Arbeitswelt

Wie Mitarbeiter zu Markenbotschafter für das Unternehmen werden

Mitarbeiter repräsentieren die Firma und werden zu Markenbotschaftern. Doch was ist der Ansporn, als Markenbotschafter des Arbeitgebers zu fungieren?

Mitarbeiter, Rekruter, Markenbotschafter: Wer gern in einem Unternehmen arbeitet, teilt das auch mit – und zieht wiederum neue Talente an.  SN/shutterstock - monkey business images
Mitarbeiter, Rekruter, Markenbotschafter: Wer gern in einem Unternehmen arbeitet, teilt das auch mit – und zieht wiederum neue Talente an.

Der Mitarbeiter als Part des Unternehmens, der quasi zum Inventar gehört. 100 Prozent für und mit dem Betrieb - oder gar nicht. Firmenkapperl, Shirt, Hose und Jacke mit Firmenlogo - bei der Arbeit ohnehin nicht mehr wegzudenken, im Privaten auch fixer Bestandteil des Kleiderschranks. Der Mitarbeiter, der als Markenbotschafter des Unternehmens auch in der Freizeit "zu 100 Prozent hinter der Marke steht" und stets Teil des Teams ist.

Was es braucht, ist interne Markenführung

Was es braucht, wenn Mitarbeiter zu Markenbotschaftern des Unternehmens werden sollen, ist eine klare, interne Markenführung. Das heißt: systeminterne Maßnahmen, die darauf abzielen, dass das bestehende Personal Teil des Markenbildungsprozesses wird. Dazu gehört, die Arbeitnehmer umfassend über die Marke zu informieren, ihre Begeisterung dafür zu wecken und ihr Verhalten schlussendlich im Interesse der Unternehmensmarke zu beeinflussen. Begeisterung für die Marke und "markenkonformes" Verhalten sind das angestrebte Ziel. Oder, etwas überspitzt gesagt: eine "kleine Gehirnwäsche" für den guten Namen des Betriebs, den die Mitarbeiter anschließend gern repräsentieren und nach außen tragen. Leben und Liebe für das Unternehmen - die beste Werbung für den Betrieb und starker Motor bei der Mitarbeitersuche ist immer noch der bereits bestehende Mitarbeiter. Fest steht: Mitarbeiter lassen sich nur dann zu Markenbotschaftern machen, wenn sie selbst vom Arbeitgeber, seinen Produkten und Werten überzeugt sind.

Der Antrieb als Markenbotschafter zu fungieren

Doch was ist für Mitarbeiter wichtig? Was ist der Ansporn für Angestellte, als Markenbotschafter des Arbeitgebers zu fungieren? "Menschen wollen in einem Betrieb arbeiten, auf den sie stolz sein können, in dem sie interessante Aufgaben übertragen bekommen, also gefordert werden. Und sie wollen in ein Team eingebunden sein, das gut funktioniert und in dem sie auch gefördert werden", erklärt Wolfgang Immerschitt. Gemeinsam mit Marcus Stumpf zeichnet er als Autor des Buchs "Employer Branding für KMU. Der Mittelstand als attraktiver Arbeitgeber" verantwortlich.

