Bewerbungsprozess

Ghosting im Bewerbungsprozess - plötzliche Funkstille

Bewerber erscheinen zum Vorstellungsgespräch oder am ersten Arbeitstag nicht. Doch nicht nur Bewerber sondern auch Unternehmen betreiben "Ghosting".

Es ist eine Unsitte von Bewerbern, nicht zum Bewerbungsgespräch zu kommen ader am ersten Arbeitstag einfach nicht zu erscheinen. SN/shutterstock-estrada anton
Es ist eine Unsitte von Bewerbern, nicht zum Bewerbungsgespräch zu kommen ader am ersten Arbeitstag einfach nicht zu erscheinen.

Viele österreichische Unternehmen haben nach Erfahrung des Personalberaters Robert Half immer öfter mit dem Phänomen des sogenannten Ghosting zu kämpfen. Das bedeutet: Bewerber erscheinen nicht zum Vorstellungsgespräch oder zum ersten Arbeitstag und sind auch nicht mehr erreichbar. Das klingt zwar ungewöhnlich, ist es offenbar aber nicht. Allerdings: Für Jobkandidaten ist es ebenso nicht ungewöhnlich, nach einer Bewerbung nichts vom potenziellen Arbeitgeber zu hören. 60 Prozent der Arbeitnehmer haben sich laut der Befragung schon einmal für das zweitbeste Jobangebot entschieden, weil sie vom bevorzugten Unternehmen zu lang keine Antwort erhalten haben.

Sowohl Bewerber als auch Unternehmen sind von Ghosting betroffen

"In der Vergangenheit haben eher die Kandidaten über die Funkstille nach der Bewerbung geklagt. Die Unternehmen argumentierten zumeist, es fehle an Ressourcen, um allen Bewerbern eine Antwort schicken zu können", erklärt Christian Umbs, Managing Director bei Robert Half in Wien. "Mittlerweile hat sich das Blatt gewendet. Immer häufiger beanstanden Unternehmen das Abtauchen von Bewerbern. Wechselseitig gilt aber: Ghosting ist ein No-Go."

Faktoren für eine plötzliche Funkstille

Mehrere Faktoren liegen dem unerfreulichen Trend zugrunde. Einerseits haben qualifizierte Bewerber meist die Wahl zwischen mehreren attraktiven Jobangeboten. Andererseits verändert sich mit dem technologischen und gesellschaftlichen Wandel auch das Verhalten bei der Jobsuche. "So wie beim Onlinekauf Waren kommentarlos zurückgeschickt werden können, werden Bewerbungsgespräche oder Jobs ohne Rückmeldung manchmal auch absichtlich verpasst", sagt Umbs. "Ghosting ist unhöflich und respektlos. Beide Parteien sollten offen und ehrlich miteinander kommunizieren. Das schließt unangenehme Absagen ein." Warten Bewerber erfolglos auf eine Rückmeldung, ist der Frust groß. 79 Prozent der Befragten geben an, dass solch ein Verhalten ein schlechtes Licht auf das Unternehmen wirft. "Gibt der Traumarbeitgeber keine Antwort, sollten Jobsuchende nicht an sich zweifeln. Sie sollten besser selbst aktiv werden, um sich Klarheit zu verschaffen, und gleichzeitig andere Stellenangebote im Auge behalten", empfiehlt Umbs.

Tipps wie Bewerber nach einem Vorstellungsgespräch vorgehen sollten

Anstatt selbst Ghosting zu betreiben, hat Personalberater Christian Umbs drei Tipps für Bewerber:

Checken Sie Ihre Bewerbungsunterlagen
In einer von zehn Bewerbungen ist festzustellen, dass die Kontaktdaten falsch sind. Das erschwert die Kontaktaufnahme mit dem Bewerber unnötig. Bevor eine Bewerbung abgeschickt wird, sollte am besten ein Freund oder Familienangehöriger um einen finalen Check gebeten werden. Beim Versand ist unbedingt darauf zu achten, dass die eingereichten Unterlagen vollständig an den richtigen Empfänger gegangen sind.

Prüfen Sie Ihren Spamordner
Vielleicht ist die Einladung zum Vorstellungsgespräch beim Wunscharbeitgeber im Spam- oder Junkordner gelandet. Auch das Abhören der Mobilbox oder des Anrufbeantworters kann diesbezüglich hilfreich sein. Womöglich wurde eine Nachricht überhört.

Üben Sie sich mindestens sieben bis zehn Tage in Geduld
Personaler benötigen etwas Zeit, um die eingegangenen Bewerbungen zu prüfen. Gibt es nach 14 Tagen immer noch kein Feedback, darf getrost zum Telefonhörer gegriffen und höflich in der Personalabteilung nachgefragt werden. Darauf sollte man sich aber vorbereiten, denn der Anruf kann schnell zu einem Vorabinterview werden.

Quelle: SN

Aufgerufen am 18.08.2019 um 06:47 auf https://karriere.sn.at/karriere-ratgeber/bewerbungsprozess/ghosting-im-bewerbungsprozess-ploetzliche-funkstille-72213787

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