Arbeitswelt

Neuer Job nach der Krise - Wie schwer wird die Jobsuche?

Trotz großer Umsatzrückgänge wegen Covid-19 sind viele Betriebe optimistisch. Nach der Kurzarbeit drohen aber weitere Kündigungen. Wie schwer wird die Jobsuche?

Die Suche nach einem Arbeitsplatz wird schwerer.  SN/istockphoto/fermate
Die Suche nach einem Arbeitsplatz wird schwerer.

Stellensuchende werden sich nach der Covid-19-Krise mehr als bisher anstrengen müssen, um einen Arbeitsplatz zu bekommen. Damit rechnen 70 Prozent von rund 1800 Bewerbern, die die Recruitingplattform softgarden und die HR-Zeitschrift "Personalmagazin" in Deutschland kürzlich befragt haben. Rund 30 Prozent bewerben sich sogar, weil sich die Krise massiv auf ihre Arbeit ausgewirkt hat - durch Kurzarbeit, Kündigung oder schlechtere Beschäftigungsaussichten in ihrer Branche. Ähnlich wie in Deutschland ist in Österreich die Mehrheit der Betriebe stark von den Ausgangsbeschränkungen, Abstandsregeln und geringeren Budgets der Konsumenten betroffen. Mehr als 80 Prozent sehen sich stark oder sehr stark von der Krise betroffen. Das ergibt eine neue Studie unter 219 Unternehmen, darunter 90 ausgezeichnete Leitbetriebe, die "Leitbetriebe Austria" und das Marktforschungsinstitut Marketagent durchgeführt haben. Fast 30 Prozent der befragten Unternehmen rechnen mit Umsatzrückgängen von mehr als 30 Prozent, rund 57 Prozent mit Rückgängen bis zu 30 Prozent.

Unternehmen zeigen sich optimistisch

Die Stimmung ist aber nicht völlig im Keller, wie die Studie zeigt. Zwar rechnen 44 Prozent der Unternehmen damit, dass erst im nächsten Jahr oder noch später wieder normaler Geschäftsbetrieb herrschen wird. Doch geben sich in der Befragung mehr als 80 Prozent der Unternehmen optimistisch. Zwei Drittel gehen davon aus, dass ihr Betrieb sogar gestärkt aus der Krise hervorgehen wird. "Leitbetriebe Austria"-Geschäftsführerin Monika Rintersbacher: "Betriebe suchen neue Vertriebswege, setzen neue Produktideen um oder optimieren Produktions- und Verwaltungsabläufe. Manche entwickeln völlig neue Geschäftsmodelle."

Homeoffice und flexible Arbeitszeiten rücken in den Fokus

Die Krise habe bereits bei der Mehrzahl der Unternehmen zu Innovationen geführt. In mehr als 60 Prozent der Unternehmen (72 Prozent bei den Leitbetrieben) hat laut der Studie Covid-19 einen Digitalisierungsschub ausgelöst. Rund 54 Prozent betrachten Homeoffice und flexible Arbeitszeiten als wichtige Chance. Rund 40 Prozent der Betriebe geben an, die Krise habe Veränderungen angestoßen und beispielsweise betriebliche Abläufe verschlankt. Auch Neues dürfte entstehen: Mehr als ein Viertel beginnt derzeit damit, neue Geschäftsfelder zu erschließen. Eine positive Stimmung ortet auch der international tätige deutsche Personaldienstleister Haufe anlässlich einer aktuellen Umfrage unter 1600 Personen in Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Darin sehen drei Viertel gute Chancen für einen Übergang zum Regelbetrieb bis Jahresende.

Müssen Stellen nach der Krise auch noch abgebaut werden?

Insgesamt 15 Prozent der befragten Unternehmen im deutschsprachigen Raum sind laut der Studie existenziell bedroht. Nach der Kurzarbeit dürften weitere Arbeitsplätze verloren gehen. Wie stark österreichische Unternehmen Jobs abbauen werden, hat die Managementberatung Kienbaum Wien unter 188 Personen aus verschiedenen Branchen und Unternehmensgrößen erhoben. Ein Viertel der befragten Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern wird künftig Personal abbauen, zeigte die Befragung. Von den kleineren Unternehmen mit bis zu 50 Mitarbeitern haben nur zwölf Prozent vor, künftig Stellen abzubauen. Die Kurzarbeit, in der sich momentan rund 1,3 Millionen Erwerbstätige in Österreich befinden, erspart vielen fürs Erste den Arbeitsplatzverlust.

Doch was kommt nach der Covid-19-Krise?

Die Denkfabrik Agenda Austria sieht den Staat weiterhin gefordert. Etwa indem Kurzarbeit länger dauern dürfte als die derzeit genehmigten sechs Monate - eventuell aber die Arbeitszeit nur mehr bis zu 50 Prozent reduziert werden könne.

Entscheidend für die Dynamik auf dem Arbeitsmarkt seien Neueinstellungen, sagt Monika Köppl-Turyna, Ökonomin der Agenda Austria. Zu diesem Zweck solle die Politik die Lohnnebenkosten für neue Beschäftigung temporär senken. Die volle Streichung der Dienstgeberbeiträge für neue Jobs für ein Jahr koste bis April 2021 ungefähr zwei Milliarden Euro - ähnlich viel wie ein Anstieg der Arbeitslosigkeit auf 17 Prozent. Dieser sei zu befürchten, wenn die Neueinstellungen so verhalten weitergingen wie in den vergangenen zwei Monaten.

Quelle: SN

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