Arbeitswelt

Uni-Lehrgang "Palliative Care"

Im Universitätslehrgang Palliative Care an der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität werdenseit 15 Jahren aus verschiedenen Berufsgruppen akademische Palliativexpertinnen und -experten gemeinsam ausgebildet.

Palliative Care beginnt im Leben SN/getty images/istockphoto
Palliative Care beginnt im Leben

Es ist schön, sich bei "Palliative Care" an den Ursprung des Wortes zu erinnern: Er stammt aus dem lateinischen "palliare", zu Deutsch "mit einem Mantel umhüllen". Die englische Ärztin und Krankenschwester Cicely Saun-ders (1918-2005) hat den Begriff geprägt, sie ist die Begründerin der modernen Hospizbewegung: "Es geht nicht darum, dem Leben mehr Tage zu geben, sondern den Tagen mehr Leben" ist eines ihrer berühmtesten Zitate, verbunden mit der Forderung nach einer "menschlicheren Medizin, die nicht nur dazu da ist, den Tod zu verhindern oder hinauszu-schieben".

Erfolgsgeschichte seit 15 Jahren

Eine Vorkämpferin der Hospizbewegung und der Palliativmedizin in Österreich war Hildegard Teuschl, Ordensschwester der Caritas Socialis, beispielgebend für ihr soziales Engagement und den Auf- und Ausbau von Hospizeinrichtungen im ganzen Land. Vor allem die Aus- und Weiterbildung in Palliative Care war ihr ein wichtiges Anliegen - und so war sie auch wesentlich an der Entwicklung des Universitätslehrgangs Palliative Care an der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität beteiligt, dem ersten dieser Art an einer medizinischen Uni in Österreich. Als ihre Nachfolgerin im Dachverband Hospiz Österreich begleitet Leena Pelttari seit geraumer Zeit den Universitätslehrgang: Die ersten akademischen Palliativexperten und -expertinnen haben im Dezember 2006 ihre berufsbegleitende Ausbildung abgeschlossen, im Oktober 2007 wurden die ersten "Master of Palliative Care" graduiert, 181 sind es bis heute. Eine Erfolgsgeschichte seit nunmehr 15 Jahren.

Interesse hält an

"Es war immer unser Bestreben, Neues zu wagen. So waren wir gerne bereit, Heimat für die universitäre Verankerung von Palliative Care in Österreich zu sein", erinnert sich Michael Nake, damals Kanzler der Paracelsus Universität, an die Gespräche mit den Kooperationspartnern Dachverband Hospiz Österreich und St. Virgil in Salzburg. "Der Universitätslehrgang ist allumfassend, er geht über Schmerztherapie, über das Medizinische und über philosophisch-religiöse Betrachtungen hinaus, vor allem ist er auch sehr praxisorientiert. Patienten sollen von verschiedenen Zugangswegen aus gesehen und dabei alle Aspekte berücksichtigt werden." Der Lehrgang wurde sofort sehr positiv aufgenommen und dieses Interesse hält bis heute an. Jakob Reichenberger, Direktor des Bildungs- und Konferenzzentrums St. Virgil, bestätigt: "Wir waren ja seit jeher intensiv in die Hospizbewegung involviert und es war wichtig, die Hospiz- und Palliativversorgung weiter zu professionalisieren. Durch dieses gemeinsame Projekt ist das gelungen. So lässt sich die Qualität für Menschen an ihrem Lebensende immens steigern - das betrifft letztlich uns alle!"

