Arbeitswelt

Von Beruf E-Sportler - Spielend Geld verdienen

Das Ziel mit dem Zocken Geld zu verdienen, erreichen nur die besten Gamer. Spielerinnen haben zudem mit Sexismus zu kämpfen.

Zocken und davon leben können, das ist in Österreich nur wenigen E-Sportlern möglich. SN/bild: sn/floria olivio/level up
Zocken und davon leben können, das ist in Österreich nur wenigen E-Sportlern möglich.

Zocken, das Spielen von Computerspielen, ist in Österreich längst angekommen. Der Spitzensport dazu heißt E-Sport - das kompetitive mit- und gegeneinander Spielen im Team oder als Einzelspieler mit bestimmten Regeln. Eine Umfrage von Nielsen und A1 aus dem Jahr 2019 ergab, dass 54 Prozent der 1000 befragten Österreicher zwischen 14 und 55 Jahren mindestens ein Mal die Woche Computerspiele zocken.

Der holprige Weg zum professionellen Gamer

Der eSport Verband Österreich (ESVÖ) zählt rund 50.000 registrierte E-Sportler und etwa zehn bis zwölf professionelle E-Sportler, die das Spielen hauptberuflich ausüben können. Beim Gamen hält sich der Frauen- und Männeranteil die Waage. "Aber im E-Sport in Österreich liegt der Frauenanteil nur bei drei bis fünf Prozent", weiß Yvonne Scheer, Genderbeauftragte und Frauensprecherin beim ESVÖ.

Wer E-Sportler werden will, vor dem liegt ein langer, steiniger Weg. Ehrgeiz und Leistung allein reichen nicht. Scheer empfiehlt, sich einem Verein anzuschließen, sich coachen zu lassen, regelmäßig an Turnieren teilzunehmen und die eigenen Spiele zu analysieren. Ziel ist es, bei einer Organisation angestellt zu werden, für die man spielt. Topspielern werden oftmals Angebote unterbreitet. Wer selbst aktiv werden will, kann auf Twitter, was für die E-Sport-Szene sehr wichtig ist, nach einem Team suchen oder sich auf Suchanfragen von Organisationen melden. Auch auf anderen Social-Media-Kanälen sollte man vertreten sein und dort auf sich aufmerksam machen.

"Ich kann vom E-Sport leben"

Einer, der den Weg erfolgreich gegangen ist, ist der 19-jährige Fabio Özelt aus Landskron bei Villach. Er spielt "Fifa" und ist seit November 2020 im E-Sport-Team des FC Red Bull Salzburg, nachdem er die eAcademy des Vereins gewonnen hatte. Özelt tritt sowohl im Einzel- als auch im Teambewerb der österreichischen eBundesliga an. Außerdem ist er der erste offizielle E-Sportler beim Österreichischen Bundesheer, stationiert im Heeressportzentrum am Faaker See.

Die monatlichen Einkommen von Red Bull Salzburg und dem Bundesheer erlauben Özelt zu sagen: "Ich kann vom E-Sport leben." Hinzu kommen noch Preisgelder. Bei einem "Fifa"-Titelgewinn gibt es laut "Faoetnation", so lautet Özelts Nickname, ein paar Tausend Dollar. Beim WM-Gewinn wären es 250.000 Dollar. Bei anderen Spieletiteln gibt es noch wesentlich mehr zu verdienen. Die erfolgreichsten E-Sportler haben mehrere Millionen Dollar auf ihren Konten.

Özelt hatte erst gegen seinen Vater und seinen Bruder gezockt. Inzwischen haben sie keine Chance mehr gegen ihn. Özelt hatte auch im Verein Fußball gespielt und strebte dort eine Profikarriere an. Als dieser Traum platzte, sagte sich der Kärntner: "Wenn ich es nicht auf dem echten Rasen schaffe, dann eben auf dem virtuellen." Er spielte erfolgreich bei der Fifa Weekend League, belegte 2019 den dritten Platz in der eBundesliga, war 2019/2020 Kapitän des Wolfsberger AC, Club Winner des SL Benfica und erster Gründungschampion von Eintracht Frankfurt. Aktuell belegt er Platz 109 der "Fifa"-Europa-Rangliste.

Ohne einen gesunden Lebensstil geht es auch beim E-Sport nicht

Um diese Leistungen erbringen zu können, spielt Özelt täglich mehrere Stunden an der Playstation. Aber auch die körperliche Fitness ist wichtig, weshalb der 19-Jährige regelmäßig im Fitnessstudio trainiert. "Kondition ist ebenfalls wichtig, auch eine gesunde Ernährung, damit man fit ist", sagt Özelt. Mit speziellen Apps verbessert er darüber hinaus seine Reaktionszeit. Solange es sein Körper und die Ergebnisse zulassen, will Özelt aktiv bleiben. "Für den E-Sport gibt es kein Alterslimit." Eine Rückkehr in seinen erlernten Beruf des Einzelhandelskaufmanns ist keine Option. "Ich will im E-Sport bleiben, eventuell im Coaching."

