Arbeitswelt

Rechtlich gut abgesichert in den Urlaub

Was es für Unternehmen wie Belegschaft zu beachten gilt? Hier gibt's die Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Das Wichtigste zuerst: Nein, im Urlaub müssen Sie für Ihre Chefin oder Ihren Chef nicht erreichbar sein. Im Gegenteil: Eine Rufbereitschaft etwa ist mit dem Urlaubszweck absolut unvereinbar, klären Birgit Kronberger und Rainer Kraft vom Vorlagenportal für Arbeitsrecht und Personalverrechnung auf: "Dieser ist laut einschlägiger Judikatur der Arbeitsgerichte nämlich die Erholung, die freie Entfaltung der Persönlichkeit, die Weiterbildung sowie die Lebensbereicherung für die Arbeitnehmer." Das heißt: Im Urlaub können Smartphone, Firmenlaptop & Co. getrost abgeschaltet bleiben.

Wird im Urlaub trotzdem gearbeitet - mit Einverständnis des Unternehmens wohlgemerkt -, stellt sich die Frage, wie wirksam der Urlaub tatsächlich ist. Das Unternehmen riskiert dann, dass zumindest ein Teil des vereinbarten Urlaubszeitraums als nicht konsumiert gewertet wird und daher nicht vom Urlaubskonto abgebucht werden darf.

Voraussetzung für den Urlaub: Individuell und beidseitig vereinbart

Der Urlaub muss im Normalfall immer zwischen Belegschaft und Unternehmen vereinbart werden. Und zwar individuell. Die gängige Praxis, dass ein Betrieb für einige Wochen im Jahr zusperrt und für diese Zeit einen Betriebsurlaub anordnet, stehe arbeitsrechtlich auf sehr wackeligen Beinen, so die Fachleute. Eine individuelle Urlaubsvereinbarung könne aber auch dadurch zustande kommen, dass die einzelnen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dem Betriebsurlaub zustimmen. Was etwa bereits der Fall ist, wenn sie einen per E-Mail-Aussendung angekündigten Betriebsurlaub widerspruchslos zur Kenntnis nehmen und tatsächlich zu Hause bleiben. Genauso könne ein jährlicher Betriebsurlaub bereits im Dienstvertrag verankert werden.

Einfach auf eigene Faust Urlaub anzutreten ist jedenfalls unzulässig und könnte zu einer fristlosen Entlassung wegen unentschuldigten Fernbleibens vom Dienst führen. Genauso ist ein einmal vereinbarter Urlaub für beide Seiten verbindlich. Er kann nicht mehr von einer Partei widerrufen werden. Ausnahmen: wenn die Mitarbeiterin bzw. der Mitarbeiter oder ein naher Angehöriger krank wird oder wenn es darum geht, schweren wirtschaftlichen Schaden für das Unternehmen zu vermeiden. Darunter fällt beispielsweise der drohende Verlust eines Großauftrags, nicht jedoch jeder Personalengpass, wenn Kolleginnen oder Kollegen krank werden. Verzichten Beschäftigte auf Wunsch des Unternehmens auf ihren Urlaub, muss der Betrieb für Urlaubsreisen, die diese bereits gebucht hatten, etwaige Stornokosten übernehmen.

Was passiert, wenn ich im Urlaub krank werde?

Ihr Urlaub wird bei Krankheit unterbrochen, wenn die Erkrankung länger als drei Kalendertage dauert. Voraussetzung ist, dass der Krankenstand nicht grob schuldhaft herbeigeführt wurde, die Beschäftigten den Krankenstand unverzüglich melden und, sobald sie zurück im Dienst sind, eine ärztliche Krankschreibung vorlegen.

"Die Krankheit verlängert den Urlaub übrigens nicht. Wann die krankheitsbedingt versäumten Urlaubstage konsumiert werden, müssen Arbeitgeber und Arbeitnehmer neu vereinbaren", betonen Kronberger und Kraft.

Wer im Ausland erkrankt oder einen Unfall hat, muss nach der Rückkehr die ausländische Krankschreibung ehestmöglich der Krankenkasse in Österreich vorlegen. Diese prüft den Antrag und stellt daraufhin eine österreichische Krankenstandsbestätigung aus. Liegt das Land außerhalb der EU bzw. des Europäischen Wirtschaftsraums, muss man - neben dem Attest der ärztlichen Praxis - eine behördliche Bescheinigung vorlegen, mit der bestätigt wird, dass das behandelnde medizinische Personal zur Ausübung seines Berufs befugt ist.

Kann ich während meines Urlaubs gekündigt werden?

Achtung! Beschäftigte können während ihres Urlaubs durchaus gekündigt werden. Größte Hürde für das Unternehmen: die Zustellung des Schreibens. Ist der bzw. die Beschäftigte nämlich nicht zu Hause, kann sie bzw. er natürlich nicht mit einer Kündigung rechnen. Das Schreiben gilt daher erst dann als zugegangen, wenn es entgegengenommen werden kann. Dies ist im Falle eines postalisch hinterlegten Einschreibens der nächste Postöffnungstag nach der Rückkehr von der Urlaubsreise.

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