Bewerbungsprozess

Vorbereitung auf das Bewerbungsgespräch: Wer bekommt den Job?

Wenn junge Akademikerinnen und Akademiker zu einem Bewerbungsgespräch gehen, haben sich nur zehn Prozent von ihnen mehr als drei Stunden darauf vorbereitet. Reicht das?

In der Pandemie gingen viele Jobs verloren. Wer sich von anderen abhebt, hat bessere Chancen auf seinen Wunschjob. SN/ty - stock.adobe.com
In der Pandemie gingen viele Jobs verloren. Wer sich von anderen abhebt, hat bessere Chancen auf seinen Wunschjob.

Zu kurz ist die Zeit, die sich junge Akademikerinnen und Akademiker für die Vorbereitung von Bewerbungs- und Gehaltsgesprächen nehmen. Zu diesem Schluss kommt Florian Märzendorfer, Geschäftsführer des Linzer Fintech-Unternehmens FiP.S. für Karriere und Finanzplanung, angesichts einer aktuellen Umfrage. Darin ließ FiP.S 500 Studierende und junge Akademikerinnen und Akademiker von 22 bis 34 Jahren über den Stellenwert von Bewerbung, Gehaltsgespräch, Studienwahl und Selbstständigkeit für ihre Karriere befragen. Angesichts der Coronapandemie hat die persönliche Karriere bei den Jüngeren hohen Stellenwert, bei den älteren Befragten dagegen weniger. Die Jüngeren erwarten starke Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf ihr Gehalt.

Laut Jungakademiker-Monitor 2021 bereiten sich 90 Prozent weniger als drei Stunden auf Bewerbungsgespräche vor. Hatte Corona keinen Einfluss auf die Vorbereitungszeit? Florian Märzendorfer: Wie es aussieht, kaum. Die Ausgangsbasis 2020 war schon erschreckend niedrig und die Vorbereitungszeit ist nur leicht gestiegen. Mich hat es überrascht, dass angesichts der stärkeren Konkurrenz am Arbeitsmarkt das Bewusstsein zur intensiven Vorbereitung nicht deutlicher angestiegen ist. Mehr als die Hälfte der Befragten nimmt sich dafür sogar weniger als eine Stunde Zeit. Meiner Meinung nach ist das viel zu gering, um von gründlicher Vorbereitung zu sprechen. Viele sind sich vermutlich nicht sicher, wie sie sich vorbereiten sollen.

Als große Herausforderung beim Bewerbungsgespräch wurde mit 67 Prozent am öftesten das Gehaltsgespräch genannt. Nur 34 Prozent fühlen sich vor Gehaltsverhandlungen gut vorbereitet, Frauen gar nur zu 27 Prozent. Wie wichtig ist das Gehalt? Wir stehen vor einer paradoxen Situation. 60 Prozent der Befragten planen derzeit nicht, ihr Gehalt zu verhandeln. Hier ist die Tendenz seit 2019 steigend, der Trend hat sich weiter fortgesetzt und durch Corona noch verstärkt. Jedoch ist für 80 Prozent der Befragten die persönliche Gehaltsentwicklung wichtig. Vor allem die Jüngeren erwarten starke Auswirkungen der schlechteren gesamtwirtschaftlichen Entwicklung auf ihr Gehalt. Nur 13,5 Prozent der 22 bis 25-Jährigen erwarten wenig bis keine Auswirkungen, bei den 31 bis 34-Jährigen sind es 30,1 Prozent.

Wie wirkte sich Corona auf die Einstellung zur persönlichen Karriere der Befragten aus? Angesichts von Homeoffice und Kurzarbeit stellen wir einen Wertewandel bei den älteren Befragten fest. Die persönliche Karriere ist 67 Prozent von ihnen eher oder sehr wichtig. Bei den 22- bis 25-Jährigen sind es 77 Prozent. Die Jungabsolventinnen und -absolventen blicken insgesamt positiv in die Zukunft, wie die Gründe für ihre Studienwahl bestätigen. Die Hoffnung auf bessere Karrieremöglichkeiten rangiert beinahe gleichauf mit Wissensdurst und dem generellen Interesse am Studiengebiet.

