Arbeitswelt

Pflege und Buchhaltung: Umsteigen in einen Mangelberuf

Pflegebereich und Buchhaltung: Zwei Umsteiger aus Salzburg erzählen, warum sie ihre bisherigen Berufe gegen einen Mangelberuf getauscht haben.

Ulrich Gsenger wechselte in die Pflege, wo er auch Angehörige von dementen Senioren berät. Umsteiger sollten finanziell stärker unterstützt werden, findet er.  SN/diakoniewerk salzburg
Ulrich Gsenger wechselte in die Pflege, wo er auch Angehörige von dementen Senioren berät. Umsteiger sollten finanziell stärker unterstützt werden, findet er.

Mehr und mehr Berufe landen auf der Liste der Mangelberufe, im März waren es bereits 80. Für sie finden Arbeitgebende nur noch sehr schwer Personal. Zu den früher technischen und naturwissenschaftlichen Berufen sind mittlerweile auch Gastronomie, Pflege sowie manche Büroberufe dazugekommen.

Arbeitslosengeld für die Umschulung in einen Mangelberuf

Wird ein Beruf seitens der Politik zum Mangelberuf erklärt, kann für die Zeit etlicher Umschulungskurse Arbeitslosengeld/Notstandshilfe bezogen werden ("Fachkräftestipendium"). In Salzburg sind derzeit laut AMS 445 Fachkräftestipendien vergeben. Der Sozialbereich dominiere, sagt Sprecher Stefan Tschandl. "Die meisten Fachkräftestipendien werden für Pflegefachassistenz bezogen, gefolgt von der (diplomierten) Krankenpflege und der Schule für Sozialbetreuungsberufe. Für Ausbildungen, die länger als 120 Tage dauern, gibt es daneben den ,Bildungsbonus' von vier Euro pro Tag." Auf die Frage, ob mehr Zuschüsse nötig wären, damit sich Umsteigerinnen und Umsteiger eine Umschulung leisten können, hält sich die AMS-Leitung zurück. Es sei eine politische Entscheidung, ob etwa das Arbeitslosengeld angehoben und sukzessive gesenkt werden wird.

Bildungsscheck des Landes Salzburg ersetzt die Hälfte von Kurskosten

Wer die Möglichkeit hat, nebenberuflich einen neuen Beruf zu erlernen, kann für etliche Kurse den "Bildungsscheck" des Landes Salzburg erhalten. Dieser ersetzt 50 Prozent der Kurskosten - bis zu 1000 Euro. Carina Schnaitl hat diese Möglichkeit für ihren Umstieg in den Mangelberuf Buchhaltung genutzt. Sie hat nach der HAK-Matura etliche Jahre in einer Fahrschule Kunden beraten und das Büro organisiert. Zahlen abzugleichen mochte sie schon damals. Mit Anfang 30 dachte sie über einen Umstieg nach: "Da war ich an einem Punkt, wo ich mir gesagt habe: Entweder ich verändere mich jetzt oder nicht mehr." Die Büroangestellte schrieb sich in einen Rechnungswesenkurs am BFI Salzburg ein. "Nach diesem Kurs wollte ich wirklich in den Beruf Buchhaltung wechseln und habe noch den Diplomlehrgang Buchhaltung gemacht und heuer im März mit Auszeichnung beendet", erzählt sie.

Bild: SN/rita schnaitl
Ich wollte mich verändern. Buchhaltung finde ich vielseitig.
Carina Schnaitl, Buchhalterin

Eine freie Stelle fand Carina Schnaitl schnell. Ihre Abschlussprüfung machte sie an einem Samstag und schon am Dienstag darauf begann sie bei der Sportmarken-Großhandelsfirma Oberalp Austria in Bergheim als Buchhalterin zu arbeiten. Schnaitl ist für die Debitorenbuchhaltung, Bankbuchungen, Einzüge und den Mahnlauf zuständig. "Es geht um alles, was einerseits die Kunden für Sportkleidung einzahlen und was wir andererseits bezahlen, zum Beispiel für Strom, Miete und so weiter. Ich gleiche die Rechnungen aus", beschreibt sie. Eintönig sei ihre Arbeit keinesfalls. Buchhaltung ist für sie ein vielseitiger Beruf. Sie bekomme von allem etwas mit. "Man muss sich mit Kollegen kurzschließen und im Team Sachen abstimmen und abklären. Mir macht die neue Arbeit Spaß", sagt sie. Die beiden BFI-Kurse zu 50 Prozent (rund 1000 Euro) aus eigener Tasche zu zahlen habe sich gelohnt. Immerhin verdiene sie jetzt etwas mehr als in ihrem früheren Beruf.

Pflege: Umstieg finanziell noch schwierig

Zeitlich und finanziell aufwendiger war Ulrich Gsengers Umstieg vom Hörgeräteakustiker in die Pflege. "Ich habe mit Mitte 20 über das AMS den 14-monatigen Pflegehelferkurs (heute Pflegeassistenz) in Vollzeit gemacht. Das Arbeitslosengeld hat nicht zum Leben gereicht. So musste ich abends im Callcenter jobben und mir blieb wenig Zeit zum Lernen", schildert der 45-Jährige. Dass er später das Krankenpflegediplom machen konnte, ging nur, weil man ihm in der Arbeit half und letztlich Arbeitgeber und eine EU-Förderung die Ausbildung finanzierten - die Praktika blieben unbezahlt und waren in der Freizeit zu machen. Umsteiger in die Pflege müssten endlich während der Pflegeausbildung genug Geld zum Leben bekommen, zeigt sich der Diplompfleger, der heute die Tagesbetreuung der Diakonie in Salzburg-Aigen leitet, überzeugt.

Er sieht Umschulungen als normale Wendung in einem 40 bis 50 Jahre dauernden Erwerbsleben. "Mit 19 wusste ich noch nicht, wo ich hingehöre. So kam es zu meiner Hörgeräteakustiklehre. Die Arbeit war anfangs gut. Doch dann hätte ich Kunden vor allem möglichst teure Hörgeräte verkaufen sollen, da bin ich umgestiegen." Nach einiger Zeit in einem Seniorenheim, wo er sich bis zum Pflegedienstleiter hochgearbeitet hat, übernahm Gsenger die Stelle in der Diakonie-Tagesbetreuung.

Er leitet heute ein Team von elf Angestellten, berät Angehörige von Demenzpatienten und unterrichtet an der BFI-Krankenpflegeschule Qualitätsmanagement. Die Ein- und Umsteiger dort kämen aus allen Altersstufen, sagt Gsenger. Gerade die Älteren könnten Senioren oft besser "abholen". Sie brächten Ruhe ins Team, die Jungen dagegen Wirbel und beides werde in der Altenarbeit gebraucht. Er schätzt die Pflegearbeit: "Ich finde es schön, wenn ich abends meinem Mann erzähle, dass ich Gutes tue und dabei Geld verdiene", so Ulrich Gsenger und ergänzt: "Es ist die Arbeit am Menschen und das, was direkt zurückkommt." Die Pflege sei etwas Besonderes, legt er auch Berufseinsteigern ans Herz: "Du kannst in der Intensivstation arbeiten, in einer Augenabteilung oder einem Senioren-Tageszentrum. Jede Station hat andere Zielsetzungen, der Pflegeberuf bietet auf jeden Fall Abwechslung."

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