Arbeitswelt

Outplacement: Trennung im Guten

Von gut durchgeführten Trennungen profitieren Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Gerade in Krisenzeiten sollten Unternehmen frühzeitig über Jobabbau informieren.

Bei einvernehmlichen Trennungen profitieren beide Seiten. SN/kelly marken - stock.adobe.com
Bei einvernehmlichen Trennungen profitieren beide Seiten.

Was passiert mit mir, wenn in unserem Betrieb die Kurzarbeit ausläuft? Wird meine Stelle abgebaut? Wo finde ich wieder einen Job? Diese Fragen stellen sich seit Ausbruch der Coronapandemie vor einem Jahr viele. Doch mit betroffenen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern wird viel zu wenig darüber gesprochen, wie es für sie weitergeht. Wohin die persönliche Reise führt, mit dieser Frage bleiben die meisten Beschäftigten, die ihre Stelle verlieren, allein. Dabei ginge es besser.

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Professionelles Outplacement bringt Betrieben klare Vorteile
Alexander Norman, Unternehmensberater

Eine Möglichkeit bietet sogenanntes Outplacement. Bei dieser Art von Vermittlung engagieren Betriebe Fachleute, die den Beschäftigten, deren Stellen es nicht mehr geben wird, helfen, eine neue Stelle zu finden. Entscheiden sich Betriebe für ein professionelles Outplacement, profitieren neben den Beschäftigten auch sie selbst. Einer, der diese Botschaft seit Jahrzehnten vertritt, ist der Salzburger Unternehmensberater Alexander Norman. Er war am Aufbau der Outplacementfirma Drake Beam Morin (DBM) beteiligt, die 1989 in Österreich ihre Arbeit aufnahm. Nach mehr als 30 Jahren Tätigkeit im Outplacement stellt Norman fest, dass das Bewusstsein für professionelle Trennungen von Beschäftigten immer noch klein ist. Norman: "Es gibt zwar inzwischen rund 30 Firmen, die Outplacement exklusiv anbieten, aber in ganz vielen Betrieben ist das Thema noch immer nicht angekommen." So gingen beiden Seiten wertvolle Chancen verloren. Überrascht ein Management einen oder mehrere Beschäftigte damit, dass es deren Stellen abbaut, fühlen sich diese überrumpelt. Neben Zukunftssorgen erzeugt das Unternehmen dadurch eine schlechte Nachrede, sobald die Beschäftigten das Haus verlassen haben. Das Gegenteil, also Imagewerbung für ihr Haus erwartet Betriebe, die sich um weggehende Beschäftigte kümmern. Norman: "Ehemalige Beschäftigte sind draußen Botschafter. Die werden nicht schlecht reden. Im besten Fall halten sie den Kontakt und es entstehen neue Netzwerke zugunsten der Firma. Die Firma profitiert ökonomisch."

Newplacement: neue Stelle im gleichen Betrieb

Ab und zu gelingt es Beraterinnen und Beratern, statt eines geplanten Outplacements ein Newplacement umzusetzen - die Beschäftigten verlieren nicht ihre Stelle, sondern werden im Betrieb an anderer Stelle eingesetzt. Wenn Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nicht weiterbeschäftigt werden, erlebt Norman die ganze Bandbreite an Emotionen: "Der eine packt es, der andere hat Selbstmitleid, der Nächste weist dem Chef die Schuld zu. Es ist eine heikle Geschichte und erfordert viel Empathie." Das sei ein wesentlicher Unterschied zur Personalvermittlung, wo eher jemand einen neuen Job sucht, weil er zum Beispiel mehr Geld verdienen will.

Mittel für Outplacement ausreichend einplanen

Die Tatsache, dass ein bevorstehender Jobverlust vielen Leuten den Boden wegreißt, wird in Unternehmen häufig zur Seite geschoben. Firmen sollten daher ausreichend Mittel für Outplacement investieren. Um Betroffenen mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einem neuen Job zu verhelfen, seien wöchentliche Gespräche nötig. "Meine Erfahrung ist, dass pro Person wöchentlich zwei bis vier Stunden Betreuungsarbeit notwendig sind. In der Zeit suche ich gemeinsam mit ihr oder ihm nach Zukunftsperspektiven und helfe ihr oder ihm, ihre oder seine Netzwerke zu nutzen. In 90 Prozent der Fälle findet sie oder er einen passenden neuen Job", so der Outplacement-Fachmann. Wenn er die Arbeit aufnimmt, weiß die oder der Betroffene schon von der bevorstehenden Trennung. Gemeinsam sucht man einen neuen Job, etwa am verdeckten Stellenmarkt, der speziell für ältere und qualifizierte Personen Aussichten bietet. Norman: "Dabei geht es um Stellen, die noch nicht zur Neubesetzung ausgeschrieben sind, aber ziemlich sicher frei werden." Der Berater hilft dabei, solche Stellen zu finden: indem der Betroffene seine Netzwerke befragt, die Firmendatenbank der Wirtschaftskammer ansieht und ehemalige Arbeitskollegen fragt, wo sich was tun könnte. Oder man kreiert sich seinen eigenen Arbeitsplatz, indem man bei einem Betrieb einen bestimmten Bedarf erkennt - und die entsprechende Qualifizierung mitbringt. Norman: "Das ist nur eine kleine Nische, aber dieser potenzielle Stellenmarkt existiert."

Im Grunde gehe es bei Outplacement um Hilfe zur Selbsthilfe, den Aufbau neuer Motivation und die richtige Herangehensweise. Es hat wenig Sinn, 100 Bewerbungen auf offene Stellen zu schreiben, für die sich 500 Leute bewerben, findet Norman. Betroffenen erspare Outplacement also Aufwand. Unternehmen hätten neben guter Nachrede auch mehr Sicherheit, Beschäftigte in Krisen nicht zu verlieren. Norman: "Gute Leute spüren, wenn es kriselt, und gehen früher von Bord. Besonders dann, wenn die Firma nicht kommuniziert und Auftragsrückgänge und Ähnliches verheimlicht." Werde aber offen darüber gesprochen, die Belegschaft einbezogen und Outplacement gut gemacht, wirke diese Kultur positiv auf die Verbliebenen. Sie seien dann eher motiviert, gemeinsam den Karren aus dem Sumpf zu ziehen.

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