Junge Akademikerinnen und Akademiker sind zuversichtlich, aber besorgt wegen der Krise. Viele scheuen wegen Corona vor Gehaltsverhandlungen zurück. Ihr Tipp? Wenn ich einen Job gut gemacht habe, spricht nichts dagegen, dass sich das auch im Gehalt widerspiegelt. Auch die Geschäftsführung weiß, das persönliche Gehalt ist ein wichtiger Faktor. Auch in Krisenzeiten wollen Unternehmen Topleute suchen und halten. Man sollte sein Gehalt aktiv verhandeln. Fünf Stunden Vorbereitung sind sinnvoll. Schließlich muss man die eigenen Leistungen zusammenfassen und sich über branchenübliche Löhne informieren. Probleme bereiten den Befragten bei einer Gehaltsverhandlung die richtige Strategie und die richtige Reaktion auf eine ablehnende Haltung. Eine Alternative sind andere Benefits, beispielsweise ein eigenes Weiterbildungsbudget. Die Chancen überwiegen die Risiken klar.

Bild: SN/fotostudio eder
Angesichts der Konkurrenz ist die Vorbereitung zu kurz.
Florian Märzendorfer, Geschäftsführer FiP.S

Wie kommen aufstrebende junge Leute trotz schwieriger wirtschaftlicher Umstände zu einem guten Job? Eine intensive Vorbereitung auf Bewerbungsgespräche ist einer der entscheidenden Faktoren und wird immer noch vernachlässigt. Wir zeigen in kostenlosen Onlinekursen, worauf es im Bewerbungsprozess zu achten gilt. Die Zeit, die man in seine Bewerbungsunterlagen und in das Gespräch investiert, bekommt man bei der richtigen und effizienten Vorbereitung mit einem Multiplikator von 100 zurück. Das bedeutet, dass man seine Chancen massiv erhöht, sich positiv abzuheben von anderen, die sich bewerben.

Das Unternehmen FiP.S. bietet unter fip-s.at kostenlose Onlinebewerbungskurse an.

JUNGAKADEMIKER-MONITOR

Warum sie ein Studium gewählt haben, ist eine der Fragen, die den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des FiP.S-Jungakademiker-Monitors im Jänner 2021 gestellt wurden. Auf die meistgenannten Antworten "Wissensdurst, Interesse am Studiengebiet (80 Prozent) und bessere Karrieremöglichkeiten (72 Prozent)" folgten mit hohen Zustimmungswerten "Zeit für persönliche Entwicklung " (63,4 Prozent), "Jobsicherheit" (61,8 Prozent) und "Höheres Gehalt" (60 Prozent).

Eine berufliche Selbstständigkeit planen (oder haben bereits) 43,2 Prozent der 500 befragten 22- bis 34-Jährigen. Auffallend zeigt sich der Unterschied je nach Geschlecht: Von den Frauen wollen sich 36,7 Prozent selbstständig machen, von den Männern 49,4 Prozent. Leicht gesunken ist der Anteil jener, die bereits ein Unternehmen führen. Im Februar 2020 taten dies 6,4 Prozent der Befragten, im Jänner 2021 nur noch 4,8 Prozent. Gegen eine Selbstständigkeit spricht für viele vor allem die Unsicherheit der Auftragslage. 2020 war dies für 65,6 Prozent ein Argument gegen berufliche Selbstständigkeit, 2021 für 70 Prozent. Angst vor dem Scheitern nannten 58,8 Prozent als Gegenargument.

Als Erwartungen an eine Selbstständigkeit rangieren Selbstverwirklichung und Unabhängigkeit mit je 83,3 Prozent und selbstverantwortliches Arbeiten mit 82,5 Prozent ganz oben. Auf den Plätzen folgen freie Zeiteinteilung (77,5 Prozent), sein eigener Chef sein (75,4 Prozent), Freude an Herausforderungen (74,2 Prozent), leistungsorientiertes Einkommen (60,4 Prozent), höheres Einkommen (57,5 Prozent) und Jobsicherheit (40,8 Prozent). Nur 22,5 Prozent erwarten sich von einer Selbstständigkeit steuerliche Vorteile.

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