Erfolgsfaktor Mundpropaganda

Die Empfehlung vonseiten des bestehenden Personals ermöglicht es den Unternehmen, ihre Mitarbeiter direkt als Botschafter des Betriebs einzusetzen. Es zeigt sich: Mundpropaganda ist noch immer die Variante der Mitarbeiter-Rekrutierung, die am erfolgreichsten ist und am meisten zieht. Denn: Wenn ein Freund oder Bekannter am Stammtisch erzählt, wie toll sein Beruf in Unternehmen X ist, lockt das mehr Bewerber an als jede andere Form der Mitarbeitersuche. Markenbotschaften werden etwa 24 Mal öfter geteilt, wenn sie von Mitarbeitern verbreitet werden. So lautet das Resultat des "Sodexo Workplace Report 2017". Warum? Aussagen sind glaubwürdiger, wenn sie von "Gleichgesinnten" kommen. Das trifft vor allem auf IT-Experten zu, wie auch auf alle juristischen, medizinischen, wirtschaftlichen und technischen Berufe.
Menschen, die in einer bestimmten Berufssparte tätig sind, treffen zwangsweise öfter auf ihresgleichen als Recruiter. Was ist notwendig, um passende Talente anzusprechen? "Mitarbeitende und Führungskräfte, die mit offenen Augen und Ohren durch die Welt gehen. Das richtige Werkzeug, wie vor allem klare Botschaften und charmante Tools. Und schon funktioniert die Idee über alle Altersstufen und Joblevels hinweg", sagt Ralf Tometschek (Identifire) überzeugt. Die Agentur ist spezialisiert auf Employer Branding und Corporate Culture, mit dem Ziel, den Mitarbeiter zum Markenbotschafter zu machen. Der Tenor lautet: Wer seine eigenen Leute miteinbezieht, kann nur gewinnen. Zudem blicken laut "Workplace Report" engagierte Mitarbeiter um 27 Prozent optimistischer in die Unternehmenszukunft. Die Wettbewerbsfähigkeit wird um 40 Prozent höher eingeschätzt. Außerdem: Wer stolz auf sein Unternehmen ist, teilt das auch gern mit - und zieht wiederum neue Talente an.

So empfehlen beispielsweise sechs von zehn Personen Bekannte aus ihrem privaten Umfeld für offene Stellen im Unternehmen. Neun von zehn IT-Betrieben halten ihre Mitarbeiter dazu an, die unternehmensinternen offenen Stellen weiterzuempfehlen. Der Großteil der Empfehlungen geschieht dabei offline: So verbreiten mehr als die Hälfte der Mitarbeiter offene Stellen per Mundpropaganda im Bekanntenkreis, während nur ein Viertel die freien Jobs über Karrierenetzwerke unters Volk bringt. Das wiederum besagt die Studie "Recruiting Trends 2019", die das Centre of Human Resources Information Systems der Universität Bamberg und der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg durchgeführt hat. Zurate gezogen wurde hier die Rekrutierungspraxis in den Top-1000-Unternehmen Deutschlands, diese sind mit dem Nutzungsverhalten und den Einschätzungen von mehr als 3300 Studienteilnehmern verglichen worden.

Vor allem in der IT-Branche ist die Empfehlung von Mitarbeitern weit verbreitet. Daneben ist es in besagten Betrieben gang und gäbe, dass der Einsatz bestehender Arbeitnehmer bei der Mitarbeitersuche auch monetär abgegolten wird: Ein Drittel der Unternehmen entlohnt die Empfehlung eines Bewerbers, wenn diese zu einer Einstellung führt.

Das Personalmarketing ist ein wichtiger Baustein für das Employer Branding

Welchen Stellenwert nimmt das Personalmarketing in Sachen Employer Branding und Bewerbungsprozess ein? "Das Personalmarketing enthält alle Instrumente zur Kommunikation der Arbeitgebermarke. Daher ist das Personalmarketing ein essenzieller Baustein im Employer Branding und stellt sicher, dass die Marke bekannt ist und bleibt", erläutert Immerschitt.
Was macht nun Arbeitgeber für Mitarbeiter und potenzielle neue Arbeitnehmer attraktiv? Immerschitt: "Die Arbeitgeber, die klare Botschaften an Bewerber richten, ihre Markenwerte sowohl nach innen als auch nach außen leben, authentisch und transparent in ihrer Kommunikation auftreten, haben eine starke Positionierung am umkämpften Arbeitsmarkt und fallen den Bewerbern in der Angebotsflut auf." Und die neuen Mitarbeiter, die womöglich bald zu hauseigenen Markenbotschaftern werden, klopfen von selbst an die Tür.

Aufgerufen am 14.10.2019 um 01:26 auf https://karriere.sn.at/karriere-ratgeber/arbeitswelt/wie-mitarbeiter-zu-markenbotschafter-fuer-das-unternehmen-werden-74546590

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