Arbeitswelt

Was genau ist ein Coach?

Von Beruf Berater. Coaches bringen nichts Neues bei, sondern verhelfen zu einer Außenperspektive, sagt Experte Michael Tomaschek.

Wo stehe ich gerade und wo möchte ich hin? Bei solchen Fragen sollen Coaches weiterhelfen. SN/fizkes - stock.adobe.com
Wo stehe ich gerade und wo möchte ich hin? Bei solchen Fragen sollen Coaches weiterhelfen.

Es ist ein eigenes Gewerbe, das sich wachsender Beliebtheit erfreut und raschen Schrittes neue Vertreterinnen und Vertreter findet: Coaches beraten in beruflichen, aber auch in privaten Fragen. Über manch ein Missverständnis des Coachingbegriffs und Details des relativ jungen Berufsbilds berichtet Michael Tomaschek, Obmann des Österreichischen Dachverbands für Coaching.

Was bedeutet die Berufsbezeichnung Coach tatsächlich? Michael Tomaschek: Die Bezeichnung wird derzeit inflationär gebraucht und alles mögliche wird darunter subsumiert. Es gibt jedoch eine einfache Regel, die den Coachingberuf von anderen abgrenzt: Ein Coach bringt nichts Neues bei, sondern greift auf bereits vorhandene Ressourcen bei seinem Kunden zurück. Er begibt sich mit seinem Kunden ins Gespräch, um ihn individuell zu beraten. Unser Verband konzentriert sich dabei auf das berufsbezogene Businesscoaching. Der Experte in seinem Bereich ist der Kunde selbst, der Coach hilft dabei, seine aktuelle Lage aus einer Außenperspektive zu betrachten. Dabei sollen Fragen beantwortet werden wie: Wo stehe ich? Was sind meine Ziele? Was brauche ich, um diese Ziele zu erreichen?

Wie gelangt man zur Beantwortung dieser Fragen? In einem gemeinsamen Gespräch auf Augenhöhe, bei dem die aktuelle Lage genau sondiert wird. Der Coach geht davon aus: Die Kompetenzen und Ressourcen, seine Probleme zu lösen und Entscheidungen zu treffen, trägt der Kunde bereits in sich selbst. Ratschläge sind fehl am Platz und sogar kontraproduktiv. Es geht darum, an die Kompetenzen zur Eigenverantwortung und Selbstorganisation zu appellieren. Die Antworten auf seine eigenen Fragen kann sich der Kunde im Endeffekt selbst geben, wenn er seine Lage im gemeinsamen Gespräch mit dem Coach reflektiert.

Aus welchem Grund braucht es einen Coach, wenn der Kunde die Lösung im Endeffekt selbst kennt? In Zeiten wie diesen mit all dem Multitasking und der Reizüberflutung wird jeder irgendwann betriebs- und systemblind. Es ist dann wichtig, sich einmal herauszunehmen, um alles aus der Metaperspektive zu betrachten und über die momentane Situation zu reflektieren. Um die eigene Strategie und Ziele zu klären, braucht es, so ist unsere Erfahrung, sehr häufig eine Anregung von außen. Keine fachlich-inhaltliche Beratung, sondern jemanden, der dabei hilft, aus der Routine kurzzeitig auszubrechen und den Wald vor lauter Bäumen wieder zu sehen.

Mit welchen Methoden schaffen Coaches es, wieder einen Überblick zu bekommen? Da gibt es zum Beispiel die Wunderfrage: Wenn heute Nacht ein Wunder passieren würde und die Probleme, die Sie beschäftigen, wären verschwunden - was wäre dann anders? Wie würden Sie sich fühlen, wenn Sie in der Früh aufwachen? Es geht also darum, sich in eine mögliche Zukunft zu versetzen. Die Grundthese hinter dieser Methode ist, dass der Kunde die Lösung kennt, aber nicht von selbst darauf kommt, die Veränderung umzusetzen. Bei Entscheidungsfragen kann wiederum helfen, eine Münze zu werfen. Auch hier gehen wir davon aus: Die Entscheidung ist eigentlich bereits getroffen und das merkt man, sobald man das Ergebnis auf der Münze sieht: Freut man sich oder ist man enttäuscht? Auch Konzentrations- und Mentaltechniken, um sich selbst wahrzunehmen und zu fokussieren, spielen im Coaching eine große Rolle.

Wie wird man Coach? Das kommt darauf an, welche Zielgruppe man anvisiert. Es gibt einerseits die Lebens- und Sozialberatung, oder auch Personenberatung, und andererseits die Unternehmensberatung. Lebens- und Sozialberater durchlaufen eine Ausbildung von vier bis sechs Semestern. Unternehmensberater wiederum benötigen betriebswirtschaftliche und Organisationskompetenzen, eine einheitlich geregelte Ausbildung gibt es hier nicht. Für das Coaching im Businessbereich existieren im deutschsprachigen Raum Hunderte von Anbietern, die Dachverbände bieten hier standardisierte Curricula. In Österreich sind das wir und die Österreichische Vereinigung für Supervision, in Deutschland der Deutsche Bundesverband für Coaching. Die ISO-Zertifizierung zeichnet die Ausbildung bei einem Anbieter zudem als seriös und hochwertig aus.

Was sollte ein Coach in spe mitbringen? Sowohl für die Ausbildung zum Lebens- und Sozialberater als auch zum Unternehmensberater braucht es Kompetenzen im sozialen und psychologisch-pädagogischen Bereich. Als Unternehmensberater sind zusätzlich betriebswirtschaftliche und organisatorische Kenntnisse vonnöten. Für eine Coaching-Ausbildung in beiden Bereichen wird zudem zumeist ein Mindestalter von 25 bis 26 Jahren und eine bereits abgeschlossene Berufsausbildung vorausgesetzt.

Wie sehen die Jobchancen als Coach aus? Die Branche boomt noch immer im zweistelligen Bereich, daher sehen die Chancen recht gut aus. Ich denke, das hat viel mit dem Zeitgeist zu tun: Immer mehr Menschen leisten sich eine punktuelle Unterstützung in bestimmten Lebens- und Berufssituationen. Vor einer "Goldgräbermentalität" warne ich aber: Wer sich als Coach selbstständig macht, braucht in der Regel einige Jahre, bis er sich einen zufriedenen Kundenstamm aufgebaut hat. Coachingagenturen gibt es in Österreich noch nicht, allerdings entwickeln sich gerade Plattformen, die Kooperationsverträge anbieten. Anstellungen im Coachingbereich finden sich immer mehr, da sich große Unternehmen zunehmend interne Coaches leisten.

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