Arbeitswelt

Teilzeit: Vor- und Nachteile eines Teilzeitjobs

Teilzeitjobs können den Alltag entlasten - bergen jedoch auch einige Risiken und Nebenwirkungen. Ist die Teilzeitstelle eine Falle oder eine Chance?

So mancher Halbtagsjob birgt belastende Tücken in sich.  SN/shutterstock/sheff
So mancher Halbtagsjob birgt belastende Tücken in sich.

Ob für die Erziehung der Kinder, neben dem Studium Geld zu verdienen, mehr Freizeit zu haben oder aber, weil Sie keine Vollzeitstelle gefunden haben: 28 Prozent aller Angestellten in Österreich arbeiten in Teilzeit. In Zusammenhang mit ihnen wird immer wieder von einer "Teilzeit-Falle" gesprochen: eine Theorie, nach der Teilzeitkräfte im Vergleich zu Vollzeitbeschäftigten in vielerlei Hinsicht benachteiligt sind. So sei beispielsweise die durchschnittliche Arbeitsbelastung höher, da der Teilzeitkraft häufig kein entsprechend geringeres Arbeitspensum auferlegt werde, Bezahlung und allgemeine Konditionen hingegen verhältnismäßig schlechter seien. Eine Umfrage der Arbeiterkammer (AK), die gemeinsam mit dem Marktforschungsinstitut Ifes Salzburg im vergangenen Jahr mit Teilzeitarbeitenden durchgeführt wurde, bestätigt diese Theorie aus der Sicht der Betroffenen in einigen Aspekten.

Vor- und Nachteile eines Teilzeitjobs

Aus Sicht eines Arbeitnehmers ergeben sich sowohl Chancen als auch Probleme bei einer Teilzeitbeschäftigung. Hier sind die Vor- und Nachteile aufgelistet:

Vorteile eines Teilzeitjobs:
• Gute Work-Life-Balance
• Beruf und Familie besser vereinbar
• Mehr Freizeit
• Chance und Zeit auf Aus- und Weiterbildung, z.B. Studium
• Höherer Nettostundenlohn, weniger Steuern
• Flexible Arbeitszeiten (mit Unternehmen vereinbaren)

Nachteile eines Teilzeitjobs:
• Niedrige Aufstiegschancen
• Arbeitsbelastung höher, führt zu Überstunden
• Wenig Chance auf Aus- und Weiterbildung in einem Betrieb
• Fehlende Übermittlung wichtiger Informationen
• Fehlender Kontakt zum Betrieb und zu Kollegen
Niedriges Einkommen
• Niedrige Pensionsansprüche

Ein Umfrage der Arbeiterkammer (AK)

Besonders benachteiligt sehen sich die befragten Teilzeitkräfte hinsichtlich ihrer Aufstiegschancen. 67 Prozent gaben an, hier im Vergleich zu Vollzeitkräften Nachteile zu spüren. Doch auch in nahezu sämtlichen weiteren in der Umfrage thematisierten Aspekten befinden sich die Befragten im Nachteil. So gaben 45 Prozent an, ihr Teilzeitjob wirkt sich negativ auf die Übermittlung wichtiger Informationen aus, 38 Prozent fühlen sich generell weniger in den Betrieb und in dessen soziales Umfeld eingebettet. Ebenfalls negativ bewerteten die Teilzeitkräfte die Chance auf Prämien und Zulagen (47 Prozent geben sich als benachteiligt an), die Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten (34 Prozent), das Anspruchsniveau ihrer Tätigkeit (31 Prozent) und die betrieblichen Sozialleistungen (21 Prozent). "In internen Betriebsabläufen ist es oft für die Karriere förderlich, wenn eine Person nicht nur die Zeit da ist, in der sie ihre Aufgaben erledigt, sondern auch weitere Prozesse mitbekommt", erklärt Florian Preisig, Referent zur Arbeitsmarktpolitik in der AK, "in vielen Projekten wird man als Teilzeitstelle weniger involviert sein und wenn es darum geht, jemanden auf Fortbildung zu schicken oder anderweitig in ihn zu investieren, wird der Arbeitgeber dabei womöglich die Person in Vollzeitanstellung bevorzugen."
Die Studie belegt auch, dass Teilzeitbeschäftigte im Verhältnis zu ihrer Arbeitszeit mehr Überstunden leisten als Vollzeitkräfte. "Teilzeitkräfte haben bereits praktisch ausnahmslos Vertragsklauseln in ihren Arbeitsverträgen, die sie zur Mehrarbeit verpflichten", erklärt Heimo Typplt, Leiter der Rechtsabteilung der AK, "und diese Klausel nutzen die Dienstgeber auch. Nahezu 90 Prozent aller bei uns vorsprechenden Teilzeitarbeitenden geben an, dass sie regelmäßig zur Mehrarbeit eingeteilt werden." Das häufig genannte Argument eines erhöhten Arbeitsbedarfs sei von Dienstnehmenden gegenüber den Dienstgebenden nahezu unmöglich zu widerlegen - meist müsse er die Mehrarbeit einfach hinnehmen. "Zwar haben Dienstnehmer die Möglichkeit, bei ,berücksichtigungswürdigen Interessen', beispielsweise der Kinderbetreuung, die Mehrarbeit abzulehnen - viele machen von diesem Recht jedoch keinen Gebrauch, weil sie fürchten, dass ihnen dann die Kündigung droht." Unabhängig von Überstunden verdichte sich die Arbeit in der Teilzeitanstellung ohnehin, bemerkt auch Preisig: "In der geringeren Stundenanzahl einer Teilzeitanstellung ist im Vergleich zum Vollzeitjob häufig eine entsprechend höhere Produktivität gefragt, um die anfallenden Aufgaben zu meistern."

