung? Kein Problem

Jobtipps können sich junge Leute auf verschiedenen Internetplattformen wie
karriere.sn.at holen. Auf Jungakademiker zugeschnittene Video-Tipps bietet Florian Märzendorfer mit zwei Kollegen auf www.fip-s.at an. Eine klassische Einstiegshürde ist die von den meisten Unternehmen erwartete Berufserfahrung. Was also tun, wenn man diese noch nicht hat? Der 36-jährige Unternehmer hat das selbst auch erlebt und rät diesbezüglich, Stellenangebote gedanklich in Kategorien einzuteilen: "Ein bis zwei Jahre Berufserfahrung sind irrelevant. Das schreibt jeder Arbeitgeber rein, das geht ja nicht. Wenn das in einer Stellenanzeige steht, bewerbe ich mich ohne nachzudenken." Sind drei bis fünf Jahre gefordert, muss man schon sehr gut für den Job passen. Ein Anruf beim Unternehmen kann klären, ob auch Bewerber mit weniger Berufsjahren interessant sind, wenn sie bestimmte Fähigkeiten haben, die für den Job wichtig sind. Wer zusätzlich darauf hinweist, dass er ein schneller Lerner ist und so wettmachen kann, was ihm an Erfahrung fehlt, kann weitere Punkte sammeln.
Um sich von der Masse junger Talente abzuheben und überhaupt zum Gespräch eingeladen zu werden, zählen passende, gute Unterlagen. Für Bewerbungsschreiben wie Lebenslauf gilt: Jeder Satz muss sich den Platz auf der Seite verdient haben. Sinnlose Informationen sind fehl am Platz. Märzendorfer: "Ich muss mit meinen Unterlagen beweisen, durch welche Fähigkeiten ich für das Unternehmen relevant bin. Studien besagen, dass sich Personaler Bewerbungsschreiben im Durchschnitt 15 Sekunden anschauen. Ihre Aufmerksamkeit zu bekommen muss mein Ziel sein." Als Person bleibe man beispielsweise mit dem Satz hängen: "Es gibt drei Gründe, warum ich perfekt für die Position bin."

Selten bedacht: Lebenslauf anpassen

Welche Eigenschaften oder Fähigkeiten ein Bewerber haben sollte, kann eine vorherige Onlinerecherche auf der Firmenwebsite oder ein Anruf klarstellen. Auch der Lebenslauf sollte nicht immer gleich, sondern auf die konkrete Stelle abgestimmt sein. Es lohnt sich, sich vorher zu fragen: Habe ich bestimmte Erfahrungen aus dem Studium, aus Projekten, aus Praktika, die mich für den Job qualifizieren?

Netzwerken auf Karrieremessen

Sind die Unterlagen gut und ist das Gespräch gut gelaufen, gilt es, die Frage nach dem Wunschgehalt realistisch zu beantworten. Orientierung bieten Gehaltsrechner und Gespräche mit ehemaligen Studienkollegen. Etwas höher anzusetzen ist dann in Ordnung. Ist die erste Stelle nicht gleich der Traumjob, rät Märzendorfer: "Nicht gleich kündigen. Die ersten ein, zwei Jobs können auch einfach eine Lernphase sein." In jedem Fall sollten Jungakademiker Karrieremessen besuchen (wie beispielsweise das SN-Karriereforum)siehe, um verschiedene Unternehmen kennenzulernen und die Kontakte etwa bei Xing hinzuzufügen. In Kontakt bleiben heißt es auch mit ehemaligen Studienkollegen. Die zieht es in der Regel in alle Welt, da entsteht ein gutes Netzwerk.

Quelle: SN

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