Arbeitswelt

Neue Geschäftsideen: mit ein paar Klicks ins Geschäft

Die Coronakrise hat in vielen den Erfindergeist geweckt. Bei manchen aus Überzeugung, bei anderen aus der Not geboren, entstehen neue Geschäftsideen.

Sarah Kochan hat gesunde Energy Balls entwickelt, die sie über ihren eigenen Webshop, aber auch über Klickland vertreibt.  SN/ricky knoll
Sarah Kochan hat gesunde Energy Balls entwickelt, die sie über ihren eigenen Webshop, aber auch über Klickland vertreibt.

Der Onlinehandel boomt und erfreulicherweise nicht nur bei den Branchenriesen. Seit Beginn der Coronapandemie haben sich eine ganze Reihe von findigen Leuten ein Herz gefasst und sich ein ganz neues wirtschaftliches Standbein geschaffen. Mit Überzeugung und Leidenschaft haben sie ihre eigenen Produkte entwickelt, die sich digital gut an den Mann und an die Frau bringen lassen.

Bis vor Kurzem noch ist beispielsweise Sarah Kochan jeden Sonntag in der Küche gestanden und hat fünf Stunden lang händisch ihre Kugerln gedreht. Nach monatelanger Suche hat sie einen Produzenten gefunden, bei dem sie die gewünschte Menge an "Wholyfood Energy Balls" herstellen lassen kann. Im Februar ist sie mit ihrer Marke professioneller ins Geschäftsleben gestartet.

Energy Balls: wie Müsliriegel, nur rund

Das Jahr 2020 hatte ihr die Zusammenarbeit mit einen Großabnehmer aus dem Hochleistungssport beschert, für den sie nun pro Monat 1000 Stück dieser kleinen Energiebringer liefert. "Sie sind ähnlich wie Müsliriegel, aber halt rund", gesteht sie lächelnd. Der Großkunde war von der Zusammensetzung und den Nährwerten derart begeistert, dass er die vorherigen Müsliriegel aus dem Sortiment verbannte und nun nur mehr auf diese Energiekugeln setzt.

Müsliriegel enthalten üblicherweise viel zu viel Zucker und zu viel (ungesundes) Fett. Wochenlang hat sie selbst herumexperimentiert und an ihren Rezepturen getüftelt. Der Ernährungscoach des Großabnehmers steuerte ebenfalls Tipps für die Zusammensetzung bei. Ins "Rennen" geschafft haben es "Brain Bites" Kakao-Nuss mit Hafer und Matcha, "Immune Bites" Apfel-Zimt mit Chia und Kurkuma sowie "Beauty Bites" Beere-Kokos mit Goji und Acai. "Ich verwende Datteln statt Zucker, gesunde Fette aus Mandeln, Samen, Nüssen und Haferflocken sowie zusätzlich Beeren, Kokos, Kakao oder Matcha-Pulver, aber auch Karotten machen sich gut."

Entwickelt hat Sarah Kochan, gebürtige Kölnerin, die gesunden Produkte aus einer persönlichen Betroffenheit. Die Liste ihrer ehemaligen gesundheitlichen Probleme ist lang und eindrucksvoll: Darmverschlingung, Schwangerschaftsdiabetes während der Schwangerschaften zu ihren beiden Töchtern, eine anschließende Niereninsuffizienz sowie ein viel zu hoher Langzeit-Blutzuckerwert machten eine mehrfache Ernährungsumstellung nötig. "Meine beiden Kinder sind gottlob gesund geboren, aber bei ihnen besteht ebenso wie bei mir eine 60-prozentige Gefahr, Diabetes Typ 1 zu entwickeln. Dem wollte und musste ich vorbeugen."

16 Jahre lang hatte die studierte Betriebswirtin in Deutschland als Marketing- und Vertriebsmanagerin im Konsumgüterbereich gearbeitet. Anfang 2019 übersiedelte sie mit ihrem Mann nach Salzburg, nachdem er hier ein gutes Jobangebot erhalten hatte. "So habe ich hier eine Ausbildung zur Ernährungsberaterin absolviert und mir dieses Wissen zunutze gemacht. Einerseits für die persönliche Ernährungsumstellung, andererseits, um die gesunden Snacks zu entwickeln, vor allem für die Kinder."