Teilzeitbeschäftigung ist nicht immer eine freie Entscheidung

Besonders hart treffen diese Nachteile wohl, wenn die Entscheidung, weniger als Vollzeit zu arbeiten, nicht freiwillig getroffen wurde. So gaben zwei von zehn Männern und drei von zehn Frauen in Teilzeit an, keine Vollzeitstelle gefunden zu haben. "Hier ist es wichtig, die rechtliche Lage von Teilzeitkräften zu verstärken, auf Vollzeit aufzustocken", sagt Preisig. 35 Prozent reduzieren ihre Arbeitszeit für die Betreuung ihrer Kinder- nach wie vor in der Hauptsache Frauen. Für ein Mehr an Freizeit in eine Teilbeschäftigung übergewechselt haben laut eigenen Angaben hingegen deutlich mehr Männer als Frauen. Gemein haben beide Geschlechter, dass besonders im höheren Alter eine Teilzeitanstellung zunehmend bevorzugt wird.

Tipps von der Expertin

Arbeitspsychologin Silvia Huber vom AMD - Zentrum für gesundes Arbeiten, gibt im Interview sinnvolle Tipps zum Thema "Teilzeitjobs".

Was kann man als Teilzeitbeschäftigter tun, um die eigene Situation zu verbessern?
Wer in Teilzeit arbeitet, sollte sowohl die vertraglichen und finanziellen Bedingungen als auch die Erwartungen mit dem Betrieb gemeinsam klären. Werden die Leistungserwartungen bei Teilzeitanstellungen angepasst? Ist es möglich, eine höhere Selbstverantwortung, selbstständige Informationsbeschaffung oder auch mehr Flexibilität umzusetzen? Empfehlenswert ist dabei auch, die Pausengestaltung im Sinne von Kurzpausen zu klären und sich bewusst Informations- und Austauschzeiten mit Kollegen zu strukturieren und zu planen. Auch das Thema der Arbeitsdichte ist im Vorfeld zu klären.

Haben Sie dafür ein Beispiel?
Wenn etwa eine Frau ihre Kinder zu einer bestimmten Zeit vom Kindergarten abholen muss und dringende Mehrarbeit ansteht, muss geklärt werden: Wie wird das dann gehandhabt? Wer übernimmt diese Arbeit dann im Betrieb? Sind hier Vertretungsregelungen innerbetrieblich konkret geklärt worden? Wer ist dafür verantwortlich? Im Vorfeld müssen hier die konkreten Zuständigkeiten definiert werden. Genau hierbei kommt der Führung eine besondere Rolle zu.

Ist von einer Teilzeitanstellung allgemein abzuraten?
Nein, Teilzeitanstellungen sind ein zunehmendes Gestaltungsmittel im Umgang mit dem demografischen Wandel. Bei einer guten und transparenten Einführung innerhalb des Betriebs kann Teilzeit gelingen.


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Aufgerufen am 05.12.2019 um 08:13 auf https://karriere.sn.at/karriere-ratgeber/arbeitswelt/teilzeit-vor-und-nachteile-eines-teilzeitjobs-59687800

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