Arbeitswelt

Mein Weg: Win-win-win mit Mentoring für Jugendliche

Wie das Social-Start-up Sindbad zum gefragten Partner für Betriebe und Staat wurde. Salzburger Gründer Joseph Kap-herr eröffnet 2021 auch in Salzburg einen Mentoring-Standort.

Führen will gelernt sein. Das erkennt man in immer mehr Unternehmen. High-Potential-Programme bereiten ambitionierte Mitarbeitende auf diese Aufgabe vor. Seit 2016 geht das auch über Schülermentoring des Sozialunternehmens "Sindbad - Mentoring für Jugendliche".

Vorteile für Unternehmen, Mitarbeiter und Jugendliche

Die Möglichkeit nutzen bereits mehr als 30 österreichische Unternehmen und öffentliche Einrichtungen. Sie schätzen die Win-win-win-Situation. Die Unternehmen profitieren davon, dass ihre jungen Talente Führungskompetenzen entwickeln und Einblick in die Lebenswelt von (benachteiligten) Jugendlichen bekommen haben. Die Firmenmitarbeiter nutzen ihre Mentorenrolle zur Persönlichkeitsentwicklung. Viele erfüllt es auch sehr, einen Beitrag für die Gesellschaft zu leisten. Und die (derzeit knapp 400) Schülerinnen und Schüler entwickeln mit dem persönlichen Begleiter an ihrer Seite Selbstvertrauen und nehmen nach den acht oder zwölf Monaten 1:1-Betreuung idealerweise eine passende Lehrstelle an oder setzen ihre Bildungslaufbahn in einer weiterführenden Schule fort.

Bild: SN/privat
Seit dem Schullockdown werden wir noch stärker angefragt.
Joseph Kap-herr, Gründer Social-Start-up Sindbad

Gerade in der Coronazeit mit Schulschließungen und Schichtbetrieb und drohender massiver Jugendarbeitslosigkeit finden viele der Mentees in ihren Mentorinnen und Mentoren einen wichtigen Anker, um nicht abzudriften. Das Sindbad-Angebot wird geschätzt. Neben Partnerunternehmen gibt es seit dem Vorjahr auch mit dem Bildungsministerium eine intensive Zusammenarbeit.

Joseph Kap-herr ist einer von "30 unter 30"

Joseph Kap-herr kam kürzlich unter die "30 unter 30" in Österreich, die Kür des Magazins "Forbes" der herausragenden Wirtschaftstalente, die unter 30 Jahre alt sind. Der Gründer hat aufs richtige Pferd gesetzt. Dabei wollte der Salzburger eigentlich Anwalt werden. Der heute 29-Jährige wuchs in Anif und in der Stadt Salzburg auf, wo er nach der Volksschule ins Privatgymnasium Borromäum ging. "In der Unterstufe habe ich schnell erkannt, dass ich kein Einserschüler bin. Deshalb bin ich nach der vierten Klasse in die neu gegründete Caritasschule gewechselt", erzählt Kap-herr. Dort habe er sich erst einmal fantastisch gefühlt, weil alles freier und alternativer als im katholischen Bubengymnasium gewesen sei. Die soziale Ausrichtung der Schule sei ihm aber auch zu viel geworden. "Mit Matura und Diplom in Sozialmanagement wurden wir auf eine soziale Laufbahn vorbereitet. Nach der Schule hatte ich einen sozialen Overkill und wollte dann eigentlich etwas ganz anderes machen", erzählt er. Zu dieser Zeit wollte Kap-herr Rechtsanwalt werden. Doch da der Schulsprecher politisch interessiert war, wurde es Politikwissenschaft. Besonders die Arbeit als Landesgeschäftsführer bei den neu gegründeten Neos faszinierte den jungen Studenten für das politische Geschehen. Kap-herr: "Ich hatte dort viel mit den Themen Arbeitsmarkt und Jugendarbeitslosigkeit zu tun. Die Politik brachte mich dazu, eine Firma in diesem Bereich zu gründen. Das habe ich gemeinsam mit meinen Studienkollegen Andi Lechner und Matthias Lovrek getan." Alle drei jungen Männer waren leidenschaftlich an einer Frage interessiert: Wie treten Jugendliche in den Arbeitsmarkt, in den ersten Job - oder in die Arbeitslosigkeit ein? Diese Frage mit einem wirtschaftlichen Gerüst zu verbinden lag für den Salzburger auf der Hand:

