Arbeitswelt

Periodensystem der Führung - Was macht eine gute Führung aus?

Eine wissenschaftliche Analogie, um die "Elemente" guter Führung aufzuzeigen.

Das Periodensystem der Führung. SN/wu wien
Das Periodensystem der Führung.

Der irische Schriftsteller George Bernard Shaw hat etwas gesagt, das nicht besser auf modernes Leadership zutreffen könnte: ,Der einzige Mensch, der sich vernünftig benimmt, ist mein Schneider. Er nimmt jedes Mal neu Maß, wenn er mich trifft, während alle anderen immer die alten Maßstäbe anlegen in der Meinung, sie passten auch heute noch'", meint Helga Pattart-Drexler. "Und genauso verhält es sich mit guten Führungskräften. Auch wenn es wie im Periodensystem einzelne Elemente gibt, die ,gute Führung' ausmachen, so ist auch Leadership ständiger Veränderung unterworfen. Und das gilt insbesondere in Zeiten digitaler Transformation." Pattart-Drexler, ihres Zeichens Head of Executive Education der WU Executive Academy, hat die einzelnen Gruppen der Führungs-Elemente unter die Lupe genommen. Die Wissenschafterin der Wirtschaftsuni Wien erklärt, warum es auch im Periodensystem der Führung vier Aggregatzustände gibt und was gute Führung ausmacht.

Fest, flüssig, gasförmig und plasmaförmig

Zum "festen" Aggregatzustand zählen die Hard Skills: jene Fähigkeiten, die man sich bei Aus- und Weiterbildungen aneignet. Laut Wirtschaftsuni ist dieses Wissen überprüfbar, abgrenzbar und kann meist leicht erlernt beziehungsweise verbessert werden. Dazu gehören unter anderem:

Unternehmensführung (Uf): Um einen Betrieb erfolgreich leiten zu können, sollte die Führungskraft strategische Führungskompetenzen mitbringen, die sich nicht nur um den Profit drehen. Es zählen also nicht nur klassische Bereiche wie Finanz- und Personalwesen, ein guter Chef verliert auch die sozialen und ökologischen Einflüsse des Unternehmens nicht aus den Augen.

Digitalkompetenz (Dg): Digitale Kompetenz umfasst grundlegendes Programmierverständnis, um mit Fachleuten auf Augenhöhe kommunizieren zu können. Digital kompetente Führungskräfte haben die Fähigkeit, neue Technologien und Zusammenhänge zu verstehen und daraus dementsprechende Strategien für das Unternehmen abzuleiten.

Change-Management-Kompetenz (CMk): Nichts ist so beständig wie die Veränderung - mit neuen Einflüssen gelassen umgehen zu können und diese im positiven Sinne zu nutzen ist eine Fähigkeit, die in Führungspositionen benötigt wird.

Analyse- und Interpretationsfähigkeit (Ay und Ip): Um Themen inhaltlich auf den Grund zu gehen, braucht es logisches und abstraktes Denkvermögen. Eine der grundlegendsten Fähigkeiten, die Vorgesetzte mitbringen sollten.

Techniken zur Weiterentwicklung

Vom Aggregatzustand "flüssig" spricht man, wenn es um die Methodenkompetenz geht. Dabei handelt es sich um die Auswahl der richtigen Techniken, wenn man sich und seine Mitarbeiter weiterentwickeln will, um Probleme zu lösen. Vor allem in Bezug auf die Digitalisierung wird Methodenkompetenz bei Führungskräften immer wichtiger. Dazu gehören:

Wissensmanagement (Wi): Hier geht es darum, existierendes betriebliches Wissen strategisch zu vernetzen. Ebenso Wissen von extern, also Kunden und Lieferanten, aufzubauen und in neue Prozesse und Geschäftsfelder umzuwandeln.

Selbstführung (Sf): Über die eigenen Fähigkeiten und Kompetenzen Bescheid zu wissen und reflektiert zu agieren sind elementare Bestandteile der Selbstführung. Nur wer sich selbst "führen" kann, ist in der Lage, andere zu leiten.

