Arbeitswelt

Österreich gehen die Lkw-Fahrerinnen und -Fahrer aus.

Um dem entgegenzuwirken, hat der ÖAMTC eine maßgeschneiderte Ausbildung ins Leben gerufen.

Experten fordern, dass die Ausbildungsqualität für Berufsfahrerinnen und Berufsfahrer erhöht wird.  SN/HENADZY - stock.adobe.com
Experten fordern, dass die Ausbildungsqualität für Berufsfahrerinnen und Berufsfahrer erhöht wird.

Die Industrie- und Logistikbranche beklagt seit Jahren einen Mangel an Lenkerinnen und Lenkern. Auch dieses Berufsfeld sollte laut Experten attraktiver gestaltet und die Ausbildungsqualität erhöht werden. Hier kommt die Berufsfahrer-Akademie der ÖAMTC-Fahrtechnik ins Spiel: In Kooperation mit den Logistikunternehmen und mithilfe des Arbeitsmarktservice (AMS) sind angehende Berufsfahrerinnen und -fahrer bereits in der Ausbildungsphase in den Betrieben angestellt. Was macht diesen Bildungsweg aus und welche Kompetenzen müssen die angehenden Lkw-Profis mitbringen? Hermann Wirrer, Fahrtechnik-Experte des ÖAMTC, stand den "Salzburger Nachrichten" Rede und Antwort.

Welchen Stellenwert haben Berufsfahrerinnen und Berufsfahrer in der Gesellschaft? Hermann Wirrer: Lkw-Lenkerin beziehungsweise -Lenker ist aktuell ein Mangelberuf. Dabei ist dieser Job eine überaus sinnstiftende Tätigkeit und auch in Krisenzeiten ein sicherer Arbeitsplatz. Berufsfahrerinnen und -fahrer sind systemrelevant und für die Versorgung der Gesellschaft essenziell. Nicht nur die Lebensmittelbranche ist auf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit C-Führerschein und idealerweise mit Praxiserfahrung angewiesen. Das gilt insbesondere auch für alle Notfalldienste und Blaulichtorganisationen: Feuerwehr, Rettung oder andere ehrenamtliche Freiwilligendienste würden ohne erfahrene Lkw-Lenkerinnen und -Lenker nicht funktionieren.

Bild: SN/öamtc/houdek photography
Die Motivation, einen Beitrag für die Gesellschaft zu leisten, ist Voraussetzung.
Hermann Wirrer,Chefinstruktor Lkw und Bus, ÖAMTC-Fahrtechnik

Für wen ist die Berufsfahrer-Akademie geeignet? Diese Ausbildung richtet sich an alle Interessierten - unabhängig vom bereits erlernten Beruf. Der große Vorteil für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ist, dass sie während der Ausbildungsphase schon beim Unternehmen angestellt sind. Der Ausbildungsprozess bereitet sie auf den Arbeitsalltag vor und sie werden schon früh in das Team integriert.

Wie darf man sich diesen Bildungsweg konkret vorstellen? Die Berufsfahrer-Akademie der ÖAMTC-Fahrtechnik bietet eine fundierte und praxisnahe Komplettausbildung zur Berufsfahrerin beziehungsweise zum Berufsfahrer an. Das Ausbildungsprogramm ist als modulares System gestaltet, das speziell auf das Unternehmen abgestimmt werden kann.

Das heißt: Die Ausbildung startet in einer unserer Partnerfahrschulen oder einer Wunschfahrschule des Unternehmens mit dem Erwerb des C- beziehungsweise CE-Führerscheins. Bereits in dieser Ausbildungsphase wird Wert auf größtmögliche Praxiserfahrung gelegt. So sind zum Beispiel mehr Theorie- und Praxisstunden als die gesetzlich vorgeschriebene Mindestanzahl eingeplant. Dadurch werden die Teilnehmenden optimal auf die Führerscheinprüfung vorbereitet. Nach abgelegter Prüfung beginnt die Praxisausbildung bei der ÖAMTC-Fahrtechnik, welche unter anderem die Grundqualifikation und die Weiterbildung C95 für die nachfolgenden fünf Jahre beinhaltet.

Welche Module sind Teil dieser Praxisausbildung und worum geht es dabei? Unsere Ausbildung berücksichtigt sämtliche Bedürfnisse und Anforderungsprofile des Unternehmens an sein Fahrpersonal, um die bestmögliche Vorbereitung auf den beruflichen Alltag sicherzustellen. Je nach Anforderungsprofil wird in vier bis sieben Wochen unter anderem auch in zusätzlichen Bereichen wie Ladungssicherung, digitales Kontrollgerät oder Modulen wie Kran oder Stapler ausgebildet. Eines der Herzstücke ist natürlich das Praxistraining Fahren. Alle Teilnehmenden werden von einem Profi auf ihren Fahrten gecoacht. Es wird mit unterschiedlichen Beladungszuständen und verschiedenen Fahrzeugen auf unterschiedlichen Straßen geübt.

Umweltfreundliches Fahren ist in aller Munde: Welchen Part nimmt das im Rahmen der ÖAMTC-Ausbildung ein? In jedem Unternehmen mit eigenem Fuhrpark zählen die Wirtschaftlichkeit und die Umwelt beim Einsatz der Fahrzeuge zu essenziellen Themen. Kleinschäden und der Verbrauch der Fahrzeuge spielen hierbei allgemein eine große Rolle. So werden während der gesamten Ausbildungszeit bei nahezu allen Praxisfahrten und Trainings die Einhaltung eines wirtschaftlichen Fahrstils und die Anwendung der vorhandenen Assistenzsysteme trainiert beziehungsweise werden einzelne Module in dieser Ausbildung auch ausschließlich dem Thema Umwelt gewidmet.

Welche Voraussetzungen muss man mitbringen - welche Führerscheine braucht es zum Beispiel schon vorab? Die wichtigsten Voraussetzungen sind die Motivation, einen wesentlichen Beitrag für die Gesellschaft zu leisten, sowie Wissensdurst und die Lust auf ein neues, interessantes Berufsleben. Es müssen außer dem B-Führerschein keine weiteren Voraussetzungen erfüllt werden. Dieses Programm können auch Quereinsteigerinnen und Quer- einsteiger absolvieren, die schon im Besitz eines C- oder CE-Führerscheins sind, aber nicht aktiv in diesem Beruf tätig waren.

Wie kann man mehr Menschen dazu bringen, sich für den Job als Lkw-Fahrerin beziehungsweise Lkw-Fahrer zu motivieren? Das Berufsbild hat sich über die Jahre gewandelt und ist komplexer geworden: Moderne Lkw-Fahrerinnen und -Fahrer sind qualifizierte Fachleute für Güterbeförderung, besitzen digitale Kenntnisse, bringen Organisationstalent mit und übernehmen Verantwortung für Menschen und Waren.

Wertschätzung, geregelte Arbeitszeiten, unterschiedliche Arbeitszeitmodelle und eine entsprechende Entlohnung sind einige der Motivationsfaktoren. Eine fundierte Aus- und laufende Weiterbildung gehören ebenso dazu - man will ungern ins kalte Wasser gestoßen werden. Durch die praxisnahe Ausbildung soll es ein angenehmer, freiwilliger Sprung ins wärmere Wasser sein.

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