Sexismus und Klischees im E-Sport-Bereich

Während Fabio Özelt bei "Fifa" nach eigener Aussage nur mit männlichen Konkurrenten zu tun hat, treten bei anderen Spieletiteln auch Mädchen und Frauen an - und haben mit Klischees und Vorurteilen zu kämpfen. "In den Köpfen vieler Männer ist immer noch verankert, dass Gaming nichts für Frauen ist, aber wir stehen ihnen in nichts nach", sagt Yvonne Scheer, selbst dreifache Team-Staatsmeisterin im Ego-Shooter "Call of Duty". Als Genderbeauftragte im ESVÖ will sie etwas gegen den im E-Sport herrschenden Sexismus unternehmen und Spielerinnen stärken und ermutigen. "Wenn sich eine Spielerin durch ihren Nicknamen als Mädchen bzw. Frau zu erkennen gibt, muss sie leider teilweise mit Beleidigungen rechnen. ,Geh zurück in die Küche' oder ,Bring mir ein Bier' waren noch die harmlosesten Kommentare, die ich selbst erhalten habe", berichtet Scheer.

Spielerinnen können natürlich einen neutralen Nicknamen wählen. "Aber es ist nicht Sinn und Zweck, dass man sich beim Online-Gaming als Spielerin verstecken muss", findet die Genderbeauftragte. Bei Veranstaltungen und Turnieren mitzuspielen und eventuell direkter sexistischer Kritik ausgesetzt zu sein kostet gerade Mädchen und Frauen immer noch Überwindung.

Erster Schritt für Frauen in den E-Sport-Bereich sind Frauenligen

Explizit an Spielerinnen richtet sich das internationale "Girlgamer eSports Festival". Reine Frauenturniere gebe es außerdem zeitweise als Side-Event bei großen Veranstaltungen, doch dort seien die Preisgelder nicht so hoch wie beim Hauptturnier, sagt Scheer. Als Genderbeauftragte spricht sie bei Podiumsdiskussionen, Interviews und Vorträgen über die Themen Sexismus und Diversität, so etwa bei Level Up, der Gaming- und eSport-Arena, die am 21. August von
10 bis 23 Uhr im Messezentrum Salzburg stattfindet. Auch in Schulen leistet sie Aufklärungsarbeit und zieht dafür Spielerinnen heran, die bereits erfolgreich im E-Sport sind oder waren.

Eine von ihnen ist Marlies Brunnhofer aus Graz, die zum Beispiel 2018 das "Girlgamer eSports Festival" gewann. Ihr Spiel: "League of Legends". Ihr Nickname: Maestra. Auf Facebook stieß Brunnhofer einst auf ein Team, das weitere Spielerinnen suchte. Das war ihr Einstieg in den E-Sport. 2018 wechselte sie zur spanischen E-Sport-Organisation Movistar Riders, für die sie ebenfalls in einem Frauenteam spielte. "Das war mein professionellstes Team", sagt Brunnhofer. Sie besuchte Bootcamps, in denen täglich stundenlang gespielt wurde. Sportpsychologen schauten darauf, dass die Spielerinnen vor Spielen nicht zu müde oder zu nervös waren. Physiotherapeuten kümmerten sich um Handgelenke und Nacken. Auch ein Ernährungscoaching gab es. 2020 wechselte "Maestra" in die gemischte Amateurszene zu Aequilibritas eSports. Dort spielte sie in der Prime League Division 1. Der Grund für den Wechsel war das höhere Niveau als im Frauenteam. "Außerdem wollte ich es mit einer semiprofessionellen Karriere probieren, aber es hat dafür nicht gereicht", sagt Brunnhofer. Ihre Karriere hatte sie neben dem Studium vorangetrieben. Ihr Gehalt war "ein netter Nebenverdienst", ohne familiäre Unterstützung hätte er aber nicht zum Leben gereicht. Heute arbeitet die 25-Jährige als Psychologin in einer Rehaklinik. "League of Legends" spielt "Maestra" nur noch als Hobby. Für den Verein Austrian Force ist sie als Analystin tätig.

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Aufgerufen am 21.10.2021 um 11:02 auf https://karriere.sn.at/karriere-ratgeber/arbeitswelt/von-beruf-e-sportler-spielend-geld-verdienen-108241009

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