Teamentwicklungskompetenz (Tw): Geht es um die Zukunft, wird einer der wichtigsten Skills sein, Teams zu entwickeln und begleiten zu können. Chefs brauchen daher das Know-how, um beispielsweise Workshops selbst gestalten zu können. Im Fokus stehen sollten dabei unter anderem gemeinsame Visionen und Stärkenorientierung.

Empowerment (Ep), Motivation (Mo): den Fokus auf die Kompetenzen der Mitarbeiter setzen, um diese ebendort zu fördern.

Die Soft Skills des Vorgesetzten

Ist vom Aggregatzustand "gasförmig" die Rede, spricht man von den Soft Skills einer Führungskraft. Das heißt: persönliche Werte, Eigenschaften, soziale Kompetenz -
Fähigkeiten, die allesamt die Persönlichkeit einer Person ausmachen. Im Konkreten:

Entscheidungsfähigkeit (En): Entscheidungen müssen in der Chefetage täglich getroffen werden, dazu braucht es auch ein wenig Mut, um voranzukommen. Ebenfalls gehört zur Entscheidungsfähigkeit, Beschlossenes, das sich als nicht richtig herausgestellt hat, wieder zu revidieren und neu zu entscheiden.

Resilienz (Rs): Darunter versteht man die Fähigkeit einer Person, Belastungen und negative Einflüsse im positiven Sinne handhaben zu können. In diesem Zusammenhang kommen der proaktiven Form Agilität und der passiven Form namens Robustheit große Bedeutung zu.

Konflikt- und Fehlerkultur (Kk und Fk): Auseinandersetzungen am Arbeitsplatz und unter Mitarbeitern sollten gute Führungskräfte offen begegnen und dabei lösungsorientiert handeln. Harmoniesucht und die Vermeidung von Konflikten sind hier fehl am Platz.

Lernbereitschaft (Lb): Nur wer selbst offen ist, Neues zu erlernen, kann sein Team weiterentwickeln. Dazu gehört, die Komfortzone auch einmal zu verlassen und sich sozusagen in unbekannten Gefilden zurechtzufinden.

Neue Führungsqualitäten

Weiters gibt es noch den Aggregatzustand "plasmaförmig" - hierzu zählen die neuen Leadership-Qualitäten, die es, wie in der Chemie, unter "extremen" Bedingungen braucht:

Offenheit (Of): Despoten haben heutzutage nichts mehr in Führungsetagen verloren, es reicht schon lange nicht mehr, nur die eigene Meinung durchzusetzen. Bei komplexen Entscheidungen sollten unterschiedliche Standpunkte und Erfahrungen miteinbezogen werden. Außerdem verbessert es die Zusammenarbeit, wenn Mitarbeiter an Entscheidungsprozessen teilhaben.

Mut (Mt): Ist der Vorgesetzte mutig, probiert Neues aus und geht konstruktiv mit Fehlern um, dann trauen sich auch Mitarbeiter, neue Bereiche zu erkunden und dabei eventuell auch Fehler zu machen. Mut ist der Grundstein für Innovation und neue Ideen.

Tatendrang (Td): Über Ideen zu lange zu verharren, ohne diese weiter voranzutreiben beziehungsweise Entscheidungen zu treffen, kann dem Unternehmen schaden. Rasch, flexibel und vorausschauend an Dinge heranzugehen ist demnach die Devise.

Wertschätzung (Ws): Fühlt man sich als Mitarbeiter ernst genommen, arbeitet man motivierter. Wertschätzung gegenüber dem Team ist daher ein wichtiger Punkt, wenn es um gute Führungskräfte geht.

Aufgerufen am 19.10.2019 um 04:03 auf https://karriere.sn.at/karriere-ratgeber/arbeitswelt/periodensystem-der-fuehrung-was-macht-eine-gute-fuehrung-aus-76786462

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