Die Coronakrise tat ihr Übriges dazu, dass sie - von ihrer Idee überzeugt - das Geschäftsmodell auf solide Beine stellte. Neben den Energy Balls hat sie in die Produktlinie auch noch einige weitere gesunde Tees, Pulver, Öle und Samen aufgenommen. Den Vertrieb organisiert sie über Social Media, einen eigenen Wholyfood-Webshop und über den Onlinemarktplatz Klickland.

Klickland - ein Onlinemarktplatz aus Salzburg

Klickland - entwickelt von Birgit Krejci und Klaus Sampl - ist ebenfalls in Salzburg entstanden und hat in mehrerer Hinsicht mit der Coronapandemie zu tun.

Birgit Krejci, Musik- und Tanzpädagogin am Musikum Salzburg, hatte in der Kurzarbeit viel weniger Stunden in ihrer Lehrverpflichtung. "Es gestaltet sich alles sehr unsicher, denn ich habe nur eine sehr geringe fixe Stundenanzahl, für die anderen Einheiten läuft der Vertrag immer nur ein Jahr. Da wird es mit drei Kindern auch finanziell schwierig", schildert sie. "Überdies habe ich mich schon seit geraumer Zeit für den digitalen Bereich interessiert und mich vor allem mit Bildsprache, Design, Fotos und Bildbearbeitung beschäftigt."

Bild: SN/ricky knoll
Unser Onlinemarktplatz soll eine Ergänzung sein.
Birgit Krejci und Klaus Sampl, Klickland

Für Klaus Sampl, Grafiker, Webdesigner, Programmierer und Inhaber von DGTO, einer Agentur für Webdesign, Webshops und Logodesign, war schon während des ersten Lockdowns 2020 klar, dass er einen digitalen Marktplatz entwickeln wollte. "Birgit war gleich begeistert und so haben wir ziemlich rasch in der Freizeit etwas auf die Beine gestellt. Nach einer gründlichen Überarbeitung des Konzepts sind wir im November online gegangen." Zusätzlich kristallisierte sich das Desaster rund um die Plattform Kaufhaus Österreich heraus. "Wenn man bedenkt, um wie viel günstiger wir unseren Marktplatz erstellt haben, der noch dazu funktioniert, da könnte man schon ins Grübeln geraten", gibt er zu.

Monatliches Abonnement

Klickland ist ein Onlinemarktplatz, der aus vielen einzelnen kleinen Webshops besteht. Er stellt kleinen Firmen oder Einzelunternehmen rasch, unkompliziert und günstig Platz auf der Seite zur Verfügung. "Vor allem Neulinge haben oft nicht die finanziellen Mittel, aber auch nicht die Expertise oder die Zeit, einen eigenen Webshop aufzubauen. Innerhalb weniger Stunden ist das kleine digitale Geschäft eingerichtet. Wir achten vor allem darauf, dass sich die Teilnehmer in guter Gesellschaft befinden, indem wir insbesondere gesunde, fair produzierte, selbst designte, heimische Produkte aus kleinen Manufakturen bei uns versammeln. Die also nachhaltig auf mehreren Ebenen sind", erläutert Sampl.

Provision verlangt Klickland nicht, sondern einen Fixpreis pro Monat, je nach Paketgröße. Die Zahlungsabwicklung funktioniert über ein Plug-in, das bereits im Paket enthalten ist, jeder Händler hat sein eigenes Konto. "Wir sehen uns nicht als Konkurrenz zu den einzelnen Unternehmen, sondern als Ergänzung, als Vermittlungsplattform und Marketingtool, bieten eine Präsentationsfläche, einen Mehrwert. Weil wir viele unterschiedliche Branchen versammeln, steigert sich die Bekanntheit allein durchs Dabeisein." Die Plattform soll in nächster Zeit beständig wachsen, auch an eine Ausweitung auf deutsche Bundesländer ist gedacht.

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