Bewerbungsprozess

Der Social-Media-Check

Die Präsentation auf Social-Media-Kanälen wird für den Job immer wichtiger. Wer weder auf Xing und Facebook noch auf Instagram vertreten ist, macht sich bei Recruitern verdächtig.

Moderator und Redakteur - das steht gleich neben dem Profilbild von Rafael Obermaier auf Instagram. Darunter finden sich Fotos aus dem Radiostudio, die Obermaier mit Kopfhörern, vor den Bildschirmen und bei Terminen für den ORF zeigen. Dazwischen postet er Bilder von Spaziergängen. Es ist das perfekte Jobprofil. Obermaier präsentiert sich und seine Arbeit authentisch und sympathisch. Viele Arbeitgeber freuen sich gerade im Bewerbungsprozess, wenn sie viele Einblicke in das Leben eines Bewerbers bekommen.

Unternehmen informieren sich in den sozialen Netzwerken über Bewerber

"Ihr Auftritt in den sozialen Netzwerken ist ebenso wichtig wie eine schriftliche Bewerbung", sagt Natascha Ljubic, Social-Media-Lektorin aus Wien. Die Bedeutung von sozialen Netzwerken im Recruitingprozess nehme zu. Waren es 2015 noch 46 Prozent der Personaler, die den Social-Media-Auftritt von Bewerbern prüften, seien es 2021 bereits rund 63 Prozent. Dabei sind den meisten die gängigen Bewerbungsplattformen wie Xing und LinkedIn aber am wichtigsten. Etwas weniger wichtig seien den Recruitern die eher auf das Privatleben ausgerichteten Plattformen Facebook, Instagram und Twitter, so Ljubic. Instagram werde von Bewerbern eher weniger für die Bewerbung genutzt, sagt die Social-Media-Beraterin. Das liege aber auch daran, dass die Generation der Entscheider eher auf Facebook unterwegs ist, sagt Birgit Polster, Geschäftsführerin der acctus-Personalberatung. Instagram werde nur angesehen, wenn es auf Facebook kein Profil gibt. "Wenn wir eine Stelle besetzen, machen wir einen Social-Media-Check." Es werde überprüft, ob der Kandidat negativ auffällt. Den Ausschlag für eine Stellenbesetzung habe ein besonders gutes Social-Media-Profil aber noch nicht gegeben. Bei Berufen, die im kreativen Bereich liegen, sehe man sich eher Blogs oder Homepages der Kandidaten an. Rafael Obermaier befüllt sein Instagram-Profil nicht mit der Intention, einen besseren Job zu bekommen und abgeworben zu werden. Er ist mit Social Media groß geworden, mit 14 hat er sein Instagram-Profil eröffnet. Nun fließe viel berufsmäßiger Content hinein, erklärt er. "Weil mein Arbeitsleben einen großen Teil meines Lebens ausmacht." Er vermutet, dass es für viele Menschen spannend ist, einen Blick hinter die Kulissen des Senders zu erhalten. Dass Berufs- und Privatleben so miteinander verschmelzen und er auch abends Anfragen von Radiohörern bekommt, stört ihn nicht. Er freue sich über Lob und schreibe kurz zurück.

Seriöses Profil empfehlenswert

"Wir sind skeptisch, wenn Kandidaten nicht auf Social Media zu finden sind", sagt Birgit Polster. "Gerade bei jungen Menschen ohne Social-Media-Profile fragen wir uns, ob jemand was zu verbergen hat oder sozialen Medien gegenüber nicht aufgeschlossen ist." Kandidaten spreche sie explizit auf den fehlenden Social-Media-Auftritt an. Gerade in Positionen, in denen Netzwerken und das Informiertsein wichtig sind, könne ein fehlendes Profil zum Problem werden. "Wie hält sich ein HR-Manager auf dem Laufenden, wenn er nirgends vertreten ist?" Ein Personaler müsse auf Xing, LinkedIn, Facebook und Instagram unterwegs sein, um gute Arbeit leisten zu können. Er könne sonst nur schwer passende Menschen finden. Birgit Polster rät daher jedem zu einem seriösen Profil. Das sei nicht selbstverständlich - auch unter Führungskräften nicht. "Ich habe einen konkreten Fall gut in Erinnerung", sagt Polster. Die Fotos und Beiträge des Kandidaten, einer Führungskraft, seien sehr zweifelhaft gewesen. Er habe Fotos von sich mit nacktem Oberkörper gepostet, auch seine Frau sei eher freizügig als bedeckt auf dem öffentlich geschalteten Profil sichtbar gewesen. Der Kandidat wurde abgelehnt. In einem weiteren Fall zeigte der Social-Media-Auftritt eines Bewerbers, dass dieser eher im rechten politischen Spektrum einzuordnen sei. "Da nimmt man lieber Abstand", sagt Birgit Polster. Das Preisgeben der politischen Orientierung, gerade wenn sie ins Extreme gehe, könne dazu führen, dass Kandidaten im Bewerbungsprozess nicht weiterverfolgt werden.

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