Notwendige Zusammenarbeit verschiedener Berufsgruppen

Palliative Care ist - auch nach dem Verständnis der WHO - vor allem als notwendige Zusammenarbeit aller beteiligten Berufsgruppen zu verstehen. Dementsprechend werden im dreistufigen Lehrgang an der Paracelsus Universität Ärztinnen und Ärzte, Pflegende, Personen aus dem Bereich Psychologie und Seelsorge, aus medizinisch-therapeutischen, sozialen und psychosozialen Berufen gemeinsam ausgebildet. Studiengangsleiterin Doris Schlömmer, selbst diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin: "Der Erfahrungsaustausch und das Verständnis füreinander, das dabei gewonnen wird, sind besonders wertvoll. Das zeigen immer wieder die Feedbacks unserer Teilnehmer und Teilnehmerinnen, es ermöglicht auch die Vernetzung der handelnden Personen und Einrichtungen untereinander. Und ganz wichtig ist natürlich die zusätzliche Qualifikation in Palliative Care in den jeweiligen Levels I bis III, weil das vertiefende Fachwissen oft fehlt. Gearbeitet wird stets gemeinsam und auf Augenhöhe, denn nur so kann Palliative Care funktionieren. Je nach den Bedürfnissen des Patienten steht die "lindernde" Medizin, das psychologische oder das seelsorgerische Moment im Mittelpunkt - und das kann sich auch täglich ändern."

Massiver Ausbau geplant

Einer der Teilnehmer am ersten Universitätslehrgang Palliative Care an der Paracelsus Universität vor 15 Jahren war Dietmar Weixler. Dem Intensivmediziner hat die Aufmerksamkeit für Patienten und Patientinnen, deren Heilung aussichtslos erscheint, nach zehn Jahren Spitalstätigkeit gefehlt. Er wollte "angesichts des unmittelbar drohenden Todes nicht mehr resignierend das Handtuch werfen". Heute ist Dietmar Weixler Präsident der Österreichischen Palliativgesellschaft: "Das Besondere im Feld der Palliativversorgung ist und bleibt, dass man Zeit für Menschen in ihrer Individualität haben darf. Viele Pflegende, Ärztinnen und Ärzte haben die Auswüchse des industrialisierten Medizingeschäfts gründlich satt und sehnen sich nach dem, weswegen sie diesen Beruf gewählt haben. Gerade jetzt, nach fast zwei Jahren Dauerstress in der Pandemie, wollen viele nicht mehr. Das Interesse an einer ,zuhörenden', vom humanistischen Geist geprägten Medizin oder Pflege ist zwar nach wie vor da, aber auch die Hürden dorthin sind nach wie vor groß."

Erfreulich: Die Hospiz- und Palliativversorgung soll, begleitend zur geplanten Gesetzesänderung beim assistierten Suizid, massiv ausgebaut werden. Auch angesichts der Pandemie und ihrer Auswirkungen rückt das Thema in den Vordergrund - als Herausforderung für Politik und Gesellschaft. Palliativmediziner Stefan Lorenzl ist Chefarzt für Neurologie am bayerischen Krankenhaus Agatharied und leitet das Wissenschaftsteam des Universitätslehrgangs für Palliative Care an der Paracelsus Universität. Zitat: "Die universitäre Ausbildung von Pflegenden und Ärzten in Palliative Care ist eine wichtige Grundlage für die Erweiterung von Versorgungsnetzwerken, sie bietet die Möglichkeit, Forschung und aktuelle Entwicklungen in die Lehre miteinzubeziehen. Dadurch wird nicht nur das Interesse am Fach Palliative Care gefördert, sondern auch dessen Bedeutung in der Medizin hervorgehoben und damit der Ausbau von ambulanten und stationären Strukturen ermöglicht."

Informationen: www.ulg-palliativecare.at

Palliative Care

WHO-Grundsätze (Übersetzung: Karl W. Bitschnau)

  • betont das Leben und sieht Sterben als normalen Prozess
  • beschleunigt den Tod nicht, noch zögert es ihn hinaus
  • sorgt für Erleichterung von Schmerzen und anderen stressbringenden Symptomen
  • integriert die psychologischen und spirituellen Aspekte der Behandlung und Betreuung
  • bietet ein System der Unterstützung, damit Menschen "nicht nur in Frieden sterben, sondern leben können bis zuletzt" (Zitat Cicely Saunders)
  • unterstützt Angehörige, damit sie während der Zeit der Krankheit und danach in der Trauer mit der Situation adäquat umgehen können.

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