Arbeitswelt

Mein Weg: Brüder erobern Getränkemarkt

Gesund und öko: Schon 800.000 Kunden bestellen online Microdrinks zweier Salzburger. Für ihr Start-up Waterdrop holten sich Martin und Henry Murray einen Top-Unternehmer-Preis.

Man wirft einen kleinen Pulverwürfel in ein Glas Wasser und erhält ein fruchtiges Getränk - ohne Kalorien und Konservierungsstoffe. Je nach Sorte besteht der Würfel aus bestimmten Frucht- und Pflanzenextrakten. So einfach es klingt, so erfolgreich ist das Konzept der Microdrinks von Waterdrop. Kürzlich ehrte die internationale Unternehmensberatung EY die Waterdrop-Gründer Martin Murray, Henry Murray und Christoph Hermann. Sie erhielten in der Kategorie Start-up einen der begehrten "Entrepreneur Of The Year Österreich"-Preise. Die Getränkeinnovation soll Menschen dazu bringen, mehr Leitungswasser zu trinken und dabei zugleich die Umwelt zu schonen, da keine Plastikflaschen benötigt werden.

Start-up mit Salzburger Wurzeln

Zwei der drei Waterdrop-Gründer haben ihren steilen Karriereweg von Salzburg aus genommen: Martin und Henry Murray (36, 30). Die beiden Brüder sehen die Auszeichnung als weitere Bestätigung dafür, auf dem richtigen Weg zu sein. Dass sie eine Passion für Wirtschaft haben, war den Brüdern schon früh klar. Aufgewachsen in Salzburg-Langwied, entschieden sich beide nach vier Jahren Gymnasium für die Handelsakademie HAK 1. Damals hießen die Brüder noch Wieser wie ihr Salzburger Vater, seit einiger Zeit nun Murray nach ihrer schottischen Mutter Murray, um deren Namen zu erhalten. An die HAK-Zeit erinnern sich Martin und Henry gerne zurück. "Wir haben eine geniale wirtschaftliche Ausbildung bekommen. Und wegen der damals nervigen Textverarbeitung können wir heute so schnell tippen", meint Martin schmunzelnd. Nach der Schule an der Uni Wirtschaft zu studieren lag für beide auf der Hand. Anschließend an Zivildienst und IBWL-Studium an der Wirtschaftsuni Wien arbeitete Martin im internationalen Management in Mailand und in der Papierhandelsfirma seines Großvaters in Schottland. Als Mitarbeiter der Unternehmensberatung Boston Consulting Group konnte er anschließend an der top Business School INSEAD in Singapur ein MBA-Studium absolvieren - wertvolles Wirtschafts-Know-how für den Gründer.

Henry nennt als wichtige Station während seines IBWL-Studiums die Mitarbeit in einer studentischen Unternehmensberatung: "Dort haben Studenten mit Unternehmen zusammengearbeitet. Da lernst du, unternehmerisch zu denken. Dieser Nebenjob half mir sehr." Nach einem weiteren Studium (Geschichte an der Eliteuni LSE in London) und Tätigkeiten als Bankpraktikant und bei Start-ups arbeitete er auch als Unternehmensberater bei der Boston Consulting Group.

Eine geniale Vision - schwierige Umsetzung

Währenddessen tüftelte Martin bereits an seiner Idee, die auf einem Singapur-Flug mit seiner Mutter entstand: "Wir bestellten Wasser und sagten, eigentlich wäre ein Microdrink genial, der leicht zu transportieren ist und Wasser einen Geschmack verleiht", so Martin. Gemeinsam mit seinem Freund Christopher und seinem Bruder Henry gründete er das Microdrink-Start-up. "

Die Vision umzusetzen war schwierig. Wir mussten die richtige Rezeptur und die richtigen Früchte und Kräuter finden, Maschinen für die Kompression entwickeln lassen und passende Verpackungen auswählen." Ohne Geld, dafür mit viel Selbstbewusstsein und Herzblut, überzeugten die Gründer verschiedene Unternehmen mitzumachen. "Als 2017 der erste Würfel fertig war, waren wir so stolz. Wir eröffneten einen Pop-up-Store in der Mariahilfer Straße. Aber leider haben die ersten Drinks den Kunden nicht sehr geschmeckt", schildert Henry im Rückblick. "Das erste Produkt muss dir peinlich sein", so sieht es Martin heute gelassen. Den Misserfolg haben die Brüder längst wettgemacht. In vielen Gesprächen mit ihren Kunden kamen sie auf den richtigen Geschmack.

Erfolg und Expansion

Inzwischen haben die Wahlwiener einen zweistelligen Millionenbetrag in ihr Unternehmen investiert und beschäftigen knapp 200 Mitarbeiter - weitere laufend gesucht. Mit den nun zahlreichen Sorten an Microdrinks und Microteas sind sie in zwölf Ländern vertreten, seit Kurzem auch in Spanien.

Man will noch kräftig weiterwachsen. "In ein paar Jahren wollen wir ein globales Unternehmen sein. Derzeit bereiten wir die Expansion in den US-Markt vor", so Martin. Verkauft wird in erster Linie online, bereits 800.000 Kunden bestellen sich auf diesem Kanal die kleinen Microdrink-Würfel zu sich nach Hause. Die rund 200.000 Kunden in den Shops und in 4500 Supermärkten (Bipa u. a.) machen die Million voll. Auf die Rückmeldungen der Käuferinnen und Käufer geben die Gründer viel. "Wir lernen von unseren Kunden, deshalb beziehen wir sie viel mit ein", beschreibt Henry die Philosophie. Sobald Geschäftsreisen wieder möglich und sinnvoll sind, werden die Brüder wieder persönlichen Kontakt zu ihren Mitarbeitern in den 16 Stores im In- und Ausland aufnehmen. Einer davon befindet sich in der Salzburger Getreidegasse. Martin: "Da gehen wir gerne hin. Im Herzen sind wir immer daheim." Als Brüder zusammenzuarbeiten bezeichnen sowohl Martin als auch Henry als sehr positiv. "Wir sind uns ähnlich, vertrauen uns blind und können daher viel von unserem Unternehmergeist in der Firma verteilen", so Martin. Klar, dass die Arbeit nicht um Punkt 18 Uhr endet. Henry: "Unsere Frauen würden sagen, bei Familientreffen dreht sich schon vieles um Waterdrop."

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