Das Trio beschloss, einen Testballon zu starten, und stellte sich der Initiative "Teach for Austria" vor. Der gefiel die Idee der drei Studenten, die sich als Mentoren für Wiener Mittelschüler ausprobieren wollten. Der Versuch an einer Brennpunkt-Mittelschule in Wien-Ottakring glückte. Die drei sahen, ihre Idee wird gebraucht, und gründeten einen Verein und eine GmbH. Kap-herr über den Start: "Es war wichtig, ein Gefühl zu kriegen, was die Jugendlichen brauchen. Vieles kann man sich dann von verschiedenen Mentoringprogrammen abschauen. Danach haben wir viele Klinken geputzt und jede Woche mit zehn Leuten geredet, um uns mehr Wissen anzueignen. Wir hatten keine Ahnung, was ein Budgetplan ist und wie man eine Bilanz schreibt." Mit den vielen Gesprächen änderte sich das rasch. Ein Trainer, der ebenfalls um Tipps gefragt wurde, hatte die Idee zum Firmennamen: Sindbad - wie der Seefahrer, der auf seinen Reisen viele Kulturen verbunden und Abenteuer erlebt hat.

Die Idee zu finanzieren, war eine Herausforderung

Als schwierig erlebten die Jungunternehmer die Finanzierung ihrer Idee. Es war in Österreich noch recht unbekannt, einen Bogen zwischen einem Sozialverein und einem klassischen Angebot (Persönlichkeitsentwicklung) zu schlagen. Mittlerweile zahlen Firmen gerne die 1900 Euro (inklusive Trainingseinheiten) pro Mitarbeiter, den sie als Sindbad-Mentor auf die Reise schicken.

"Als Personalist habe ich in 20 Jahren noch nichts Besseres gesehen. Wir können das (was sie als Mentoren lernen) in Führungserfahrung umlegen", sagt der Wien-Energie-Personalleiter Peter Krtschal zur Kooperation mit dem Sozialunternehmen. Dieses finanziert sich in seinem sechsten Jahr zu je einem Drittel durch die öffentliche Hand, Firmen und private Spenden. 17 Mitarbeiter (von Vollzeit bis geringfügig) arbeiten an den drei Standorten Wien, Wiener Neustadt und Graz. In der Startphase befinden sich die neuen Standorte Linz und Innsbruck.

Ab Herbst gibt es Sindbad auch in Salzburg

Diesen Herbst führt Joseph Kap-herrs Weg ein Stück weit zurück in seine Heimatstadt. Aus Salzburg ist im Gegensatz zu den anderen Bundesländern erst spät der Ruf nach dem bewährten Mentoring für Jugendliche gekommen. Im Vorjahr kontaktierte eine FH-Salzburg-Professorin das Sozialunternehmen, Studenten erstellten eine Standortanalyse für Sindbad. Das half enorm: "Seit dem Schullockdown werden wir noch stärker angefragt. Im Herbst wollen wir auch in Salzburg mit Mentoring starten", so der Vorsitzende der Sindbad-Holding. Wie viele junge Leute Mentoren werden wollen, überrascht den Salzburger immer wieder. Von den bisher 1300 Zweierteams kamen 250 aus Firmen, der Rest rein ehrenamtlich. Auf einen Schüler kommen drei Bewerber.

Interessierte können sich ab März auf www.sindbad.co.at bewerben.

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