Bewerbungsprozess

Mäßig vorbereitet ins Jobgespräch

Jungakademiker bereiten sich nur höchstens eine Stunde auf ein Vorstellungsgespräch vor. Am herausforderndsten ist die Gehaltsverhandlung.

Gute Vorbereitung verbessert die Aussicht auf ein erfolgreiches Bewerbungsgespräch. SN/contrastwerkstatt - stock.adobe.
Gute Vorbereitung verbessert die Aussicht auf ein erfolgreiches Bewerbungsgespräch.

Sie scheinen jedenfalls von sich überzeugt zu sein: Sehr gut vorbereitet (24,8 Prozent) beziehungsweise eher gut vorbereitet (44,2 Prozent) auf einen Bewerbungsprozess fühlen sich laut einer aktuellen marketagent-Befragung junge Akademikerinnen und Akademiker zwischen 22 und 34 Jahren.

Darauf weist der Auftraggeber der Studie hin, das Linzer Unternehmen FiP.S, das jungen Hochschulabsolventen Karrierecoachings und Finanzplanung anbietet.

Minimum 5 Stunden sollte man sich auf ein Bewerbungsgespräch vorbereiten

In die Vorbereitung für ein Bewerbungsgespräch investieren dieJungakademiker der Studie relativ wenig Zeit: 30,6 Prozent rund eine Stunde, 24,2 Prozent rund 30 Minuten und acht Prozent gar weniger als 15 Minuten. Nur ein gutes Drittel wendet für das Jobgespräch eine bis drei Stunden auf und 11,2 Prozent mehr als drei Stunden.

Viele seien sich nicht sicher, wie sie sich vorbereiten sollen, meint FiP.S-Geschäftsführer Florian Märzendorfer. Er sagt: "Ich empfehle mindestens fünf Stunden. Ich muss zum Unternehmen recherchieren, ein Story-Portfolio erstellen, das meine Stärken hervorhebt, und das Gespräch mit einem Freund durchspielen."

Als sehr große Herausforderung erleben Jungakademiker die richtige Reaktion auf unangenehme Fragen. Fast ebenso schwer fällt es den Befragten, sich mit den Bewerbungsunterlagen von anderen Bewerbern abzuheben, und sie können schlecht mit dem Stress, den sie in dem Gespräch erleben, umgehen. Überhaupt keine Herausforderung sehen elf Prozent in puncto Hintergrundwissen zum Unternehmen und Präsentation der eigenen Persönlichkeit. Als größte Hürde im Bewerbungsgespräch stellt sich nach wie vor die Gehaltsverhandlung dar. Märzendorfer rät in seinen Beratungen jungen Menschen: "Durch Top-Unterlagen, sicheres Auftreten und intensives Üben kann ich mich von den Mitbewerbern abheben und habe so eine bessere Verhandlungsposition. Um zu wissen, wie viel Gehalt ich fordern kann, brauche ich aber auch Wissen über marktübliche Gehälter, etwa durch Onlinerecherchen mit einem Gehaltsrechner oder durch Fragen an künftige Kollegen und ehemalige Studienkollegen." Am besten frage man dabei nicht nach der Höhe des Gehalts, sondern nach deren Vorstellung zur branchenüblichen Gehaltsspanne. Befragt, wie wichtig ihnen ihre persönliche Karriere sei, zeigt sich ein Altersgefälle. 80,4 Prozent der 22- bis 25-Jährigen bezeichnen sie als sehr oder eher wichtig. Bei den 26- bis 30-Jährigen sind es 75 Prozent und bei den 31- bis 34-Jährigen nur noch 64,1 Prozent.

Entscheidung für Studium hängt von vielen Faktoren ab

Ausschlaggebend für ein Studium - und mit Abstand am wichtigsten - ist laut der Untersuchung das Interesse am Studiengebiet. An zweiter Stelle rangieren "bessere Karrieremöglichkeiten", an dritter "ein höheres Gehalt". Ebenfalls sehr großen Einfluss haben Jobsicherheit, Zeit für persönliche Entwicklung und selbstverantwortliches Arbeiten. Die Erwartungen der Eltern üben für mehr als die Hälfte keinen oder nur geringen Einfluss auf die Studienwahl aus. Wie stark ein akademischer Abschluss und das Einkommen zusammenhängen, verdeutlicht die Zufriedenheit mit dem aktuellen Gehalt der Befragten. Immerhin 46,6 Prozent der Jungakademikerinnen und Jungakademiker sind damit eher zufrieden und 13,8 Prozent sogar sehr zufrieden.

Doch nicht allen geht es so, 15,2 Prozent zeigen sich eher oder sehr unzufrieden mit ihrem aktuellen Gehalt. Insgesamt plant gut ein Drittel, noch in diesem Jahr das Gehalt zu verhandeln. Ein weiteres Drittel hat dies nicht vor. Persönliche Einstellung und Know-how rund um Gehaltsverhandlungen spielen eine große Rolle. Als große bis sehr große Herausforderung empfinden es zwei von drei Jungakademikern, dass sie sich dabei unwohl fühlen, wie sie auf eine ablehnende Haltung des Arbeitgebers reagieren sollen, und unsicher sind, ob sie generell eine Strategie zur erfolgreichen Gehaltsverhandlung haben. Gut die Hälfte nimmt sich eine halbe bis eine Stunde Zeit für die Vorbereitung. Auffallend hier der Unterschied zwischen Frauen und Männern: Gut bis sehr gut vorbereitet für die Gehaltsverhandlung fühlen sich 24,2 Prozent der Frauen, bei den Männern sind es doppelt so viele.

Wer durch einen Arbeitsplatzwechsel mehr verdienen will, hat momentan gute Aussichten

Obwohl die russische Invasion in der Ukraine und die Coronakrise auch den österreichischen Arbeitsmarkt negativ beeinflussen, haben viele österreichische Unternehmen vor, im zweiten Quartal zusätzliche Arbeitskräfte einzustellen. Wie eine internationale Umfrage der ManpowerGroup, an der auch 512 heimische Unternehmen teilgenommen haben, zeigt, erwarten 44 Prozent von ihnen eine Steigerung der Beschäftigtenzahlen. Von einem Rückgang gehen 11 Prozent der Unternehmen aus, 39 Prozent erwarten keine Veränderung.

Auf Arbeitssuche oder in einem Jobwechsel befinden sich von den befragten Jungakademikern derzeit drei Prozent. Fast die Hälfte aller 500 Befragten will in einer Anstellung arbeiten. 8 Prozent sind jetzt schon selbstständig, 9,6 Prozent wollen sich unbedingt selbstständig machen und 36,2 Prozent können sich dies vorstellen. Von einer Selbstständigkeit am stärksten erwartet werden unter anderem selbstverantwortliches Arbeiten, Selbstverwirklichung, Unabhängigkeit, freie Zeiteinteilung und ein höheres beziehungsweise ein leistungsorientiertes Einkommen. Gegen eine berufliche Selbstständigkeit sprechen aus Sicht von zwei Dritteln der Jungakademiker die Unsicherheit der Auftragslage und die Angst vor dem Scheitern und einem Konkurs.


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Aufgerufen am 17.08.2022 um 04:24 auf https://karriere.sn.at/karriere-ratgeber/bewerbungsprozess/maessig-vorbereitet-ins-jobgespraech-119419570

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